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Fairphone ist ein von Amsterdam aus international agierendes Unternehmen der Elektronikindustrie. Im Programm ein einziges Produkt. md

Produktion unter ganzheitlichen Bedingungen
Projekt Fairphone

Die Umweltverträglichkeit von Produkten setzen wir heute vielfach voraus. Doch wie sehen die sozialen Aspekte in der Produktion aus? Das Projekt Fairphone steht für einen vielversprechenden Ansatz.

Autor Jörg Zimmermann

Faire Produkte? Was ist das eigentlich und brauchen wir die? Über die Umweltverträglichkeit von Dingen haben wir längst alle schon nachgedacht.

Die ökologischen Aspekte unserer Warenwelt werden seit den späten 1970er Jahren erörtert. Über die Jahrzehnte hat sich daraus ein breiter Konsens zur ökologischen Dimension von Produkten entwickelt. Bei vielen Dingen setzen wir heute deren ökologische Verträglichkeit voraus. Aber faire Produkte? Das ist eine noch recht junge Diskussion.

Bei fairen Produkten erfolgt die Betrachtung der Wertschöpfungskette ganzheitlich. Nicht nur ökologische Fragestellungen und wirtschaftliche Aspekte werden hier bei der Herstellung eines Produktes betrachtet, auch die soziale Dimension des Produktionsprozesses wird in den Blick genommen. Von der Rohstoffgewinnung über den gesamten Lebenszyklus des Produktes werden alle Schritte des Prozesses auch auf gesellschaftliche Auswirkungen hin überprüft. Der ganzheitliche Ansatz ist mühevoll, aber auch vielversprechend, wie das Beispiel Fairphone zeigt.

Fairphone ist ein von Amsterdam aus international agierendes Unternehmen der Elektronikindustrie. Im Programm ein einziges Produkt.

Alternatives Geschäftsmodell

Das aktuelle Modell „Fairphone 2“ ist ein modernes Smartphone, dass sich mit seinen technischen Eigenschaften keinesfalls zu verstecken braucht: 5 inch Full HD-Display, Android 6.0-Betriebsystem, 32 GB interner Speicher, Front- und Hauptkamera, Dual-SIM. Aber auf die technische Leistungsfähigkeit des Gerätes kommt es dem Unternehmen gar nicht vornehmlich an. Was zählt, ist die Grundidee, den gängigen Mechanismen in Produktion und Vermarktung ein alternatives Modell entgegen zu setzen. „Wir sind eine Anomalie im System der Mobiltelefonanbieter“, sagt Unternehmenssprecher Fabian Hühne.

Ausgangspunkt für Fairphone war kein explizierter Designentwurf sondern die Auseinandersetzung mit der Herkunft der Materialien, die in Mobiltelefonen verbaut werden. Im Fokus der Betrachtungen standen die Produktionsbedingungen, unter denen Rohstoffe wie Zinn, Wolfram, Tantal oder Gold gewonnen werden, und die Auswirkungen, die die Gewinnung dieser Materialien auf die jeweiligen Gesellschaften haben. Die in herkömmlichen Mobiltelefonen verwendeten Metalle und Mineralien werden im Bergbau gewonnen, oft unter primitiven Bedingungen mit erheblicher Umweltverschmutzung und gefährlichen Arbeitsbedingungen. Besonders offensichtlich im Beispiel Kongo, wo die Förderung der Materialien zudem der Finanzierung von Kriegsaktivitäten von Rebellgruppen diente.

Faire Produktion im Fokus

Bas van Abel, Initiator und Gründer von Fairphone, wurde schnell klar, dass die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten nicht ausreichend sein würde, um systemische Veränderungen zumindest anzustoßen. So entstand schließlich die Idee, das Konzept einer fairen Produktion durch den beispielhaften Aufbau einer solchen zu verbreiten.

Ein Produkt als Hebel zur Veränderung des Umgangs mit Produkten. „Anhand des Fairphone können Nutzer wieder verstehen, unter welchen Bedingungen ein Gerät entsteht“, sagt Hühne. Das Unternehmen Fairphone wurde in den Niederlanden als sogenanntes „Social Enterprise“ gegründet, die Erstauflage des Smartphone per Crowfunding finanziert.

Mit bislang rund 130 000 verkauften Einheiten des Fairphone 2 ist das Unternehmen noch ein Winzling im Markt. Doch die Zeichen für Veränderung stehen gut.

Viele Smartphone-Nutzer zweifeln an den fast unausweichlichen Wechselintervallen für die Modelle. Gekoppelt auch an die üblichen Laufzeiten von Mobilfunk-Verträgen fordern die Modellwechsel der Hersteller implizit alle zwei Jahre zum Austausch des Mobiltelefons auf. Fabian Hühne: „Mit einem Produktzyklus von drei bis fünf Jahren ermöglicht Fairphone rund eine Verdopplung der in der Branche üblichen Nutzungsdauer.“ Möglich wird dies auch durch das modulare Design, das eine einfache Reparatur mit wenigen Handgriffen durch den Austausch von defekten Modulen – beispielsweise Display oder Akku – ermöglicht.

Mittlerweile rückt Fairphone aus der Nische Richtung Mainstream, weil das Produkt, aber auch der unternehmerische Ansatz einer fairen Produktion offensichtlich breite Zustimmung findet. War das Unternehmen bisher meist auf Messen und Events mit technischem Background vertreten, wurde das Fairphone in diesem Jahr während des Salone del Mobile im Kontext Design und Lifestyle präsentiert. Kein schlechter Ansatz, denn Design wird immer (wieder) auch im Kontext idealistischer Ideen diskutiert. Gut möglich, dass das Fairphone-Konzept Unternehmen wie auch Designer anregt, auch in anderen Bereichen die Wertschöpfungskette ganzheitlich(er) zu betrachten.

Fairphone


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