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Ambient Experience

Design im Interesse der Heilung Design beyond healing spaces
Ambient Experience

Technologische Innovationen bieten die große Chance, eingefahrene Arbeitsweisen in der Versorgung zu überdenken. Das Unternehmen Philips berät Krankenhäuser nach einem ganzheitlichen Ansatz: Ambient Experience. Design soll das Wohlbefinden verbessern.

Autor Jos Stuyfzand

Niemand geht gern ins Krankenhaus. Am liebsten würden wir auf einen Aufenthalt dort ganz verzichten. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine Rolle spielt, wie wir uns im Krankenhaus fühlen. Denn ein positives Patientenerlebnis kann nicht nur die Versorgung im Krankenhaus besser und effizienter machen, sondern auch die Heilung unterstützen.

Bei Philips sind wir der Ansicht, dass Healthcare-Design mehr ist als eine Frage von Form und Funktion. Es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Patienten sich gut betreut und aufgehoben fühlen. Dafür ist es wichtig, Gebäude weniger „institutionell“ zu gestalten. Schließlich nehmen Menschen diese Einrichtungen gerade dann in Anspruch, wenn sie psychisch und physisch sehr verwundbar sind.

Wie wirkt ein Behandlungszentrum weniger klinisch? Wie lässt sich ein Krankenhaus weniger technisch gestalten? Wie fühlen sich Patienten in diesem Umfeld? Mit diesen Fragen sollten sich Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Krankenhausmanagement stärker auseinandersetzen.

Denn die gegenwärtige technikgetriebene Krankenhausgestaltung vernachlässigt wichtige Aspekte, wenn sie weder auf die Bedürfnisse der Patienten noch auf die des Klinikpersonals ausgerichtet ist.

Prozesshaftes Gestalten

Welche Antworten findet Design auf dieses Defizit? Bei Philips haben wir ein interdisziplinäres Team von Designexperten und Klinikberatern zusammengestellt. Dieses Team verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der klinische und betriebliche Aspekte ebenso einbezieht wie das Patientenerlebnis und die Zufriedenheit des Personals. Mit diesem Verfahren kann nicht nur das Wohlbefinden und das Verhalten der Menschen verbessert werden, sondern auch der Heilungsprozess.

Denn Patienten erfahren mehr Zuwendung, die klinische Versorgung wird unterstützt und die angespannte Personalsituation positiv beeinflusst. Natürlich ist es schwierig, ein Patientenerlebnis zu designen, weil dies immer etwas sehr Persönliches ist. Aber man kann durchaus ein Umfeld derart gestalten, dass es positiv und ansprechend ist, dass es zu einem Erlebnis wird, dass es Menschen zur Interaktion ermutigt und ihre Wahrnehmung der Situation verbessert. Bei Philips nennen wir diesen Ansatz Ambient Experience.

Positive Stimulanz

Unser Designteam war unter anderem an einem preisgekrönten Projekt der Firma IBA (Ion Beam Applications SA) beteiligt. Das Unternehmen ist weltweiter Technologieführer im Bereich der Protonentherapie. Ziel war es, die Räumlichkeiten für diese Form der Strahlentherapie neu zu gestalten und mit der ‚Proton Therapy Suite‘ in einer Extremsituation Geborgenheit zu vermitteln.

Darüber hinaus wollten wir herausfinden, wie eine intelligente und bedarfsgerechte Gestaltung des Umfelds die klinischen Abläufe und – noch wichtiger – die vor Ort beteiligten Menschen unterstützen kann.

Dafür haben wir die Perspektive von Patienten, ihren Familien, Radiologen, Pflegekräften, Psychologen und Sozialarbeitern eingenommen. Es war uns wichtig zu verstehen, was es bedeutet, starkem Protonenbeschuss in einem bedrohlichen, hochtechnisierten Raum ausgesetzt zu sein. Auf dieser Grundlage haben wir daran gearbeitet, dieses Patientenerlebnis und die Abläufe für das Personal zu verbessern.

Die Erkenntnisse sind auf viele andere Bereiche übertragbar: Untersuchungsräume beispielsweise für Magnetresonanz- oder Computertomographie, OP-Säle sowie Katheter-Labore in der Kardiologie und selbst auf die Wartebereiche in der Ambulanz. Mit Licht, Video und Ton schaffen wir eine entspannende Umgebung, die sich positiv auf das Wohlbefinden der Patienten auswirkt und die Arbeitsabläufe des Klinikpersonals unterstützt.

In das Design werden klinischen Anforderungen, Faktoren für Produktivität sowie die Bedürfnisse von Patienten und Personal einbezogen. Damit ist der Designer nicht mehr nur Ideengeber für Gestaltung. Vielmehr analysiert er Informationen, interpretiert eine Vielzahl von Wünschen und wird Vermittler in einem holistischen Gestaltungsprozess.

Wahrnehmung im Fokus

Kernelement unserer Arbeitsweise ist, dass wir uns alle Personengruppen anschauen, die sich in einem bestimmten Bereich des Krankenhauses aufhalten oder arbeiten. Wir befragen, beobachten und begleiten unterschiedliche Personen und arbeiten so heraus, wie die Umgebung auf die Patienten, Personal, Angehörige etc. wirkt. Durch dieses ‚Experience-Flow Mapping‘ wird der gesamte klinische Ablauf holistisch erfasst.

Der Fokus liegt dabei auf den Menschen, die dort arbeiten oder versorgt werden. So gestaltet das Designteam nicht nur Räume und Gegenstände, sondern beeinflusst die Erlebnisse und Erfahrungen, die Menschen in diesen Räumen und mit diesen Gegenständen machen.

Als Gesundheitsunternehmen hat es sich Philips zum Ziel gesetzt, das Leben und die Gesundheit von Menschen durch sinnvolle Innovationen zu verbessern. Der Design-Thinking-Ansatz bezieht dafür die Perspektiven aller Beteiligten ein, orientiert sich aber genauso an Kennzahlen und digitalen Daten, die bei der Nutzung moderner Medizintechnik entstehen.

Auf dieser Grundlage können wir im engen Austausch mit unseren Kunden Innovationen für Krankenhäuser anstoßen, die über technologische Lösungen und klassische Beratungskonzepte hinausgehen. Wir sind davon überzeugt, dass dies die Qualität, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit von Krankenhäusern nachhaltig verbessern kann.

Bereits heute sind die finanziellen und personellen Ressourcen im Gesundheitswesen begrenzt. Angesichts der alternden Bevölkerung können wir das aktuelle Versorgungsniveau nur dann halten oder sogar verbessern, wenn wir weiter an der Optimierung der Rahmenbedingungen arbeiten. Design kann einen relevanten Beitrag dazu leisten, die Abläufe so reibungslos und für alle Beteiligten so angenehm wie möglich zu gestalten, um die richtigen Voraussetzungen für den Heilungsprozess zu schaffen und den Nutzen für Patienten zu optimieren.

Bei Bauprojekten dürften Dienstleister nicht mehr nur von den Anforderungen des Krankenhauses her denken, sondern sollten ein Umfeld schaffen, das die Genesung unterstützt. Ein solcher Veränderungsprozess ist komplex. Er sollte aber in Angriff genommen werden, damit der Heilungsprozess für den Patienten nicht erst im Behandlungsraum beginnt, sondern bereits bei der Planung des Krankenhauses.

Wie kann Design das Wohlbefinden verbessern? Diese Frage untersucht Jos Stuyfzand als Senior Creative Director at Healthcare Transformation Services bei der Philips GmbH, Hamburg. Sein Credo: die Sinne stimulieren, eine persönliche Atmosphäre schaffen, Stress reduzieren.

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Design beyond healing spaces

Ambient Experience

One of the great opportunities in future medical technology innovation is that it enables rethinking in the way healthcare is delivered.

Author: Jos Stuyfzand

No one wants to go to a hospital and it is not usually an experience we enjoy. But that doesn’t mean it can’t be an experience that nurtures us and support both the curing and caring process.

That is why Philips believes healthcare design is not only a question of form and function anymore but also of meaning and atmosphere. The insights and vision we bring to the industry need to be imbued with empathy for the users. At a time in someone’s life when they may be at their most vulnerable, how can a building be made less institutional, a treatment centre less clinical and a hospital more, well, hospitable?

These are the questions that governments, business leaders and key stakeholders should be asking. And, through asking, conclude that actual clinical-led hospital design engineering does not deliver sustainable patient and staff-centric environments.
A multidisciplinary design team of healthcare transformation consultants within Philips has developed a holistic approach that takes into account clinical, operational and patient and staff experience perspectives throughout the design process. It can not only transform the mood and behaviour of people but can be a tool in the armory of evidence-based design, empowering patients, support clinical outcomes and impacting positively on strained budgets.

It’s very difficult to design an experience because experiences are strictly personal. But you can design something so powerful and emphatic that it can support experiences or make them happen, encourage and enrich interactions and improve people’s perceptions. These are the tangible opportunities that Philips Ambient Experience design can inspire.

For instance, The Philips design team have been lucky enough to be involved in an award-winning project, in partnership with IBA, called the Proton Therapy Suite. We analysed insights from patients, their families, radiotherapists, nurses, psychologists and social workers to understand how the experience of being in an intimidating high-tech room, having incredibly powerful protons bombarded at a tumour (in much the same manner as radiotherapy), could become less intimidating. Our aim was to create an optimized patient experience and offer comfort in an extremely restricted and high-tech environment and to see how environmental design can support the clinical procedure – and, more importantly, support the people who use and benefit from that procedure.

The same principle applies to MRI exam rooms, cardiovascular laboratories, and even waiting rooms in clinical day care centres – using lighting, images, sound and experience design to soothe and improve the experience of the patient and staff workflow.

By incorporating clinical, productivity and patient and staff needs, design has become a more collaborative process. The designer is no longer the sole idea generator but an analyst of information, an interpreter of myriad desires and a facilitator in the people-centric co-creation process. We interview, observe and shadow stakeholders and generate experience flow mappings, so that the process becomes holistic and inclusive rather than autocratic, and we become craftsmen not just of things but of experiences.

At a company like Philips, which prides itself strive to make the world healthier and more sustainable through innovation and improving the lives of people, we know that design activity should involve many perspectives and utilise the extraordinary amount of digitally-empowered data flow that our medical technologies amass. With such a philosophy, experience design thinking and co-creation with hospital organisations enables innovation beyond the technological. It constantly adapts according to user activities, business culture and environment. In such a way, a hospital, for instance, should be seen not in terms of architecture and floor plans but as a living service environment.

Decision-makers are beginning to understand the awesome power of design when applied in this manner – particularly in the complex field of healthcare which we know should be a cultural, people-centric arena, not simply a technological and professional one.

And by addressing people’s needs, and improving protocols and efficiency, we can also have a profound impact on commercial and productivity requirements. A great deal of money goes into healthcare and, as populations grow and age, those budgets are swelling. Perhaps investing in a holistic way – looking beyond the technology and clinical requirements – could deliver more benefits to the health of citizens.

We need new principles to engage with customers and drive future healthcare innovation beyond the hospital. Healthcare providers need to move from ‘hospital thinking’ to ‘service thinking’ and even ‘consumer thinking’ to enable personalised experiences moving beyond a desire to be cured. They involve feelings, families, communities and experiences.

Such complexity and opportunity needs to be embraced if we are truly to transform how healthcare will be delivered in the future. A future in which the richness of our data ignites better solutions and a constant flow of information guides and supports our experiences from home to the hospital and back home again.

And where healing the patient starts not in the hospital lobby or treatment room but before that patient even walks through the door of the hospital building.

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