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Innovation und Nachhaltigkeit - Kooperation mit Green Product Award

Plastic fantastic? Das recycelte Büro

Die Recycling-Industrie hat Fahrt aufgenommen, PET erhält ein zweites Leben. Selbst in der Bürobranche kann man den Trend erkennen. Bei gleichbleibend hoher Form und Funktion wird Nachhaltigkeit im Büro zum i-Tüpfelchen.

Die Digitalisierung verwandelt die Bürowelt und die Anforderungen an Ruhe, Flexibilität und Individualität des eigenen Arbeitsplatzes wachsen. In gleichem Maße stellen die spontane Umnutzung von Flächen für wechselnde Teamzusammensetzungen, Workshops oder die Erschaffung kleinerer Einheiten Herausforderungen an Planer. Viele Lösungen, die hier zum Einsatz kommen, nutzen Kunststoff in all seinen Formen – und immer mehr Hersteller greifen dabei auf recyceltes Material zurück. Begriffe wie ‚PET-Bottles‘ oder ‚Ocean Plastic‘ stehen nun im Kontext von formstabilen Stühlen, Tischen und Raumtrennern sowie Leuchtsystemen. Die Leichtigkeit der Objekte, die akustische Wirkung, die Stabilität sowie die erneute Recycelbarkeit des im Idealfall sortenreinen Materials unterstreichen: Ein Umdenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit im Büro lohnt sich.

Wer sich in diesem Feld schon etwas länger tummelt, erkennt man schnell am Design und dem Funktionsgrad der Entwürfe. Ganz vorn dabei sind zwei Hersteller aus den Niederlanden.

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Immer mehr Büromöbelhersteller entdecken das Potenzial von recyceltem PET für sich. Allen voran: De Vorm. Foto: www.visualpd.nl

De Vorm waren vor 6 Jahren mit der LJ Series (z. B. mit dem PET Felt Armchair) Vorreiter und natürlich auch einer der ersten Teilnehmer beim Green Product Award. Heute finden sich De Vorms Stühle beispielsweise im Entree der Niederländischen Botschaft in Berlin. Auf der Orgatec bewies das Unternehmen, dass es seinen Ansatz mittlerweile auf ein ganzes Büro ausgeweitet hat. Stühle, Raumtrenner, Wandelemente, Leuchten, Deckenelemente: Neben der formalen Einheit überzeugen die abgestimmten Farblinien.

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Die ‚Plastic Whale‘-Möbelserie von Vepa besteht Plastikmüll, den engagierte Bürger aus Amsterdams Grachten fischen.

Akustisch wirksame PET-Filze

Auch Vepa bringt recyceltes Plastik ins Büro. ‚Plastic Whale‘ kommt mit dem Boardroom Table nebst Bestuhlung daher. Ein Regalsystem mit experimentellen Akustikpaneelen ergänzt die Kollektion. Der Hersteller verspricht zudem eine Zero-Waste-Produktion – ein zusätzlicher Pluspunkt.

Mit Tepee schafft Rohde & Grahl eine versatile Büromöbelfamilie – unter anderem aus recyceltem PET.

Doch nicht nur Niederländer sind versiert im Upcycling. In der Nowy Styl Group präsentieren Rohde & Grahl den Raumteiler ‚Tepee‘. Designer Hilary Birkbeck konzipierte ihn ebenso für Lounges oder Pausenzonen wie für den Arbeitsplatz: Das akustisch wirksame System lässt sich sowohl mit Sofas als auch mit Schreibtischen kombinieren. Mithilfe von Verbindungselementen aus Holz lässt sich das System einfach und beliebig oft zusammenstecken. Es kommen ausschließlich zertifizierte Materialien zum Einsatz, unter ihnen ein thermogeformter Filz aus recycelten PET-Flaschen.

Mit Systemen wie ‚Ecodesk‘ verbessert Slalom die Raumakustik.

Auch bei Slalom findet man eine Welt von Raumteilern, kein Wunder, trägt Slalom doch den Zusatz ‚Acoustic & Particion Sytems‘ im Namen. Die Italiener bieten Aufsätze für Tische, Wände, Decken oder installieren Räume. Das bedeutet zum Beispiel ‚Ecodesk‘ für unbeschwertes Telefonieren am Tisch, Ecodesk Totem‘ oder ‚Eco Wall Ceiling‘ als fest installierter Raumteiler. Man kann zwischen recyceltem PET-Filz sowie einem Woll-PET-Gemisch und einer ganzen Spannbreite an Farben wählen.

Für die Nachhaltigkeit im Büro besonders spannend sind auch objekttauglich zertifizierte Materialien. Ceka entwickelte beispielsweise ‚NeoTex‘. Der akustisch wirksame Werkstoff aus recyceltem Kunststoff eignet sich für Schiebetüren, Querrollladen und Rückwände. Die Vorteile dieser patentierten Lösung: Schallabsorptionsgrad A, schadstoffgeprüft nach OekoTex, Emissionsklasse E 1, schwer entflammbar und unempfindlich gegen Feuchtigkeit.

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Hochfunktional und nachhaltig zugleich: ‚Framery 2Q‘.

Recycling als USP

Alle bislang genannten Beispiele verbindet, dass bei ihnen der Einsatz von Recyclingmaterial naheliegt. Zum Abschluss darum noch ein Entwurf, der selbst ohne nachhaltigen Anspruch einen Platz im Büro verdient hätte. ‚Framery 2Q‘ von Framery Acoustics dürfte Ihnen als Raum-im-Raum-Lösung aus md 2/19 bekannt sein: Die klimatisierte und funktionale Box ermöglicht mit innovativen Lösungen für Sound, Belüftung und Isolation den geregelten Rückzug aus dem Großraumbüro. Auch hier sind alle Materialien zertifiziert und energieeffizient produziert. Der Anteil von Recyclingmaterial variiert, doch findet es sich in den meisten Bauteilen: 60 bis 70 % Recyclinganteil beim PET- und PES-Filz, 60 % beim Akustikschaum, 15 % beim schalldichten Glas. Es ist nur zu wünschen, dass der Recycling-ansatz, so, wie Framery Acoustics es vormacht, bald mehr Materialien so umfassend erschließt, wie Kunststoff.


Autor Nils Bader

ist Initiator des internationalen Green Product Awards. Als Berater unterstützt er Unternehmen bei der Transformation, als Speaker setzt er Impulse für grüne Innovationen.


Nachhaltigkeit ist nur eine Facette guter Büroplanung. Monika Lepel berichtet.

Monika Lepel


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