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Ressourcenminimierung

Innovation und Nachhaltigkeit: Ressourcenminimierung
Wieviel Hightech braucht es?

Ressourcenminimierung
Akustikpaneele von Troldtekt, die durch den gesamten Lebenszyklus hindurch nachhaltig und Cradle to Cradle zertifiziert sind. Sie sind frei von Schadstoffen und können nach ihrer Nutzung umweltfreundlich kompostiert werden. Foto: Force4 Architects
Unsere Autorin Tina Kammer fragt: Wo bleibt der Mensch, wenn Alexa und Co. unser Dasein steuern? Bietet nicht auch die Natur ausreichend Lösungen für Effizienz, Zeitersparnis und Ressourcenminimierung?

Welche Mädchennamen sind derzeit ständig im Gespräch? Richtig: Greta und Alexa. Zahllose Alexas bevölkern mittlerweile unsere Gemächer und machen uns das Leben leichter: Der Gang vom Sofa zum Lichtschalter entfällt, sobald Alexa bei uns eingezogen ist.

„Sie“ bewegt die Jalousien, heizt schon mal ein, bestellt Pizza und vieles mehr, ohne, dass wir – außer unserer Stimme – etwas erheben müssten. Und auch wenn wir nicht mit ihr reden ist sie immer da, hört genau zu und bewacht uns und unser Haus.

Wo führt uns noch mehr Technik hin? Dient diese uns oder wir ihr? Müssen der WC- und der Autositz per App beheizbar sein? Müssen wir es uns im Winter draußen unter Heizpilzen gemütlich machen? Muss ich mittels Mobiltelefon informiert werden, wenn etwas in meinen Briefkastenschlitz fällt?

Wie smart ist smart?

Für Menschen mit zum Beispiel motorischen Einschränkungen oder Sehbehinderungen mögen die wunderbaren Hilfestellungen zur Bewältigung des Alltags sehr unterstützend sein.

Einige Applikationen wollen nachhaltiges Miteinander fördern, indem sie uns zum Beispiel zu Läden führen, die ihre abgelaufenen Lebensmittel verteilen, oder indem sie Nachbarn miteinander verknüpfen und zum Teilen anregen.

Wir erhoffen uns davon Effizienz, Zeitersparnis, Weltverbesserung, nie gingen wir jedoch unbesorgter mit Ressourcen, wie beispielsweise Strom, um. Die zahllosen Klicks, Suchen, Recherchen, Verbindungen, Streamings produzieren mehr CO 2 denn je.

Wo bleibt der Mensch bei der Volltechnologisierung?

Und wer sind wir, wenn der Stecker gezogen wird? Was passiert zum Beispiel im vielbeachteten Neubau Cube in Berlin bei einem Stromausfall? Von der Buchung des Workspaces, über die Licht- und Temperaturverhältnisse und das Ordern von Nahrungsmitteln bis hin zur Parkplatzsuche geschieht in diesem „smart building“ alles über eine App.

Wir sind schon lange angewiesen auf funktionierende Technik, Stück für Stück machen wir uns aber immer noch abhängiger davon.

Wo bleibt der Mensch bei der Volltechnologisierung? Wie fühlt er sich in dieser Umgebung, in der Befinden, Haptik und Sinn für Geborgenheit nicht an erster Stelle stehen? Wo extra Raum geschaffen werden muss für Technik und wo der Rückbau der smarten Gebäude zu einer Flut von Sondermüll führt?

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Akustikpaneele von Troldtekt, die durch den gesamten Lebenszyklus hindurch nachhaltig und Cradle to Cradle zertifiziert sind. Sie sind frei von Schadstoffen und können nach ihrer Nutzung umweltfreundlich kompostiert werden. Foto: Force4 Architects

Ressourcenminimierung

Obwohl wir doch inzwischen begriffen haben, dass althergebrachte, ursprüngliche Bauweisen mit natürlichen und nachwachsenden Baustoffen nach wie vor unseren heutigen Wohnstandards genügen und für Ästhetik, Behaglichkeit und gesunde Raumluft sorgen.

Eins vor, zwei zurück. Wir dürfen die Natur zum Vorbild nehmen, in ihr finden sich bereits Lösungen für die Energieversorgung, Temperaturkontrolle, Ressourcenminimierung und viele andere Herausforderungen, denen wir heute gegenüberstehen.

Unsere konventionelle Bauweise werden wir nicht unbegrenzt ausführen können, denn uns geht schlichtweg das Material aus! Wir sollten uns verstärkt kreislauffähigen Bauweisen zuwenden, Erfahrungen sammeln, um die großen Problemfelder zu lösen.

Rückschritt dank Fortschritt

Bei dem Auftrag, den Greta der Gesellschaft erteilt, nämlich unseren Planeten zu bewahren und bewohnbar zu halten, helfen Alexa und all das passende Spielzeug und Zubehör uns bisher nur ganz bedingt weiter. Aber kein Tief ohne Hoch und andersherum.

Wir brauchen Technik im Alltag, sie ist mittlerweile so gut wie lebensnotwendig geworden in Europa. Aber wir müssen unterscheiden zwischen aufs Klima pfeifenden Gadgets, die zur reinen Materialschlacht werden und nützlichen Dingen, die uns tatsächlich unterstützen, sei es im Alltag oder medizinisch.

Dazu noch Ressourcenminimierung und den CO2-Ausstoß fest im Blick, dann werden aus den beiden ungleichen Damen Alexa und Greta vielleicht sogar so etwas wie Freundinnen.

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Tina Kammer

Kolumnistin, leitet gemeinsam mit Andrea Herold die Plattform interiorpark.com, auf der sie ausgewählte Produkte für gesundes und nachhaltiges Bauen präsentiert. Zudem realisiert sie eigene Architekturprojekte mit ihrem Studio.

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