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Gründer Serge Trigano über Mama Shelter

Mama Shelter-Gründer Serge Trigano über Erfolgsfaktoren für Lifestylehotels
Ganz die Mama

Lifestylehotels boomen: Wer eine Reise bucht, entscheidet sich für Design, Flair und gutes Essen. Die Hotelkette Mama Shelter ist das beste Beispiel. Ein Gespräch mit Mitbegründer Serge Trigano über Erfolgsfaktoren, Design, Lebensart und eine Branche im Aufbruch.

Autorin Johanna Neves Pimenta

English translation below

Wer ein Mama Shelter betritt, egal ob in Paris oder Rio, in LA oder Prag, den empfängt eine eklektisch bunte Lobby mit Sofas, Billardtischen und Shop. Ein feiner Duft liegt in der Luft, gut gekleidete Menschen machen den Durchgangsort zum informellen Treffpunkt.

Mama Shelter, Terrasse, Restaurant
Sommerliches Flair auf der Terrasse des Mama Shelter in Prag. Locals wie Gäste nutzen die Restaurants. Foto: Francis Amiand

Ob sie nun Hotelgäste oder aus der Stadt sind, lässt sich nicht sagen: „Zu unseren Erfolgsrezepten gehört, die Locals ins Mama Shelter zu holen. Sie bringen die Energie, den Vibe der Stadt zu uns“, erklärt Serge Trigano. Als ehemaliger Präsident des Club Med, des ersten All-inclusive-Urlaubsresorts überhaupt, ist der 73-Jährige ein versierter Hotelier.

Eine boomende Branche: Lifestylehotels

Anfang der 2000er gründete er gemeinsam mit seinen Söhnen sein jüngstes Baby oder sollte man sagen Mama: die mittlerweile international agierende Lifestylehotelkette „Mama Shelter“. 2008 öffnete das aus der prominenten Feder von Philippe Starck stammende erste Haus in Paris Est.

Mama Shelter
Mama-Shelter Gründer Serge Trigano und seine Söhne. Portrait: Iorgis Matyassy

„Mama“, von dem auf der Website, in Restaurantmenüs und selbst Badprodukten und Merchandise-Accessoires in der dritten Person geredet wird, bietet mittlerweile Reisenden in elf Städten in sechs Ländern ein temporäres Zuhause, Tendenz steigend. Seit 2014 Hotelinvestor Accor einstieg, expandiert die Kette.

Mama Shelter, Altstadt, Prag
Blick vom Mama Shelter auf Gründerhäuser der Altstadt Prags. Foto: Francis Amiand

„Aktuell arbeiten wir an Projekten in Singapur, Lissabon und Santiago de Chile. Wien und Dubai haben wir im Visier“, plaudert Serge Trigano aus dem Nähkästchen. Die Grundlage für Expansionsentscheidungen? Bauchgefühl. „Unsere Investoren kommen regelmäßig mit Vorschlägen auf uns zu. Wenn uns einer reizt, reisen meine Söhne und ich in die jeweilige Stadt, besuchen die Konkurrenz, verbringen Zeit in Cafés, saugen das Lebensgefühl auf. Wenn wir ein gutes Gefühl haben, gehen wir ans Werk.“

Leitmotto: Das Zara der Hotelbranche

Starken Konkurrenzdruck im boomenden Lifestylehotelmarkt scheint er nicht zu fürchten. „Wir haben kürzlich auf einem Meeting mit unseren Investoren gelernt, dass 20 bis
25 Prozent aller neuen Hotels Lifestylehotels sein werden. Das ist doch spannend, Teil davon zu sein!

Mama Shelter, Leuchte, Lobby, Prag
Die wohnliche Lobby und das Restaurant sind zum Treffpunkt geworden. Foto: Francis Amiand

Das Schöne dieser Branche ist, dass jeder eine wahre Chance hat – er muss es nur richtig machen.“ Richtig machen bedeutet im Fall von Mama Shelter: das Rundum-sorglos-Lifestyle-Paket zu einem vergleichsweise kleinen Preis. „Ich habe von uns immer als dem Zara der Hotelbranche gesprochen: schön und erschwinglich. Das ist bis heute unser Leitmotto.“

Mama Shelter, Schlafzimmer, Serge Trigano
Bunte Wände, eklektizistische Teppiche: Das Mama Shelter will auffallen, hier beispielsweise in Prag. Die Innenarchitektur hilft dabei. Foto: Francis Amiand

Von der Not zur Tugend

Ein Baustein dafür ist die exzentrisch laute Innenarchitektur. Im Falle des jüngsten Mama Shelters in Prag heißt das: stark gemusterte Teppiche, bunte Wände, schwarze Decken, handgemalte Grafiken an Decken und Wänden der öffentlichen Bereiche.

Kult sind zudem die Nachttischleuchten, die hinter Comicmasken versteckt sind: eine Mama-Shelter-Signatur – und eine Verlegenheitslösung, wie Trigano mit einem Augenzwinkern berichtet. „Als wir dabei waren, mit Philippe Starck das erste Mama Shelter zu finalisieren, schlug er horrend teure Leuchten vor, für die wir schlicht und ergreifend kein Geld mehr hatten. Das erklärten wir ihm und er war ein wenig gekränkt: ‚Ich habe genug davon, für arme Leute zu arbeiten‘.

Mama Shelter, Leuchte, Schlafzimmer, Prag
Zu den Signature-Pieces gehören Masken, die die Leuchtenschirme verdecken. Foto: Francis Amiand

Mama-Shelter-DNA

Aber es ließ sich nicht ändern und er hat daraus eine Tugend gemacht. Kurz nach unserer Besprechung schickte er Mitarbeiter los, billige Schreibtischleuchten zu kaufen und versteckte sie hinter Asterix-Masken. Man kann mit denen zwar nicht lesen, aber sie sind so gut angekommen, dass sie zur Mama-Shelter-DNA gehören.“

Mama Shelter, Treppenhaus, Durchgangsbereich, Graffiti
… oder in aufwendig gestalteten Durchgangsbereichen. Foto: Francis Amiand

Starck verließ das Unternehmen, als der Hotelinvestor Accor einstieg, doch in gewisser Weise blieb die Gestaltung in der Familie: Zunächst übernahm der ehemalige Starck-Mitarbeiter Jalil Amor die Kreativdirektion, nach seinem überraschenden Tod trat Benjamin El Doghaïli, der als Praktikant das erste Mama Shelter mitgeplant hatte, die gestalterische Umsetzung an. Punktuell bereichern zudem Designer wie Thierry Gauguin die Palette.

Food first: Erfolgsfaktor Restaurants

Doch so aufwendig die Zimmer auch gestaltet sind: Sie bilden nicht die Haupteinnahmequelle der Kette. Die kommt aus dem Restaurant, das ursprünglich dazu dienen sollte, lokales Flair ins Hotel zu bringen. Die Karte wurde zusammen mit Spitzenkoch Guy Savoy kreiert und in Paris wie in Rio wie in Prag erhält man die gleichen Speisen sowie lokale Specials. Outdoorbereiche locken im Sommer, DJs des Nachts. Damit war Mama Shelter in Europa Vorreiter.

Mama Shelter, Restaurant, Prag
Allein das Restaurant trägt mittlerweile mit 55 Prozent zum Umsatz bei. Foto: Francis Amiand

Es rechnet sich: „Mittlerweile trägt das Restaurant mit 55 Prozent zum Umsatz bei, Übernachtungen nur mit 45 Prozent“, sagt Trigano. Damit ist Mama Shelter nicht nur das Zara der Hotelbranche, sondern auch das Ikea. Wie Ingvar Kamprad hat Serge Trigano eine simple Erkenntnis kapitalisiert: Ein schöner Anblick macht nicht satt.

Weitere spannende Projekte finden Sie hier

Webseite der Hotelgruppe


Mama Shelter in Prague, Czechia, is an example in point of which factors make lifestyle hotels successful.

Mama knows best

Lifestyle hotels are on the up: anyone booking a trip will opt for design, flair and good food. Hotel chain Mama Shelter is the best example. An interview with co-founder Serge Trigano about design, lifestyle and an industry undergoing a transition.

Author: Johanna Neves Pimenta

If you come to a Mama Shelter hotel, be it in Paris or Rio, LA or Prague, you will be greeted by an eclectic, colorful lobby with sofas, pool tables and a shop. A pleasant scent fills the air and well-dressed guests make this bustling area an informal meeting point.

You will not be able to tell whether you‘re staying in the hotel or already live in the respective city: “Our secret to success is getting locals to come to Mama Shelter. They bring us the energy, the  vibe of the city“, Serge Trigano explains. He knows what he‘s talking about as the former president of Club Med, one of the world‘s first all-inclusive vacation resorts.

In 2008 him and his sons, together with star designer Philippe Starck, established their most recent project – or shall we say “the mother of all projects“: The now internationally operating “Mama Shelter“ lifestyle hotel chain opened in Paris East.

“Mama“, always referred to in the third person on the website, in restaurant menus and even on washroom products and merchandise, offers travelers in nine cities on three continents a  temporary home. The company is set for expansion. The chain has been on the up since 2014 when hotel investor Accor purchased a stake in the company.

A booming industry

“We are currently working on projects in Singapore, Lisbon and Santiago de Chile, and are planning on expanding to Vienna and Dubai“, Trigano reveals. What is the basis for the decision to expand? A gut feeling. “Our investors regularly approach us with new suggestions. If we take a shine to one, my sons and I travel to the city, stay at competitors‘, spend time in cafés
and absorb the local attitude to life. We go ahead if we have a good feeling about it.“

He doesn‘t seem to be impressed by fierce competition on the booming market for lifestyle hotels. “We recently learned at a meeting with our investors that 20 to 25 percent of all new hotels will be lifestyle hotels. I think it‘s exciting to be a part of that! The beauty of this industry is that everyone gets a genuine chance – you just have to get it right.“ In Mama Shelter‘s case, “doing it right“ means providing a comprehensive, carefree lifestyle package at a competitive price. “I have always considered our company to be like the Zara of the hotel industry: appealing and affordable. This has remained our guiding principle to this day.“

Turning a necessity into a virtue

One contributing factor is the eccentrically designed interior design. At the most recently inaugurated Mama Shelter in Prague this means carpets with a strong pattern, colorful walls, black ceilings and hand-painted artwork on the ceilings as well as walls of public areas. The bedside lights, concealed behind comic masks, have also gained cult status: A Mama Shelter signature feature – something that developed from a dilemma, Trigano admits with a wink. “When we were finalizing the first Mama Shelter with Philippe Stark, he suggested extraordinarily expensive luminaires and quite simply put, we‘d hit the limits of our budget. We told him and he seemed slightly upset: “I‘ve had enough of working for poor people!“ However, there were no two ways about it and he transformed it into a virtue.

Shortly after the meeting he sent out staff members to buy cheap desk lamps and hid them behind Asterix masks. You might not be able to use them as reading lamps, but they have been so well received that they have now become part of Mama Shelter‘s DNA.“

Food first

Starck left the company when hotel investor Accor purchased a stake, although his style remained in the family to a certain extent: Initially, former Starck employee Jalil Amor took over as creative director, but sadly, he passed away and so Benjamin Benjamin El Doghaïli, who had helped plan the first Mama Shelter as an intern, was appointed head of Mama Design Studio. Designers including Thierry Gauguin have also contributed to the facility‘s design.

However, as elaborately decorated as the rooms may be: they are not Mama Shelter‘s main source of income. The restaurant is responsible for that which had originally been intended most of all to bring local flair to the hotel. World-class chef Guy Savoy created the menu and you can enjoy the same dishes in Paris, Rio and Prague. Outdoor areas invite guests to spend summer days and DJs guarantee entertainment at night. This made Mama Shelter a trailblazer in Europe. And it‘s paying off: “In the meantime the restaurant is contributing 55 percent of our revenue, overnight stays generate a mere 45 percent“, Trigano says. This makes Mama Shelter not only the Zara, but also the Ikea of the hotel industry. Just like Ingvar Kamprad, Serge Trigano benefited from a simple fact: you can look good, but that won‘t feed you.

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