Ausstellung im Naturkundemuseum, Stuttgart. Schmetterlinge – Butterfly Alarm - md-mag
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Ausstellung im Naturkundemuseum, Stuttgart

Schmetterlinge – Butterfly Alarm

Seltene Schmetterlinge und deren Gefährdung inspirierten Textildesign-Studentinnen zu Tüchern und Geweben. Eine außergewöhnliche Kooperation der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart mit dem örtlichen Naturkundemuseum.

Autorin Susanne Tamborini

Eine Welt ohne Insekten? Das ist kaum vorstellbar! Insekten bestäuben Blumen und spielen eine unsersetzliche Rolle in allen Nahrungsketten. Ihr dramatischer Rückgang – nach aktuellen Studien bis zu 80 Prozent in den vergangenen 30 Jahren – durch Verlust von Lebensraum und intensive Landwirtschaft wird nicht ohne Folgen bleiben.

Das Sterben der Bienen und Schmetterlinge ist weit mehr als ein vermeintlich exzentrisches Thema weniger Spezialisten. Vielmehr ist die Sorge um die bedrohten Insekten in der Mitte der Gesellschaft angekommen und damit auch in biologiefernen Zonen wie dem Fachbereich Textil der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Bei den Studierenden, die Stoffe für die Mode konzipieren, entwerfen und umsetzen, spielt die Frage der Nachhaltigkeit angesichts von schnelllebigen Trends und fragwürdigen Produktionsketten eine immer größere Rolle. Da traf es sich gut, dass das Naturkundemuseum Stuttgart für ein künstlerisches Kooperationsprojekt anfragte. Immerhin beherbergt die Sammlung der Stuttgarter einen gut gehüteten aber nur auf Anfrage zugänglichen Schatz von mehr als einer Million präparierter Schmetterlinge.

Schmetterlinge und Mode, das schien durchaus keine abwegige Kombination, an deren Ende eine kleine, sensibel kuratierte Sonderausstellung Gestalt annnehmen sollte. Ihre Besucher faszinierte sie so wie sie sie nachdenklich stimmte: „Butterfly Alarm“.

Mode und Nachhaltigkeit

Schmetterlinge
Tagpfauenauge (Aglais io)Loss of Beauty. Entwurf Julia Klawitter. Foto: Johanna Neves Pimenta

Denn während es dem Naturkundemuseum zunächst „nur“ darum ging, doch einmal „die Farbmuster der Insekten für Kleidungsstücke zu verwenden“, war es angesichts der eindrucksvollen Sammlung, neben der künstlerisch inspirierenden Farbenpracht und Musterung, gerade der dramatische Rückgang der Schmetterlinge, welcher die Aufmerksamkeit der Studierenden auf sich zog. Dies merkte der Schmetterlingskurator am Naturkundemuseum Stuttgart, Dr. Hossein Rajaei, bei der Ausstellungseröffnung im Schloss Rosenstein anerkennend an.

Sechs Studierende präsentierten ihre Arbeiten. Sie griffen, nach vorangegangener wissenschaftlich-inhaltlicher Recherche unter der Leitung von Prof. Dr. Karl Höing und Dorothee Silbermann, unterschiedliche Aspekte der bedrohten fragilen Schönheiten auf. Diese Aspekte verbildlichten sie auf ganz unterschiedlich Weise in ihren Kompositionen, der Grafik und der Farbauswahl und dokumentierten dies von der ersten Skizze bis hin zur Umsetzung: digital bedruckte Seidentüchern und dazu passend handgewebte Muster für Modestoffe, bei denen die Haptik und das Textile im Vordergrund stehen.

Schmetterlinge
Windenschwärmer (Agrius convolvali) ‚Nachtschwärmer‘ Entwurf Josefina Eck. Foto: Johanna Neves Pimenta

Die Natur als Vorbild

So setzte sich Sophie Ringgenburger mit Lichtverschmutzung auseinander und ließ in ihrer Arbeit ‚Licht und Scheinwelt‘ einen Aurorafalter als kräftig orange-leuchtendes Morgenrot über der Stadt aufgehen – eine Anspielung auf die römische Mythologie der Göttin der Morgenröte.

Die Raupen des Stachelbeerspanners und des Ulmen-Harlekins hingegen inspirieren Kira de Picciotto zu ‚Hangry Caterpillar‘, ein Wortspiel aus hungry und angry: Die Raupe auf der verzweifelten Suche nach der letzten Pflanze und der Habitatverlust, symbolisiert durch eine Planierraupe, umgesetzt auf Stoffmustern für Herbst/Winter-Kollektionen. Allein die klangvollen und bildhaften Namen der Schmetterlinge beflügeln die Fantasie. So gerät bei Josefina Eck der nachtaktive Windenschwärmer in den Fokus, der wegen seiner Tarnfärbung auf Baumrinden nahezu unsichtbar ist: ‚Nachtschwärmer‘ heißt ihre Kollektion.

Eingerahmt von einem gelben Warnschild türmen sich auf dem Seidentuch von Marla Bernhardt Beton- berge, vor deren Kulisse der Große Feuerfalter mit zerbrochenen Flügeln auf dem Seidentuch schwirrt: ‚Verwundbar‘, lautet der Titel.

Julia Klawitter beklagt den Verlust der Schmetterlinge durch ihre Dezimierung: Farben, Strukturen und Muster des Tagpfauenauges, umgesetzt in der Arbeit ‚Loss of Beauty‘.

Schmetterlinge
Stachelbeerspanner (Abraxas grossulariata) und Ulmen-Harlekin (Abraxas sylvata) ‚Hangry Caterpillar‘, Entwurf Kira de Picciotto. Foto: Johanna Neves Pimenta

Sechs Entwürfe

Mirela Gospocic sieht die Art unter anderem von Pflanzenvernichtern (Glyphosat „Roundup“) bedroht, ein eindrucksvolles Szeanrio mit abstrakten und bildhaften Elementen. Die Natur als Ideengeber und Inspirationsquelle scheint ein in jeder Hinsicht kluger Lehrmeister. Liefert sie doch nahezu unendlich ästhetische und konstruktive Vorbilder, die Designer unterstützen bei der Erforschung von klugen und effizienten Strategien für nachhaltiges Handeln.

Weitere Ausstellungen finden Sie hier

Martin Lesjak von Innocad

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