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Luxus kann ökologisch

Praxistipps aus Perspektive des Innenausbaus
Luxus kann ökologisch

Nachhaltigkeit wird im Innenausbau immer wichtiger – doch an welchen Stellschrauben kann man überhaupt drehen, wenn große Projekte realisiert und viele Entscheider eingebunden werden sollen? Einblicke aus dem High-End-Ladenbau.

Autorin Nicole Hinske

Im Innenausbau erlangt das Thema Nachhaltigkeit immer mehr Aufmerksamkeit und Relevanz. Das erleben wir als Ladenbauer im Kontakt mit unseren Kunden. Viele treten an uns mit dem Wunsch heran, dass wir bei den Einbauten und Möbeln für ihre Shops und Shop-in-Shop-Systeme nachhaltige Aspekte berücksichtigen.

Unsere Erfahrungen zeigen: Vielen Auftraggebern kommt es nicht allein auf eine ansprechende Optik an, sondern ebenso auf die Langlebigkeit und Qualität der Materialien. Diesem Anspruch folgend sind Möblierungen, die nur kurzzeitig gut aussehen müssen und daher regelmäßig ausgetauscht werden, nicht mehr gefragt.

Planungsprozesse

Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren unsere Planungsprozesse bei einigen Kunden verstärkt in Richtung Nachhaltigkeit anpassen müssen. Besonders auffällig zeigt sich dieser Wandel im Luxussegment. Denn viele Premiumhersteller legen ökologische Kriterien nicht nur bei ihren ureigensten Produkten an, sondern verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der sich bis hin zur Fertigung der Shopmöbel erstreckt. Das umfasst besonders die Produktionsweise und die eingesetzten Materialien.

Exemplarisch dafür steht der seit vielen Jahren mit uns zusammen arbeitende, international tätige Kosmetikkonzern L’Oréal. Seit längerem gestalten und bauen wir die Shops und Shop-in-Shop-Systeme seiner Premiummarken Giorgio Armani und Lancôme. Beide legen großen Wert auf die ökologische Herstellung ihrer Präsentationsmöbel und generell den Innenausbau.

Anhand ihrer Beispiele lässt sich gut aufzeigen, auf welche Faktoren der Nachhaltigkeit die Marken besonders achten, welche Anforderungen sie an uns als Innenausstatter stellen und wie wir den ökologischen Anspruch und seine Verwirklichung im Detail umsetzen können.

Kompetente Beratung

Vor allem bei der Materialwahl ist die Expertise des Innenausstatters gefragt. Bei beiden Marken hat sich der Beratungs- und Umsetzungsprozess beim Innenausbau ähnlich vollzogen:

Bei der Anfrage des Kunden für die Realisierung eines weiteren Projekts präsentierte er seine Gestaltungswünsche nicht nur mit einer detaillierten Zeichnung, sondern auch mit einer Materialliste. Gemeinsam mit dem Projektmanager und der Kalkulationsabteilung überprüften wir, an welcher Stelle nachhaltige Komponenten eingesetzt werden können und wie sich das mit dem Gesamtbudget vereinbaren lässt.

Zunächst kommt es vor allem darauf an, welche Materialien bezogen werden. Die Auftraggeber erwarten, dass Zulieferteile und Materialien von nachhaltig ausgerichteten Produzenten stammen und möglichst lokal bezogen werden.

Bewusst Alternativen suchen

In der Beschaffungsphase zeigt sich, dass es für fast jede Komponente umweltgerechtere Alternativen gibt. Das reicht von der Platte über den Farblack bis zum Kleber. Leichte und umweltfreundliche Wabenplatten, Leim aus ökologischer Herstellung, recycelter Filz oder Wollfilz als Stoffalternative sind in dieser Hinsicht geeignete Materialien.

Am Beispiel Holz lässt sich das gut nachvollziehen. Es ist zwar eine nachwachsende Ressource, aber nicht in endlosen Mengen vorhanden. Anstelle von Massivholz empfehlen sich Alternativen auf Holzbasis, wie FSC-zertifiziertes Laminat beziehungsweise HPL, MDF und Spanplatten PEFC. Das reduziert die eingesetzte Werkstoffmenge, tut der Optik im Möbel- und Innenausbau aber keinen Abbruch. Die Produkte wirken trotzdem edel und zeitlos.

Ebenso können Kunststoffe eine adäquate Alternative zu Naturstein, schadstoffhaltigen Glanzlackierungen und zahlreichen weiteren Oberflächen bieten. Sie sind häufig leichter, unempfindlicher und zu Teilen auch rezyklierbar.

Kreislaufdenken

Im Sinne einer umweltgerechten Ausrichtung sollten alle Einzelteile der Shopmöbel gut zu trennen sein, das heißt, Bauteile verschrauben statt verkleben oder leicht lösbare Konstruktionen verwenden. Wenn sich die so gewonnenen Einzelteile nicht direkt wiederverwenden lassen, unterstützt es die kleinteilige Zerlegung, dass die einzelnen Komponenten getrennt und umweltfreundlich entsorgt werden können.

Im Sinne der Gewichtsreduzierung sollte man bei der Materialauswahl bewusst nach leichteren Alternativen Ausschau halten. Das reduziert das Transportgewicht. Auch bei der Verpackung heißt es weniger ist mehr. Zudem sollte man hier möglichst recyceltes Verpackungsmaterial verwenden.

Transport und Beleuchtung

Bei der Wahl des Transportmittels kommt es auch auf den geringstmöglichen CO2-Verbrauch an. Eignet sich im Einzelfall der LKW-Transport oder doch eher der See- oder Luftweg?

Für die Montage der Shopmöblierung sollte man lokale Betriebe engagieren, denen man wiederum einen Monteur des Ladenbauers zur Seite stellt. Das sichert die Qualitätskontrolle beim Innenausbau. Viele Unternehmen verlangen vom Ladenbauer eine genaue Dokumentation der einzelnen Prozessschritte von der Planung über die Materialbeschaffung bis hin zum Transport und Aufbau. So auch dieser Kunde.

Die Verantwortlichen für das Luxussegment legen auch großen Wert auf die Stromeinsparung bei der Beleuchtung. Da die Ladenmöbel je nach Standort – zum Beispiel in Duty-Free-Shops in Flughäfen – teilweise 24 Stunden an sieben Tagen im Betrieb sind, lohnt es sich etwa, dimmbare LED-Einbauleuchten zu verwenden.

Trend mit Zukunft

Unsere Auftraggeber haben bereits viel von ihrem nachhaltigen Anspruch eingelöst. Das leichtere Plattenmaterial für die Präsentationsmöbel reduziert Gewicht. Der gezielte Einsatz von Transportmitteln mit geringerem CO2-Ausstoß verringert den Fußabdruck. Nicht umsonst sagt Benjamin Behar, Retail & Design Director für den Bereich Travel Retail für die Gebiete Europa, Mittlerer Osten, Afrika und Indien (EMEAI) von L’Oréal: „Uns geht es nicht allein um ökologische Materialbeschaffung, sondern wir betreiben eine 360°-Rundumsicht.“

Damit bringt er unsere Erfahrung als Ladenbauer in den vergangenen Jahren auf den Punkt. Längst steht nicht allein die Nachhaltigkeit des Materials im Fokus beim Innenausbau. Für eine „grüne Weste“ wünschen sich unsere Kunden einen vollumfänglich ökologischen Prozess.

Zwar ist die Kombination aus vielen kleinen Prozessänderungen und nachhaltigeren Materialien noch vergleichsweise kostenintensiv und daher nicht in jeder Preisklasse bis ins Detail umsetzbar. Aber es kommt viel Bewegung hinein: Mit jedem neu entwickelten nachhaltigen Material und jedem Endkunden, der bereit ist, für ökologische Alternativen einen höheren Preis zu zahlen, werden sich mehr und mehr Marken auch beim Innenausbau auf das Thema Nachhaltigkeit fokussieren.

Autorin Nicole Hinske ist Marketingleiterin der Moprojects GmbH

Nachhaltige Materialien im Ladenbau: Produktschau

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