Home » News » Meinung » Hotel als Identitätsraum

Zukunft von Hotelplanung – Fachveranstaltung der md und Raumprobe

Hotel als Identitätsraum

Die Zukunft fällt nicht vom Himmel. Bereits heute kann man sehen, was morgen Trend ist. Bei der Fachveranstaltung ‚Zukunft von Hotel‘ der md und der Raumprobe analysierten die fünf Referenten den Status Quo der Hotelplanung und gaben einen Ausblick.

Autorin Katharina Feuer

Was wird in Zukunft erwartet von Innenarchitekten und Planern bei der Gestaltung von Hotels? Im Frankfurter Stadthaus am Markt ging es am 7. November 2019 nicht um die hippste Reisedestination oder das coolste Hotel.

Hotelplanung, Zukunft von Hotel
Sinnbildlich. Der Blick auf die Zeit und wie sich die Zeiten ändern. Schon heute kann man anhand weltweiter Impulse Trends für die Hotelbranche ablesen. Foto: Philippe Ramakers, intuitive fotografie

Es wurde diskutiert, wie das Interior Design und die Hotelplanung aussehen müssen. Was ist tragfähig, was finanzierbar? Wie muss ein Hotel aussehen, dass es Gäste aufsuchen? Was erwartet der Gast? Gibt es den einen Gast?

Die Hospitality-Branche ist ein Wachstumsmarkt, der boomt. Die Menschen sind mobiler denn je, aber auch vielseitiger in ihren Wünschen. Dafür gibt es keine einfachen Rezepte, aber weltweite Impulse deuten in eine Richtung. Nicht umsonst wird Hotelgestaltung und Hotelplanung als die Königsdisziplin der Innenarchitektur betitelt.

Hotelplanung, Zukunft von Hotel
md-Chefredakteurin Susanne Tamborini gab den 140 Gästen der Fachveranstaltung wichtige Impulse zum Thema ‚Zukunft von Hotel‘: Es geht um Authentizität, Diversifikation und um Nachhaltigkeit. Foto: Philippe Ramakers, intuitive fotografie

md-Chefredakteurin Susanne Tamborini zählt die Herausforderungen der Branche auf: „Es geht um ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, um extrem kurze Lebenszyklen von fünf bis sieben Jahren und knallharte Budgets. Es geht um Authentizität, Diversifikation und um Nachhaltigkeit. Aber auch smarte Bedienelemente und digitale Interaktion sind zukünftig wichtig!“

Teil der Hotelplanung: WLAN, Akustik und Material

Hannes Bäuerle, geschäftsführenden Gesellschafter und Inhaber der Stuttgarter Raumprobe, setzt weitere Impulse mit der Vision eines Weltraumhotels. Zugleich weiß er, dass durch die Digitalisierung bereits eine Rückbesinnung auf alte Werte stattfindet. „WLAN sollte selbstverständlich sein, aber vielleicht gestaltet sich die Zukunft in Form einer Holzbadewanne?“

Hotelplanung, Zukunft von Hotel
Hannes Bäuerle von der Stuttgarter Materialagentur Raumprobe war als Veranstalter und Redner dabei. Er nahm die Gäste zu einem Ausflug in das Weltall mit. Foto: Philippe Ramakers, intuitive fotografie

Der Materialexperte verzweifelt regelmäßig an der Lichtsituation im Hotelzimmer. Wo ist der Schalter? Kann es wirklich sein, dass man in seiner Verzweiflung die Glühbirne rausdreht? Bitte in Zukunft nicht mehr!

Jürgen Gaiser, Partner bei Blocher Partners, weiß ein Lied davon zu singen. Zusammen mit und für den Hersteller Ridi entwickelte er ein Leuchtensystem für Innenarchitekten, dessen Grundmodule jeder Gestalter individuell modifizieren kann. Das spart Kosten.

Hotelplanung, Zukunft von Hotel
Jürgen Gaiser, seit 1999 Partner beim Stuttgarter Büro Blocher Partners bezeichnet das Hotel als Identitätsraum, den Gäste erobern. Er brachte einige Praxisbeispiele mit. Foto: Philippe Ramakers, intuitive fotografie

In seinem Vortrag „Raum auf Zeit – Das Hotel wird zum Identitätsraum“ unterstreicht der Innenarchitekt, dass das Unterbewusstsein eine wichtige Rolle spielt. „Der Mensch ist immer dann positiv, wenn er sicher ist. Dieses positive Gefühl kann er weitergeben. Auch das muss ein Hotelraum vermitteln: Sicherheit, Erdung und ein emotional positives Erlebnis.“

Hotel wird zum Identitätsraum

Identitätsstiftende Elemente lassen den Gast ankommen. Einerseits. Anderseits: „Menschen, die reisen, wollen sich ändern. Diese Transformation muss im Hotel in seiner Gänze umgesetzt werden. Und genau das ist die Gratwanderung zwischen Heimatgefühl und Aufbruch, zwischen Sicherheit und Abenteuer.“

Gaiser weiß, wie sich die Arbeit von Innenarchitekten verändert hat. „Vor 25 Jahren habe ich definiert, wie ein Raum aussieht. Heute müssen wir Gestalter zuhören“ und plädiert für die ‚Leistungsphase 0=Zuhören‘. „Wir müssen herausfinden, was die Menschen an diesem Ort wollen.“

Ein Hotel muss unverwechselbar sein. Ketten sind tot. Instagramtaugliche Alleinstellungsmerkmale sind gefragt nach dem Motto ‚Wollen, haben, sein‘. Hotels sind auch Vorreiter für das Interiordesign in anderen Bereichen wie Retail, Office und Living.

Hotelplanung, Zukunft von Hotel
Die Stimmung unter den Referenten war herzlich. Die Vorträge von Peter Ippolito und Christina Biasi-von Berg ergänzten sich überzeugend. Foto: Philippe Ramakers, intuitive fotografie

Das bestätigt Peter Ippolito, Geschäftsführender Gesellschafter der Ippolito Fleitz Group, in seinem Vortrag „There are many places. Some you remember“. Impulse aus der Hotelplanung gehen in andere Themenbereiche der Gestaltung über.

„Die Grenzen sind fließend. Gestaltungscodes verwischen.“ Bewusst zeigt Ippolito Bilder von Raumsituationen, bei denen man sich fragt: Was ist das? Hotellobby, Open Space, Wohnung oder Restaurant? Der Architekt zieht Inspiration aus allen Interiorbereichen und streut sie ebenso vielseitig. „Abgrenzung wird immer schwieriger. Deswegen muss der Gestalter bei der Hotelplanung Ankerpunkte setzen.“

Transformationsraum Hotel

Was macht die permanente Erreichbarkeit und Informationsflut mit uns Menschen? „Menschen entwickeln Sehnsüchte wie das Streben nach Natürlichkeit, Ehrlichkeit, danach, Teil eines Ganzen, einer Community zu sein. Nach Transformation im Raum.“ Und weiter: „Es geht nicht um Storytelling. Jeder erobert sich einen Raum anders. Wir bieten mit unserer Hotelplanung, mit unseren Entwurfskonzepten Geschichtsanfänge.“

Hotelplanung, Zukunft von Hotel
Christina Biasi-von Berg reiste extra aus Meran an, um ihre Hotelprojekte vorzustellen, die zeigen, dass Gestaltung im Bestand eine Herausforderung ist, aber auch Potenzial hat. Foto: Philippe Ramakers, intuitive fotografie

Das Aufeinandertreffen von Gästen und Einheimischen spielt dabei eine tragende Rolle. Hotels sind keine Inseln mehr, sondern Teil des Stadtraums geworden, bekräftigt Christina Biasi-von Berg.

Mit ihrem Vortrag „Hoteldesign – Mut zur Persönlichkeit“ macht die Inhaberin des Büros Biquadra klar, was in Zukunft wichtig sein wird: „Ein Hotel muss Persönlichkeit ausstrahlen, die Gäste und Mitarbeiter gleichermaßen anzieht. So hebt es sich von vielen austauschbaren Häusern ab.“

Mut zur Persönlichkeit

Biasi-von Berg verdeutlicht, was die meisten Innenarchitekten bei der Hotelplanung leisten müssen: eine Gestaltung im Bestand und dem Umgang mit Fragen. Was macht man mit den alten Möbeln? Wegwerfen? Wiederverwerten? Im Sinne der Nachhaltigkeit plädiert die Innenarchitektin Christina Biasi-von Berg für mehr Mut zur Wiederverwendung, Reduktion und lokalen Traditionen.

Hotelplanung, Zukunft von Hotel
Stefan Herborn, Regionalverkaufsleiter Design der Geberit Vertriebs GmbH, hob die Zeitersparnis hervor, die sich durch ein eng vernetztes Miteinander aller Projektbeteiligten im Bereich Hospitality ergibt. Foto: Philippe Ramakers, intuitive fotografie

„Die Zukunft der Sanitärraumplanung in der Hotellerie“ vermittelt Stefan Herborn von Geberit und zeigt die Vorteile auf, die eine Vernetzung aller Beteiligten bei der Hotelplanung mit sich bringt.

Die Sponsoren des Abends Geberit, Dansk Wilton, Rehau und Ridi präsentierten ihre Produkte den Gästen. Jeder will Teil der Zukunft sein.

Weitere Beiträge zum Thema Hospitality finden Sie hier

Die Sponsoren des Abends




Für 2020 sind weitere Veranstaltungen des Formats ‚Zukunft von …‘ geplant zu den Themen Akustik und Nachhaltigkeit. Am 15. Mai 2020 findet im Futurium in Berlin der große db + md Zukunftskongress statt.

Anzeige

Top-Thema

Anzeige

Neueste Beiträge

Titelbild md 12
Ausgabe
12.2019 kaufen

EINZELHEFT

ABO


Architektur Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Architektur-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum arcguide Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des arcguide Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de