Home » News » Meinung »

Wie Forscher und Designer Wege zur CO2 Speicherung entwickeln

Forscher und Designer arbeiten an CO2 Speicherung
Kohlendioxid als Materialressource

Etwa 60 Prozent des vom Menschen verursachten Treibhauseffektes gehen auf Kohlendioxidemissionen zurück. Deren Reduzierung allein wird die Klimakatastrophe nicht verhindern. Vielmehr müssen Möglichkeiten zur CO2 Speicherung gefunden werden.

Forscher auf der ganzen Welt sind bereits seit Jahren damit beschäftigt, Optionen zur CO2 Speicherung zu finden. Während frühere Studien die Einlagerung in unterirdischen Gesteinsformationen untersuchten, wird aktuell an der direkten Absorption mithilfe von Mineralien wie Olivin geforscht. Die sogenannte beschleunigte Verwitterung soll dabei helfen, Kohlendioxid in großen Mengen zu binden. Wird CO2 als Ressource verstanden, kann es zudem in der Chemieindustrie als Baustein für die Herstellung von Kunststoffen verwendet werden und als Grundstoff für alltägliche Produkte dienen. Auf diese Weise erhält Kohlendioxid Einzug in das Interiordesign, die Textilgestaltung und die Herstellung von Möbeln.

Möbel als CO2 Speicher

Unter der Marke Cardyon hat Covestro eine Technologie vorgestellt, mithilfe derer CO2 mit Propylenoxid zu Polyolen verarbeitet wird. Diese werden beispielsweise für die Herstellung von Polyurethan-Schaumstoffen genutzt, die in Matratzen, Dämmstoffen und Polstermöbeln zum Einsatz kommen. Außerdem sind bereits kohlendioxidbasierte Polyole auf dem Markt, aus denen Bindemittel für Sportböden hergestellt werden. An der Schwelle zur Marktreife steht die Nutzung in elastischen Textilfasern, zum Beispiel für Autositze.

Ein Stuhl zur CO2 Speicherung von Eugenio Bettuchi und Wearepure.Tech
Das Start Up Wearepure.Tech experimentiert mit 3-D-Druck mit Materialien zur CO2 Speicherung. Design: Eugenio Bettucchi – Noumena
Foto: Wearepure.Tech, Noumena

Ein anderer Ansatz kommt vom Start-up WearPure.Tech aus Barcelona. In Kooperation mit Primlab aus Valencia entwickelte es ein 3D-Druckfilament und ein textiles Fasermaterial unter Integration mineralischer Nanopartikel, die CO2, NOx und VOC neutralisieren und sie in umweltfreundliche Mineralien umwandeln. Die mehrfach international ausgezeichneten Materialien können einen Beitrag zur Reduzierung von Giften, schlechten Gerüchen und Klimagasen leisten.

Da viele der Lösungen zur CO2 Speicherung heute noch sehr energieintensiv sind, befassen sich einige Wissenschaften und einige wenige Designer damit, den natürlichen und hocheffizienten Vorgang der Fotosynthese zu nutzen und so zu adaptieren, dass sich Produkte für das Interiordesign gestalten lassen.

Kronleuchter wandelt CO2 in Sauerstoff

Bereits vor einigen Jahren hat der Londoner Designer Julian Melchiorri mit seinem ‚Silk Leaf‘ das erste von Menschenhand geschaffene Blatt entwickelt, dessen Rohstoffe aus Seidenproteinen und pflanzlichen Chloroplasten stammen. Unter Einwirkung von Wasser und Licht kann es Kohlendioxid in Sauerstoff und andere organische Verbindungen umwandeln und so zur Raumluftverbesserung beitragen.

Fotosynthese-Kronleuchter von Julian Melchiorri, Arborea
Der ‚Bionic Chandelier‘ von Julian Melchiorri filtert per Fotosynthese Kohlendioxid aus der Luft.
Foto: Arborea ltd.

Darauf aufbauend schuf Melchiorri mit dem ‚Bionic Chandelier‘ einen Kronleuchter aus einer Metallstruktur und einer semipermeablen Membran. Der Designer füllte in schlauchartige Blattmodule lebende Mikroorganismen, die für die Fotosynthese verantwortlich sind und Kohlendioxid in Sauerstoff umwandeln.

Mittlerweile hat Julian Melchiorri das Start-up Arborea in London mit dem Ziel gegründet, seine Technologie für die Produktion von Lebensmitteln zu nutzen und erschließt so ein großes Potenzial zur CO2 Speicherung.

Urban Farming: Kühe im Hafen

Wie man Fotosynthese für die Energiegewinnung nutzen kann, zeigt wiederum die in New York ansässige Schweizer Designerin Fabienne Felder mit ihrem algenbetriebenen Thermometer. Sie hat es zur Demonstration für die Funktionsweise fotomikrobischer Brennstoffzellen (pMFCs) entwickelt.

Felder nutzt den Vorgang pflanzlicher Fotosynthese und natürlich auftretende Bakterienkolonien, um einen handelsüblichen Temperatursensor und ein LC-Display mit Strom zu versorgen. Die Biodesignerin weist damit einen Weg in die Zukunft, in der Kleingeräte im Haushalt keine negativen Auswirkungen auf das Klima mehr haben. Ende 2020 hat sie eine DIY-Algenbatterie vorgestellt, die sie über www.lumot.design mitsamt
einer Anleitung für den Eigenbau vertreibt.

Es gilt also auch hier: Jeder kann bei der Reduktion der Treibhausgase mitwirken.


Autor Dr. Sascha Peters

ist Geschäftsführer der Zukunftsagentur Haute Innovation in Berlin. Mit seiner Expertise als Innovationsberater, Autor und Produktentwickler zählt er zu den renommierten Material- und Technologieexperten in Europa.


Weitere Beiträge zu nachhaltiger Innenarchitektur finden Sie hier:

Nachhaltigkeit


Anzeige
Top-Thema
Anzeige

Neueste Beiträge
MM Company, abgepasste Teppiche
8 abgepasste Teppiche für die textile Insel im Raum

Guter Rahmen

Titelbild md 2
Ausgabe
2.2021 kaufen
EINZELHEFT
ABO

Architektur Infoservice
Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Architektur-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum arcguide Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des arcguide Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de