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Spot on Architecture: Nicht nur Sicherheit, sondern auch Lebensqualität kann ein Entscheidungskriterium für Urban Spaces - öffentlicher Raum sein.

Spot on Architecture
Urban Spaces – öffentlicher Raum

öffentlicher Raum
Das aufgefaltete Spiegeldach des Mercat dels Encants in Barcelona – ein Gemälde öffentlichen Lebens. Foto: Amandus Samsøe Sattler
Die spekulative Dimension des Denkens kann das Undenkbare möglich machen bei der Entwicklung von Raum. Das brauchen wir im öffentlichen Raum in dieser Zeit. Nicht nur Sicherheit, sondern auch Lebensqualität kann ein Entscheidungskriterium sein.

Öffentlicher Raum wird beinahe täglich in den Medien thematisiert. Terroranschläge und Sicherheitsfragen beherrschen die aktuelle Berichterstattung. Eine Herausforderung für die künftige Gestaltung von Plätzen, U-Bahnstationen oder Märkten. Die Herausforderung war jedoch auch bisher komplex.

Unvereinbarkeit ist seine Grundlage: Die Gestalt des öffentlichen Raums muss eine Koexistenz der unterschiedlichen sozialen und ethnischen Gruppen möglich machen. Robust und zugleich mit Sorgfalt und Sensibilität soll er gestaltet sein und soviel Schönheit ausstrahlen, dass die Bürger für ihn Verantwortung übernehmen.
Noch vor ein paar Jahren hat man an seiner Relevanz eher gezweifelt. Das Gefühl von Zugehörigkeit zu öffentlichen Orten ging den Menschen verloren. Seine Kommerzialisierung und Privatisierung ging einher mit einem Verlust des Sozialen. Der öffentliche Raum ist im Begriff, seine Bestimmung zu verlieren. Öffentlich bedeutet ja: allen zugänglich. Der Ort der Freiheit wurde zum Überwachungsraum. Demokratie öffentlich leben, auch über Raumaneignung, ist jedoch eine der Grundideen der Europäischen Stadt.
Im Zusammenhang mit der Urbanisierung und der innerstädtischen Verdichtung der Gebäude rückt die Bedeutung von öffentlichen Orten und vor allem die Bedeutung ihrer gemeinsamen Nutzung wieder in den Vordergrund.
Die notwendigen Freiräume für die Bewohner der Stadt gewinnen auch an Bedeutung bei der aktuellen Klimadiskussion. So sprechen wir heute von einer naturbasierten Klimaanpassung, die mithilfe von Entsiegelung der Platzflächen und entsprechenden Bepflanzungen mit den Folgen der Klimaveränderung besser zurechtkommt.
Welche architektonischen Elemente muss ein öffentlicher Raum mitbringen, um verständlich und nutzbar zu werden und, um die heterogenen Ansprüche zu erfüllen?
Dafür gibt es kein Patentrezept, keine Typologie. Seine unterschiedlichen Spielarten erfordern auf den konkreten Ort bezogene Konzepte. Das Wesen der Stadt und ihrer Gesellschaft wird dabei anschaulich ausgedrückt.
Auseinandersetzung, aber genauso urbane Träumereien sollen zwischen den Häusern möglich sein. Das Aufeinandertreffen und schlichtweg Ertragen der anderen im öffentlichen Raum, aber auch das sinnliche Erleben, das Genießen des Orts, soll die Architektur leisten.
Das klingt nach: Unmögliches möglich machen! Nichts Geringeres ist die Herausforderung. So ist die Ästhetisierung der Räume des öffentlichen Nahverkehrs eine der großen Aufgaben der Städte für die Zukunft. Bei dem Projekt unseres Büros am Münchener Stachus war es das Ziel, eine helle und freundliche Unterwelt als Verkehrsknoten zu schaffen. Unser Vorschlag für einen weißen Terrazzoboden stieß auf völliges Unverständnis beim Auftraggeber. Ein weißer Boden im öffentlichen Raum. Unmöglich. Wenn man heute aus der bunten Stadt in die Helligkeit des Untergrunds abtaucht, kann man erleben, wie aufhellend es sein kann, zum U-Bahntunnel herabzusteigen.
In Kopenhagen stellte man sich die Frage, wie trotz des nicht gerade mediterranen Klimas, die Menschen dazu gebracht werden können, sich längere Zeit im öffentlichen Raum der Stadt aufzuhalten. Alle Plätze und Ecken wurden aufgenommen und untersucht, um sie für den Aufenthalt attraktiver zu machen. Selbst Straßen wurden verschoben zugunsten eines breiteren Gehwegs auf der Seite, die mehr Sonnenstunden am Tage bekommt.
Oder der Mercat dels Encants in Barcelona, der im Chaos versunken war. Er wurde neu strukturiert und in eine baulich robuste, dauerhafte Qualität geführt, die vorher nicht denkbar gewesen wäre. Reflektierende, gefaltete, frei über dem Markt schwebende Dächer spiegeln das Markttreiben der Menschen zwischen den Ständen an der Unterseite und zeigen so ein Gemälde des sozialen Lebens.
Unsere Aufgabe ist es, die spezifischen Angebote der Orte mit Gestaltung erlebbar zu machen. Dabei ist nicht selbstverständlich, dass Entscheidungsträger das Potenzial der Gestaltung des öffentlichen Raums auch als Werkzeug für die Bewältigung der Herausforderungen sehen.
Freiraum denken, heißt Regeln aufstellen und sie gleichzeitig hinterfragen, spielerisch und strategisch Gewohntes einsetzen und auch wieder subtil brechen, Grenzen verschmelzen, Symbole transportieren und transformieren, Geschichten erzählen und das Öffentliche der Räume herausspielen, durchaus mit einer sozialen Intention. Gerade die spekulative Dimension des Denkens führt dabei dazu, Neues zu denken und scheinbar Bekanntes neu zu interpretieren.
Autor: Amandus Sattler
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