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Salone del Mobile 2019

Masse statt Klasse

Was hatten die Milan Design Week und der Salone 2019 zu bieten, außer den üblichen Superlativen: mehr Besucher, mehr Aussteller, mehr Locations? Viele Unternehmen feierten Jubiläen. Nachhaltigkeit ist ein Wert an sich und Re-Editionen sind immer noch eine vermeintliche Lösung für fehlende Innovationsbereitschaft. Caroline Klein wagt einen Rückblick.

Autorin Caroline Klein

Was gab’s neues? Was waren die Highlights? Es ist schwierig, diese rituelle Frage nach den Messetagen zu beantworten. Natürlich waren interessante, ansprechende und solide Produkte von bestechender Qualität und Detailgenauigkeit dabei. Spektakuläre von berühmten Architekten entworfene Stände schienen mit ihrer Hülle jedoch oftmals den Inhalt zu dominieren.

Wirklich sensationelle und innovative Meisterstücke vermisste man leider auch in diesem Jahr. Dies bestätigten auch die ‚Inspirationen‘ der 80’er Jahre, des Bauhaus und weitere Re-Editionen von Ikonen.

Salone del Mobile
Hella Jongerius entwarf für Vitra das Sofa ‚Vlinder‘. Das besondere sind die Jaquard-Bindungen. Foto: Vitra

Nachhaltigkeit gewinnt an Wert

Die alarmierende Klimasituation fordert zu einem bewussten verantwortlichen Umgang auf, die Idee der Nachhaltigkeit durchdringt viele Entwürfe. So gewinnen sie an Wert. Recyclierbare Materialen erhalten endlich ihre Dringlichkeit. Passend dazu hatte die ikonenhafte Galleristin Rossana Orlandi Designer und Künstler aufgefordert, das Material Plastik zu überdenken, ob durch den Gebrauch recycelter Polymere oder Biokunststoff. Im Museum für Wissenschaft und Technik konnte man ihre Ideen sehen. Parallel dazu wurde der ‚RO Plastic Prize‘ verliehen.

Salone del Mobile
Material Plastik überdacht. Foto: RO Plastic Prize

S.Project als B2B-Plattform

Der 58. Salone del Mobile mit 2 418 Ausstellern aus über 40 Ländern konnte dieses Jahr 386 236 Besucher verzeichnen, (12% mehr als 2017). Die Messe selbst führte als Neuerung das ‚S.Project‘ als B2B-Plattform ein. Damit will sie das Bündnis zwischen Retail, Designern und Herstellern untermauern. Eine interessante Szenerie in einer 360-Grad Perspektive, die aber leider keinem roten Faden und keiner Logik zu folgen schien.

Das Jahr der Jubiläen

Viele der großen Marktführer feierten dieses Jahr ein Jubiläum, ob Samsung oder Kartell mit einer Ausstellung ‚The art side of Kartell‘ im Palazzo Reale. B&B feierte den 50. Geburtstag der ‚Up Serie‘ von Gaetano Pesce und auch Living Divani das 50-jährige Bestehen der Firma. Knoll International zelebrierte das Bauhaus.

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Ein Klassiker: ‚Barcelona‘-Chair von Ludwig Mies van der Rohe. Foto: Knoll International

Alessi präsentierte im Mudec in der Zona Tortona die 40-jährige Geschichte seiner Kaffeemaschinen, von der ersten im Jahr 1979 mit dem Namen ‚9090‘ von Richard Sapper bis zur zuletzt erschienenen von David Chipperfield.

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Alessi präsentierte im Mudec in der Zona Tortona die 40-jährige Geschichte seiner Kaffeemaschinen. Im Bild ein Entwurf von David Chipperfield. Foto: Alessi

Die Ikone des Sitzmöbelherstellers EMU, Rio, feiert ihr 50-jähriges Jubiläum. Als eine Weiterentwicklung des Klassikers der 70er Jahre hat das Designerduo Emanuel Gargano und Anton Cristell eine Neuauflage entworfen.

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Die Ikone des Sitzmöbelherstellers EMU, Rio, feiert ihr 50-jähriges Jubiläum. Das Designerduo Emanuel Gargano und Anton Cristell entwarf eine Neuauflage. Foto: Emu

Concept Restaurant von Tom Dixon

Tom Dixon trotzt dem Brexit und eröffnet in Mailand sein erstes Concept Restaurant ‚The Manzoni‘ – eine Kombination aus Bistro, Blumen- und Einrichtungsladen. Der Autodidakt, der 2002 seine eigene Marke gründete, liebt Herausforderungen und außergewöhnliche Geschäftsideen. Nach etlichen Jahren von Pop-up Läden während der Designwoche, wollte er endlich etwas Dauerhaftes.

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Tom Dixons ‚The Manzoni‘: Ein urbaner Jungle, von oben natürlich belichtet, ergänzt um die Hängeleuchten der neuen Linie ‚Spring‘. Foto: Tom Dixon

Triennale di Milano

Nach elf Jahren hat die Triennale di Milano ihre Formel vom temporären und thematischen zum dauerhaften und chronologischen Design Museum unter der Leitung von Joseph Grima gewandelt. Grundgedanke ist dabei, die wertvolle Sammlung des Museums zu dokumentieren und die weitreichende italienische Perspektive zur Geschichte der Designdisziplin nachzubilden, jedoch nicht im Sinne als Ort der Erinnerung, sondern als Ort der Inspiration im ältesten Sinne des Wortes, als Ort der Muse.

Über 900 Locations sind zeitraubend

Der FuoriSalone bot 1 348 Events in 950 Locations. Vom touristischem Standpunkt aus gesehen ein attraktives Phänomen, aber leider äußerst zeitraubend für diejenigen, die neue Designtrends suchten.

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Fondazione Prada.

Mailand ist und bleibt eine Kultur- und Designmetropole, bedingt durch Architekturprojekte wie die Fondazione Prada mit dem Turm von OMA, das Porta Volta Projekt von Herzog & De Meuron, der Apple Store von Foster + Partners, das Gucci Headquarter von Piuarch , das City Life Viertel von One-Works mit den Generali Türmen von Zaha Hadid Architects, der PwC Turm von Daniel Libeskind und dem Allianz Turm von Arata Isozaki und Andrea Maffei.

Alles wesentliche Beiträge für die Stadt als Kulturdestination. Bleibt nur noch auf den Bocconi Campus von SANAA und das Museum für Etruskische Kunst von Mario Cucinella zu warten.

Lambrate ist Vergangenheit

Das Kapitel Lambrate ist Vergangenheit und Ventura Projects verstärkte seine Präsenz mit internationalen Firmen und Designern in der Gegend des Hauptbahnhofs (Ventura Centrale), zum Teil unterirdisch, zum Teil in stillgelegten Fabrikgebäuden. Internationale Präsentationen der Unis finden mittlerweile unter dem Namen Ventura Future in der BASE in der Zona Tortona statt.

Das Interni Magazin organisierte wie jedes Jahr in der Università Statale di Milano eine riesige Ausstellung. Interaktive Installationen verschiedener Maßstäbe und Dimensionen stellten unter dem Titel ‚Human Spaces‘ den Menschen und seine lebensnotwendigen Bedürfnisse in den Mittelpunkt des kreativen Entwurfs.

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Installation ‚MultiPly‘ von Waugh Thistleton Architects und Help the planet, help the humans.
Foto: Maria Christina Finucci

Im Botanischen Garten gleich neben der Kunstakademie im Herzen Breras stellte das Büro Carlo Ratti Associati gebogene Strukturen aus den Wurzeln von Mycelpilzen auf.

Die Projekte des japanischen Büros nendo gehören seit einigen Jahren zu denen, die mit großer Spannung erwartet werden. Die Neugier wurde, auch wenn man fast so lange wie am Kartenvorverkauf der Scala anstehen musste, voll befriedigt. ‚breeze of light‘ war eine gelungene Inszenierung.

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Installation des japanischen Büros Nendo: ‚Breeze of Light‘. Foto: Nendo

3D-Installation von Arthur Mamou-Mani

Man konnte den ‚design oriented‘ überfüllten Events, bei denen man lange in der Schlange anstehen muss, entgehen und sich auf Besuche bei Architekturstudios oder auf architekturorientierte Events konzentrieren.

Die Modefirma COS zeigte eine instagrammtaugliche Installation im Innenhof des Palazzo Isimbardi: ‚Conifera‘, eine riesige 3D-gedruckte Installation aus erneuerbaren Materialien vom französischen Architekten Arthur Mamou-Mani.

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Instagrammtaugliche Installation des  Architekten Arthur Mamou-Mani. Foto: COS

Das Design Studio Space Encounters erstellte im historischen Palazzo Clerici gemeinsam mit Creative Holland ein temporäres Museum, das Raum für Kunst und Design mit einer beruhigenden Atmosphäre und Kontemplation kombinierte.

Die Euroluce fand 2019 ebenso statt. Finden Sie hier die Highlights

Wenn Licht neu Gestalt annimmt


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