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Schnurlos, drahtlos, grenzenlos

Licht-Trends der Light + Building 2018
Schnurlos, drahtlos, grenzenlos

Mit stetigem Aussteller- und Besucherzuwachs schwingt sich die Frankfurter Light + Building im Zweijahresrhythmus von Rekord zu Rekord. Im Gedränge der Licht-Hallen gab es dieses Mal viel Mainstream, aber auch einige spannende Trends aufzuspüren.

Autor Martin Krautter

Dass die LED-Technologie, vor zehn Jahren noch visionär und revolutionär, inzwischen eine hohe Reife erreicht hat, sieht man auch dem Angebot auf der Light + Building als international führender Leitmesse für die Lichtbranche an.

Immer deutlicher bilden sich bestimmte Design-Archetypen heraus, die auf praktisch jedem Stand zu sehen sind. Dazu gehören zum Beispiel die allgegenwärtigen, miniaturisierten Spotlights in Form von schlanken, schwarzen Zylindern – gerne per Magnet an ebenfalls miniaturisierten Niedervolt-Stromschienen montiert, oder an zarten Zuleitungen über Theken und Tischen baumelnd. Absolut ästhetisch – doch die Unterschiede von Hersteller zu Hersteller sind so subtil (und die Systeme untereinander meist inkompatibel), dass für Planer intensives Vergleichen von Preislisten und technischen Daten angesagt ist.

Bluetooth LE: Der Funke springt über

Gewöhnungsbedürftig dagegen ist die Erkenntnis, dass eine Leuchte nicht mehr zwingend nur eine Leuchte ist, sondern dank integrierter Sensorik und vernetzter Intelligenz möglicherweise gerade Informationen über ihre Umgebung sammelt oder aussendet. Entsprechend ausgerüstete Leuchten zeigen Großkonzerne wie Philips ebenso wie mittelständische Hersteller wie der Retailspezialist Bäro nicht mehr als Studien, sondern als marktfähige Produkte, die nur noch auf schlüssige Anwendungsszenarien warten.

Und während die Entwicklungsgeschwindigkeit der eigentlichen LED-Lichtquellen doch spürbar abflacht, hat sich eine Technologie zur drahtlosen Vernetzung von Leuchten rasant durchgesetzt: Das Funkprotokoll Bluetooth LE scheint anderen Standards im Beleuchtungsbereich aktuell den Rang abzulaufen.

Bereits 2016 setzten viele Hersteller von Wohnraumleuchten auf das System, das vor allem von Casambi aus Finnland angeboten wird, denn es benötigt außer einem kleinen Modul an der Leuchte und einem gängigen Smartphone oder Tablet zunächst keine weitere Hardware. 2018 überrascht die Nachricht, dass auch Firmen im Profi-Umfeld wie ERCO oder Betriebsgerätehersteller wie Tridonic die Technologie in ihren Produkten nutzen wollen.

Und bei der Mehrzahl der herstellerspezifischen Apps zur Leuchtenfernsteuerung steckt Casambi unter der Haube – mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass zumindest technisch nichts gegen steuerbare Installationen mit buntem Markenmix spricht.

Fragile Handwerkskunst aus Glas

Einen weiteren Trend der Light + Building 2018 hat ebenfalls bereits vor Jahren iGuzzini mit seinem Laser Blade-Programm losgetreten: Ähnliche, miniaturisierte und linear gereihte LED-Downlights im Quadrat hat jeder, der auf sich hält, spätestens dieses Jahr im Angebot. Doch nicht nur die Hersteller dieser eher technischen, deckenintegrierten Leuchten folgen Designströmungen. Bei den dekorativen Wohnraumleuchten fällt auf, dass als Material gläserne Formkörper wieder Konjunktur haben. Allerdings selten klar oder gar bunt, sondern bevorzugt mit grau getönten Verläufen oder metallischen Bedampfungen.

Attraktive Beispiele dafür liefert FontanaArte mit der Equatore, einem Entwurf von Gabriele und Oscar Buratti, aber auch Artemide mit der Leuchte Gople, ein Design des Architekturbüros BIG. Großartiges Handwerk in Glas zeigt natürlich auch in Frankfurt Lucie Koldova mit ihrer Firma Brokis aus Tschechien, die dieses Jahr bereits in Köln mit ihren Entwürfen für das imm-„Haus“ auf sich aufmerksam machte. Sehr kreativ schließlich die Idee des jungen Berliner Unternehmens Volatiles, Glasmosaik mit flachen, steuerbaren LED-Kacheln zu hinterlegen.

Light + Building zeigt grazile Leuchten für den Außenraum

Erfreulich ist die Aufmerksamkeit, die Hersteller dieses Jahr einem bislang beleuchtungstechnisch oft vernachlässigten Bereich widmen: Dem privaten bis halböffentlichen, gebäudenahen Außenraum. Dort, wo kein Vandalismus droht, macht die LED-Technologie ebenso grazile wie erschwingliche Leuchten möglich, die Zugänge, Gärten und Terrassen wohnlich inszenieren – anschaulich präsentiert etwa auf den Ständen von Occhio, Flos oder der Marke IP44.

Alternativ bieten immer mehr Hersteller kabellose Akkuleuchten an: Allen voran Nimbus aus Stuttgart, aber auch bei Artemide, Pablo, Marset, Gloster oder Wever&Ducre wird man fündig. Nicht alle Akkuleuchten darf man allerdings bei Regen draußen vergessen – die originelle Nyta Pong schon. Sie ist wetterfest, obwohl man es ihr nicht ansieht.

New Work, flexibles Licht

Genug zum Vergnügen, kommen wir zum Arbeitslicht: Nachdem das ehemalige Hype-Thema HCL (Human Centric Lighting) sich in der Nische stabilisiert – Produkte, die sich dank variabler Lichtfarbe und passende Steuerungen in entsprechende Konzepte integrieren lassen, finden sich in großer Fülle, insbesondere für Anwendungen im Bereich Bildung und Gesundheit – steht bei der Office-Beleuchtung Flexibilität im Fokus.

Schließlich wird es immer mehr Alltag, dass Büroflächen geplant und gebaut werden, lange bevor Nutzer und Nutzung endgültig feststehen. Hier erlebt die klassische Stromschiene als bauseitige Infrastruktur eine Renaissance, die Lichtlösung kann sich der Mieter aussuchen und installieren: Zum Beispiel hoch entblendete Stromschienen-Downlights wie die Modelle Jilly oder Skim von Erco, aber auch die linearen, formal ganz reduzierten Leuchtkörper der Via Serie von Selux: Sie rasten werkzeuglos in die bewährten Schienen und bieten je nach Variante auch normgerechte Ergonomie (UGR19) – unkomplizierter geht’s kaum.

Parallel zur Messe findet die Luminale statt.

Webseite der Messe

https://www.md-mag.com/interior-architecture/fachbeitraege/opinion/luminale/

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