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Human Centric Lighting: Luft und Licht. Kolumne Spot on Office von Dr. Ahmet Çakir. md-mag.com

Spot on Office
Human Centric Lighting

Human Centric Lighting
Foto: iStock.com / Peshkova
Mehr als 18 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten in Büros und das in der Regel viele Stunden. Zu deren Grundbedürfnissen gehören eine angenehme, sauerstoffreiche Raumluft und ausreichend Tageslicht. Die Realität sieht leider oft anders aus.

Autor Dr. Ahmet Çakir

Vor etwa 100 Jahren erfand Willis Carrier die „air condition“, um die Menschen vom Schweiß zu befreien und ihnen eine angenehme Luft zu verschaffen. Vor 30 Jahren verkündete der Software-Guru Tom DeMarco zerknirscht, die Kreativität des Menschen würde durch nichts besser gefördert als durch eine gute Umgebung, selbst besser als durch seine besten Tools.
Und 2017? Da packen wir die Mitarbeiter immer dichter zusammen, als wären sie immun gegen alle Störungen und selbst emissionsfrei. Und manche Klimaanlage verdankt ihren schlechten Ruf dem Umstand, dass der Betreiber das Wort ‚warten‘ gern missversteht, weil der Begriff ‚Kosten‘ nicht so zauberhaft klingt.
Preisverdächtige Fensterelemente, die die Sonne fernhalten, aber ihr Licht in den Raum lassen, für Belüftung sorgen, aber den Verkehrslärm draußen lassen, und nebenbei noch die Belastung der Raumluft messen, warten noch auf Kundschaft, weil sie ihren Preis haben.

Beschränkte Aufnahmefähigkeit? CO2-Messgerät aufstellen

Der unbekannte Erfinder der Nachtluftkühlung würde sich bestimmt über die dringenden Wünsche von Leuten freuen, die während lang anhaltender Hitzeperioden eine kühlere Alternative zum mollig warmen Büro vorfinden wollen. Und wer sich über Meetings mit beschränkt aufnahmefähigen Kollegen wundert, sollte mal ein CO2-Messgerät aufstellen. Manches Wunder beruht auf ganz irdischen Ursachen.

Human Centric Lighting – Wohlbefinden durch Licht

Die auf Interesse hoffenden Anbieter von Techniken für angenehme Büroraumluft finden ihr Pendant bei den Lichtspezialisten. Seit einiger Zeit wartet die lichttechnische Industrie mit der Zauberformel HCL auf. Das klingt nach Salzsäure, heißt aber Human Centric Lighting. Darunter versteht die Lichtbranche, dass Human Centric Lighting zielgerichtet und langfristig die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen durch ganzheitliche Planung und Umsetzung der visuellen, emotionalen und insbesondere der biologischen Wirkungen des Lichts unterstützt.
So die Zukunftsperspektive – in etwa. Ein Schelm, der da rückwärts liest und behauptet, die jetzige Planung würde das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Menschen nicht berücksichtigen, ebensowenig wie die emotionalen Wirkung des Lichts.

Das richtige Licht zur richtigen Zeit

Wie dem auch sei, man muss nicht auf die Industrie warten, bis sie ihre (Tag-)Träume realisiert. Denn die Hauptidee lautet: das richtige Licht zur richtigen Zeit. Und das heißt: viel, viel Licht morgens, weniger am Nachmittag, noch weniger abends.
Dabei hat die Technik keine Probleme mit den späteren Stunden, aber mit der Lichtmenge am Morgen. Oft bleibt da den Menschen nichts anderes übrig, als sich selbst zu helfen. Nach dem Motto ‚Frischlicht schnappen!‘ sollten sie sich möglichst viele Minuten im Freien aufhalten – oder wenigstens in Fensternähe.

Eine persönliche Lichtumgebung für jeden

Was man mit Technik ansonsten erreichen kann, klingt beinahe märchenhaft. Selbst Leute, die bei der Arbeit von einer Seebrise auf einem Hügel träumen, sehen Licht plötzlich anders, wenn sie es beeinflussen können. Es geht um eine persönliche Lichtumgebung für jeden – freilich ohne diejenige des Nachbarn zu stören!
Nicht ganz ohne Arglist verschweigt man dem armen Büromenschen, dass das Licht im Innenraum immer ohne lebenswichtige Anteile (UV und Infrarot) bleibt und bleiben wird. Da viele Beschäftigte bis zu 90 Prozent ihrer Zeit in solchen Räumen leben, weist die Hälfte der Bevölkerung bereits im November einen Vitamin-D-Mangel auf.

Gesundheit geht auch ohne Pillen

Zweifel an der sogenannten Winterdepression, die genau in dieser Zeit einsetzt, seien gleichwohl erlaubt. Denn im hohen Norden werden die Leute erst im Frühjahr depressiv. Gegen UV-Mangel hilft man sich dort selbst.
Human Centric Lighting-Jünger erwähnen ebenso ungern, dass das ins Auge fallende Licht nicht primär von der Beleuchtung ausgeht, sondern vom Bildschirm. Und der entfaltet nachweislich eine ordentliche biologische Wirkung: Er macht munter, auch wenn es völlig unangebracht ist.
Richtiges Licht zur richtigen Zeit bedeutet da unterschiedliche Helligkeit, je nach Tageszeit, und eine augenschonende Farbtemperatur. An manchen Bildschirmen wird man die Einstellköpfe dafür vergeblich suchen. Sie machen es automatisch. Man muss die Funktion nur finden. Oder einen guten Freund bei der IT-Hotline anrufen. Gesundheit geht auch ohne Pillen.

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