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Habiter le Campement

Ausstellung in Paris
Habiter le Campement

Über 75 Millionen Menschen leben heute weltweit in mobilen Behausungen. Die Ausstellung ‚Wohnen im Provisorium‘ in Paris erörtert die vielen Gesichter moderner Massenlager.

Da gibt es dieses eine kleine dunkle Loch in der sonst weißen Wand im Flur, das mich stört. Die Wand ist nicht perfekt. Und es gibt noch andere unfertige, unperfekte Stellen, wie die traurige Glühlampe im WC, die lockere Fußleiste in der Küche oder die fehlende Gardine im Arbeitszimmer. Was hat mein Haus mit der Ausstellung ‚Habiter le campement‘ – Wohnen im Provisorium – zu tun? Nach nur wenigen Bildern, die man in der eindrücklichen Ausstellung in Paris zu sehen bekommt, kann man nur noch denken “Tickst Du noch ganz richtig? Hast Du keine anderen Probleme? Hast Du jegliche Verhältnismäßigkeit verloren?”

Über 75 Millionen Menschen leben heute weltweit in provisorischen Behausungen. Wenn man die Menschen dazu zählt, die in Slums, Favelas und Elendsvierteln leben, kommt man auf über eine Milliarde Menschen. Ein kleines Löchlein in der Wand wäre defintiv das kleinste Problem, das diese Menschen eint. Dagegen drängt sich die Frage auf, wie man diesen Menschen, die aus verschiedenen Gründen, in diese Lage geraten sind, helfen kann. Kann und muss Architektur nicht helfen? Gibt es bezahlbare Konzepte? Alternativen zu Zeltstädten, Containerdörfern und Blechhütten?
In Paris differenziert und erörtert man sechs verschiedene Zugehörigkeiten des mobilen Lebens. Angefangen bei den Nomaden in Alaska, Afrika und Asien, die diese mobile Lebensform seit Jahrhunderten praktizieren, ergänzt durch die moderne Version der Mobile Homes in den USA. Gefolgt von der Gruppe der Urlaubsreisenden, Festivalbesucher und Pilger. Auch sie begeben sich für eine Zeit freiwillig in eine mobile, improvisierte Behausung. Dabei muss man nicht auf Komfort verzichten. Eine große Gruppe bilden Flüchtlinge, die wegen Krieg, Verfolgung, Perspektivlosigkeit oder Hunger ihre Heimat verlassen. Eine eigene Gruppe stellen die im Exil Lebenden. Unter dem Thema ‚les conquérants‘ sind Unterkünfte von Besatzern bzw. Eroberern wie den Goldgräbern in der Mongolei, das Camp am Himalaya und Behausungen von Gastarbeitern zu sehen. Occupy-Protestler in Madrid, Kairo, Paris und Hongkong übernachten zwar meist zu Hause, campieren aber an symbolträchtigen Orten, um ihren Protest möglichst effektiv nach außen zu tragen.
Man findet unterschiedliche Motive für ein (Massen-/Not-)lager – allen gemein ist das Provisorium. Die Notwendigkeit, mit wenigen Mitteln schnell viele Dächer über den Köpfen zu errichten. Weil man will oder weil man muss. Von einem Einzelphänomen kann nicht die Rede sein. Das schien auch der argentinische Architekt und Biennale-Direktor Alejandro Aravena gewusst zu haben. Bei der Architekturbiennale in Venedig unter dem Motto ‚Reporting from the Front‘ waren Architekten aufgefordert, sich mit Themen wie Wohnungsnot, Migration, Segregation, Zugang zu sanitären Einrichtungen und Umwelt (-verschmutzung) inhaltlich auseinanderzusetzen. Die Ausstellung in Paris zeigt, wie wichtig dieser Diskurs ist, Lösungsansätze für diese Milliarde Menschen zu finden und darüber hinaus. Das Loch in der Wand läuft unter Luxusproblem.
Die Ausstellung befindet sich in der Cité de l’Architecture & du Patrimoine, Palais de Chaillot, 1 place du Trocadéro (Métro Trocadéro oder Iéna) und läuft noch bis zum 29. August 2016. Weitere Informationen unter
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