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Digital wird real – Laser stukturiert Oberflächen

Sublidot

Kaum etwas bewegt die Holzwerkstoff-Branche und Designer so intensiv wie das Thema Struktur. Einen spannenden Beitrag dazu liefert das eidgenössische Unternehmen Strasser mit dem Sublidot genannten Verfahren.

Autor Armin Scharf

Während vielerorts an neuen Verfahren gearbeitet wird, um Oberflächendekore mit haptisch fühlbaren Strukturen auf neuen Wegen zu verbinden, fokussiert man im eidgenössischen Thun einen besonderen Strukturansatz. Nicht die Imitation mehr oder weniger natürlicher Muster hat man beim Unternehmen Strasser im Blick, sondern die Realisierung frei gestaltbarer, dreidimensionaler Oberflächen. Und dazu nutzt man beim 1947 gegründeten Mittelständler die Lasertechnologie.

Sublidot
Die Laser-Sublimation eröffnet innovative Optionen für die prägnante Strukturierung der Oberflächen von Holzwerkstoffen. Im Bild ‚Hollow‘, Design Harry Hersche.
Foto: Strasser AG Thun

Prinzipiell ist der Laser in der Holzverarbeitung kein neues Tool, ermöglicht er doch in der Variante des Lasercut den exakten Zuschnitt von Bauteilen. Strasser allerdings variiert das Prinzip und setzt den energiereichen Strahl des Lasers zur Modifikation der Oberfläche von Werkstücken ein. Der Laser durchtrennt das Werkstück nicht, sondern trägt seine Oberfläche partiell ab. Das, was dabei passiert, nennt der Physiker Sublimation: Ein Feststoff geht durch Energieeintrag direkt in den gasförmigen Zustand über – der Zwischenschritt der Verflüssigung durch Schmelzen entfällt. Die dafür notwendige Energiemenge, Sublimationswärme genannt, ist ein stoffspezifischer Wert und entspricht der Summe aus Schmelz- sowie Verdampfungswärme.

Sublidot
Die Optionen der Strukturierung per Lasersublimation sind nahezu unbegrenzt.
Foto: Strasser AG Thun

Drei Millimeter in die Tiefe

Sublidot, so die Bezeichnung des Verfahrens, kann man also durchaus programmatisch verstehen, beinhaltet es doch zum einen den Begriff Sublimation sowie den Dot, der auf die punktgenaue Bearbeitung einer Oberfläche verweist. Im Gegensatz zum Lasercut mit seinen charakteristisch dunklen Schnittkanten findet bei der Sublimation keine verfärbende Oxidation und damit eine Veränderung des Materials statt. Sowohl die Strukturformen wie auch deren Topografie lassen sich individuell steuern – die maximale Tiefe hängt vom jeweiligen Werkstoff ab.

Sublidot
Mehrschichtige Materialien ergeben tolle gestalterische Effekte. ‚Sunshower‘, Design Harry Hersche. Foto: Strasser AG Thun

„Mit zunehmender Dichte des Werkstoffes nimmt die erzielbare Tiefe ab“, so Patrizia Hersche, Verantwortliche Marketing & Kommunikation bei Strasser. Oder physikalisch erklärt: Je dichter, desto mehr Energie ist für die Sublimation notwendig. Derzeit realisiert man bei Strasser Tiefen von 0,1 bis 3 Millimeter – ein beeindruckendes Maximum, das ganz neue haptische und visuelle Effekte ermöglicht. Übrigens auch, weil sich völlig eigenständige, frei formbare Strukturen umsetzen lassen – und das ab der legendären Losgröße 1, bei industriellen Standards, die reproduzierbare Qualitäten mit schneller Bearbeitung und kalkulierbaren Kosten verbinden. „Unser System benötigt für die Bearbeitung eines Quadratmeters durchschnittlich 4,5 Stunden“, erklärt Hersche.

Die Voraussetzungen

Für das Sublimationsverfahren kommen ausschließlich Werkstoffe mit organischem Charakter infrage. In erster Linie sind das natürlich alle Holzwerkstoffe, aber auch harzgebundene Werkstoffe mit mineralischen Eigenschaften, also Verbund- materialien wie Corian oder Hi-Macs. Furnierte Werkstoffe oder Schichtmaterialien lassen sich ebenfalls bearbeiten und die Schichtung dabei als gestalterisches Mittel mit Tiefenwirkung einsetzen. „Wir haben aber auch schon gute Erfahrungen mit eloxierten und lackierten Blechen erzielt“, ergänzt Hersche.

Sublidot
Entwurf ‚Azalea‘ von Lianel Spengler.
Foto: Strasser AG Thun

Dennoch ist MDF in seinen unterschiedlichen Durchfärbungsoptionen dank seinem feinen, homogenen Aufbau prädestiniert für die Sublidot-Verarbeitung, weil es scharfe und damit filigrane Strukturen ermöglicht. Bei Massivholz wiederum beeinflusst das natürliche Faserbild die Ausbildung der Struktur. Momentan bearbeitet Strasser Formate von bis zu 310 x 200 cm bei Stärken von maximal 6 cm. Die Struktur lässt sich exakt um Kanten herumziehen, vorausgesetzt, es handelt sich um plane Werkstücke.

Individuell und universell

Welche Möglichkeiten das Verfahren bietet, zeigt Strasser mit seiner prototypischen „MDF patterned“-Reihe, zu der sechs Designer aus der Schweiz beitrugen. So zum Beispiel Harry Herrsche aus Zürich, der geometrische und florale Motive in die Dreidimensionalität überführte – und auch einen Tisch mit subtiler, textil anmutender Oberfläche kreierte. Grundsätzlich lässt sich das Verfahren nutzen, um flächige Ergebnisse oder aber gravurähnliche Modifikationen zu erzielen: Die Auflösung lässt selbst feinste Lineaturen zu, wie das Beispiel der Oltener Raiffeisenbank zeigt.

Nicht nur die Palette an verfahrenskompatiblen Materialien ist breit, auch das Finish erweitert die Gestaltungsmöglichkeiten. „Es lassen sich sämtliche gängigen Lackierungen applizieren, durch uns oder unsere weiterverarbeitenden Kunden“.

Sublidot
Florale Strukturen …
Foto: Strasser AG Thun

MDF prädestiniert für Sublidot-Verarbeitung

Rein technisch betrachtet eignet sich das Verfahren also für Möbelbau, Innenarchitektur und sogar für den Fassadenbau. Weil auch mikro-perforiertes Halbzeug per Sublimation mit individuellen Oberflächenstrukturen verfeinerbar ist, eröffnen sich der Raumakustik ebenfalls neuartige Optionen, Optik mit Funktion zu verbinden. Mit seinem Verfahren tritt Strasser an, jenes Versprechen der Individualisierung einzulösen, das Unternehmen wie Zulieferer zwar häufig formulieren, aber letztlich oft genug nicht erfüllen können.

Sublidot jedenfalls will offenes Werkzeug sein – zwar zeigen die Thuner eine eigene Kollektion, die zusammen mit sechs Designern aus der Schweiz entstand, aber „diese Muster sollen als Inspiration dienen und Gestalter zu eigenen Kreationen ermuntern“.

Der Weg zur eigenen Struktur erscheint sehr niedrigschwellig: Als Basis für die digitalen Bearbeitungsketten genügt laut Strasser-Angaben eine CAD-Datei oder ein Jpeg-Format mit einer Auflösung von 300 dpi. Auf diesem Weg lassen sich übrigens nicht nur neue Strukturen generieren, sondern auch Vorhandenes nachstellen – etwa für Rekonstruktionen oder Ergänzungen historischer Originale.

Webseite des Unternehmens

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