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Materialpreis 2019 - die Preisträger

Große Schindelei

Zwischen Korkfassaden und verspiegeltem Gussglas: So sieht innovatives Bauen aus. Die eingereichten Architekturprojekte beim Materialpreis 2019 hatten eine bemerkenswert hohe Qualität. Die Preisträger erhielten am 26. Juni 2019 ihre Trophäe aus dem Material Lichtbeton. Wir stellen sie vor.

“Es schindelt in allen Variationen“, eröffnete Hannes Bäuerle die feierliche Vergabe des Materialpreis 2019 im Stuttgarter Hospitalhof. Seine Beobachtung beruht auch auf der Auswertung der 178 Einreichungen aus 13 Ländern, die der Wettbewerb in diesem Jahr verbuchen konnte.

Dabei sind die Materialien so vielseitig wie das spätere Erscheinungsbild: Schiefer, Holz, Glas, Keramik … um nur einige zu nennen. Der Geschäftsführer der raumprobe und Auslober des Preises stellte sogleich die Gretchenfrage: „Folgt das Material einem Trend oder der Trend einem Material?“ Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Materialpreis 2019
Brücke mit Löchern. schlaich bergermann partner entwarfen für Trumpf einen Steg aus Edelstahl mit gelaserten Öffnungen.

Die Themen der Jury des Materialpreis 2019 waren vielseitig. Es ging um den Umgang mit dem Wiederaufbau des historischen Erbes, wie in der Frankfurter Altstadt geschehen oder die vielseitig zum Einsatz kommenden Pavillione, sei es zu Forschungszwecken, als Experiment oder zur Ausstellung. Und eben Schindeln in allen Variationen.

Materialpreis 2019
Über den ICD Aggregat Pavillon 2018 berichtete md inklusive Making-Off-Video.

178 Einreichungen, 16 Preisträger

In Summe erhielten 15 Büros (Steimle Architekten erhielten zwei Auszeichnungen ) einen Preis, erteilt in den Kategorien Anwendung (In welchem Bereich wurde das Material eingesetzt?), Material (Welches Material kam zum Einsatz?) und Materialeinsatz (Welcher Entwurfsgedanke stand dahinter?).

Zudem vergab die Jury Anerkennungen und den Preis für die Publikumslieblinge. Hannes Bäuerle ließ verlauten, dass es bei der Online-Abstimmung Probleme gab. Es wird geschwindelt? Nicht ganz, aber es besteht bei dem Tool noch Handlungsbedarf.

Es war ein kurzweiliger, spannender Abend mit vielen glücklichen Siegern und einem regen Austausch auch nach der Preisvergabe. Und die Aussichten? Im nächsten Jahr sucht das Team der raumprobe wieder Materialinnovationen für den Materialpreis 2020.

Materialpreis 2019
Materialpreis 2019, 1. Auszeichnung Publikums-Voting: Brückner Architekten für ‚Apartment Elbphilharmonie‘

Auszeichnung Anwendung

1. raumkontor Innenarchitektur für ‚Chromatic – Pop Up Installation‘ für Jung (Material: Metall-Lichtschalter mit chromfarbener Oberfläche)

Die Jury: Die interaktive Installation Chromatic, die während der Milan Design Week 2019 ihre Besucher beeindruckte, besticht durch ihre eindrucksvolle Inszenierung. Im Mittelpunkt stehen die Schalterwelten der Klassiker LS 1912 und LS 990, die in verchromter Ausführung als „Chromgeister den Raum erobern“ und die Intention des Auftritts auf den Punkt bringen: Chrom ist wieder da und aktueller denn je. Licht, Klang und Bewegung sorgen für einen diskussionsreichen Raum. Selten hat eine Marken-Inszenierung mehr überzeugt.

Materialpreis 2019
Materialpreis 2019, 1. Auszeichnung Anwendung: raumkontor Innenarchitektur für Chromatic – Pop Up Installation für Jung

2. Rundzwei Architekten für ‚Korkenzieher-Haus‘ (Material: Kork und Stampfbeton)

Die Jury: Es ist ein Abfallprodukt aus der Flaschenkorkproduktion, das diesem ikonischen Viergiebelhaus zu seiner impulsgebenden Vorreiterrolle verhilft. Die Fassadenplatten aus Korkgranulat verleihen dem Monolith nicht nur eine höchst ästhetische Atmosphäre, sondern auszeichnungswürdige Attribute im Sinne der Nachhaltigkeit: Sichtoberfläche, Wärmedämmung. Witterungs- & Schimmelresistenz. 100 % Natur.

Materialpreis 2019
Auf den ersten Blick nicht ersichtlich. Diese Hausfassade besteht aus Stampfbeton und Kork. Das ‚Korkenzieher-Haus‘ von Rundzwei Architekten.

3. Architekturbüro Johannes Götz und Guido Lohmann für ‚Neues Paradies‘ (Material: Roter Mainsandstein, Schiefer)

Dir Jury: Das markante Eckgebäude in der Frankfurter Altstadt wirkt traditionell und experimentell zugleich, spielt es doch geschickt mit Verweisen auf die Vergangenheit ohne diese zu imitieren. Die Interpretation des Kontextes mit tradiertem Material und zeitgemäßer Formensprache ist einzigartig. Der Umgang mit dem polygonal gefalteten Schieferkleid in Altdeutscher Deckung ist abgefahren handwerklich.

Materialpreis
Handwerklich präzises Schieferkleid in der Frankfurter Altstadt.

Auszeichnung Material

1. schlaich bergermann partner für ‚Trumpf-Steg‘, Ditzingen (Material: Edelstahl mit gelaserten Öffnungen)

Die Jury: Dass der Fußgängersteg als Verbindung zweier Betriebsareale des Unternehmens für Werkzeugmaschinen und Lasertechnik technologischen Bezug zu Auftraggeber und Standort nimmt und auf deren Lasermaschinen geschnitten wird, ist konzeptionell sehr stark, jedoch wenig überraschend. Und dennoch ist ein höchst spektakuläres, komplexes Brückenbauwerk, ja eine innovative Skulptur entstanden, die mit ästhetischen und konstruktiven Detaillösungen überzeugt. Ein wichtiges Projekt.

Materialpreis
Über diesen Steg muss man gehen. schlaich bergermann partner für Trumpf.

2. Richter Musikowski Architekten für ‚Futurium Berlin‘ – Ein Zukunftsgefäß (Material: Gussglas Listra, Edelstahlblech, Fassadensystem von Schüco Jansen Stahlsysteme)

Die Jury: Die mehrschichtige Fassade aus bedruckten Gussglaskacheln und gefalteten Edelstahlreflektoren lässt mit ihrer diffusen Lichtreflexion erahnen, dass dieser  fantastische Bau der Zukunft gewidmet ist. Die architektonische Ausführung trägt seiner inhaltlichen Konzeption mit innovativen Technologien und nachhaltiger Bauweise Rechnung. Die zukunftsfähige Architektur wird die Besucher in ihren Bann ziehen.

Materialpreis 2019
Materialpreis 2019, 2. Auszeichnung Material: Richter Musikowski Architekten für ‚Futurium Berlin‘

3. Steimle Architekten für Bürogebäude SüdWestStrom (Material: backstein Klinker, textiler Sonnenschutz)

Dieser Klinkerbau mit seinem lebendigen Ziegelmauerwerk wirkt in seiner hellen Ausführung fast schon exotisch und fügt sich dennoch – mit seiner gewählten Materialität den historischen Standort konnotierend – behutsam in das ihn umgebende städtebauliche Ensemble ein. So stolz sich die Fassade mit ihren markanten Fensterlaibungen präsentiert, die monochrome Materialauswahl der Innenarchitektur stellt sich ihr selbstbewusst entgegen und überzeugt gleichermaßen.

Materialpreis 2019
Materialpreis 2019, 3. Auszeichnung Material: Steimle Architekten für Bürogebäude SüdWestStrom

Auszeichnung Materialeinsatz

1. Meck Architekten für Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer‘ in Poing (Material: „Hergottsbeton“, Keramikkacheln, Eiche)

Die Jury: Dieser Solitär schafft mit seiner zeitgenössischen Interpretation barocker Kirchenkunst den schmalen Grat zwischen traditioneller Religiosität und moderner Architektur und verhilft seinem Standort zu einem Juwel architektonischer Baukunst. Dazu tragen vor allem die dreidimensional geformten Keramikfliesen bei, deren
Relief sich aus der Kubatur des Kirchenraumes ableiten. Sie ergänzen sich nicht nur zu einer ausdrucksstarken Fassade aus Material und Licht, sie unterstreichen den Anspruch als holistisches Gesamtkunstwerk wahrgenommen zu werden.

Materialpreis 2019
Materialpreis 2019, 1. Auszeichnung Materialeinsatz: Meck Architekten für ‚Kirchenzentrum Seliger Pater Rupert Mayer‘

2. Steimle Architekten für ‚Bücherei Kressbronn‘ a.B. (Material: Dämmbeton, Holzlamellen)

Dir Jury: Aus der Struktur eines unbeheizten Wirtschaftsgebäudes eine moderne, großzügige Bibliothek zu generieren, gebührt großen Respekt. Diese Transformation ist eindrucksvoll und gelingt mit wenigen architektonischen Mitteln und bewusstem Materialeinsatz: Stark sind die gedrehten Holzlamellen der Fassade, Elemente
moderner Formensprache, die das Gebäude im Hier und Jetzt verorten, dabei den ursprünglichen Charakter deutlich hervorheben. Aus neu mach alt.

Materialpreis 2019
„Aus Neu mach Alt“ war das Motto von Steimle Architekten für die Bücherei Kressbronn a.B.

3. Quintessenz Creation für ‚Kagkatikas Secret‘ (Material: Glasfasergewebe, Armierungsgewebe)

Die Jury: Atmosphäre und Interaktion stehen im Vordergrund dieser Installation – und beides ist mit wenigen Mitteln umso mehr gelungen. Dass Wind und Sonne durch ihren Materialeinsatz die Glasfasergewebe inszenieren, erweckt die Sehnsucht der Juroren, diese Installation zu erleben. Die weichen Moiré-Effekte, die durch die
Windbewegungen entstehen, kontrastieren mit den leuchtenden, geschichteten Farbfeldern und lösen die Grenzen zwischen realer und digitaler Welt auf. Die Kraft der Kunst …

Materialpreis 2019
Eine Welt zwischen digital und analog. ‚Kagkatikas Secret‘ von Quintessenz Creation.

Materialpreis 2019 Anerkennungen

BioMat Abteilung am ITKE – Fakultät Architektur und Stadtplanung, Uni Stuttgart für ‚BioMAT Pavillon 2018‘ Flexible Forms (Material: Bioverbundwerkstoffe, Sandwichelemente)

Die Jury: Beeindruckend ist die duale Konzeption dieses Forschungspavillons. Konstruktiv und materialtechnisch ist ein Pavillon entstanden, der ganz selbstverständlich an die große Tradition des Leichtbaus in Stuttgart anknüpft. Dass dabei ein Sandwichmaterial aus nachwachsenden Lignocellulosefasern zum Einsatz kommt, das auf mehrjähriger Forschung auf dem Gebiet der Anwendung biobasierter Materialien und verschiedenen Konzepten für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Architektur basiert, ist umso bemerkenswerter.

Materialpreis 2019
Materialpreis 2019, Anerkennung: BioMat Abteilung am ITKE – Fakultät Architektur und Stadtplanung, Uni Stuttgart für BioMAT Pavillon 2018

Institut für Computerbasiertes Entwerfen & Baufertigung (ICD), Universität Stuttgart für ‚ICD Aggregat Pavillon 2018′ (Material: Granulat, Recykliertes Polystyrol, PVC)

Die Jury: Dieser experimentelle Raum, dem eine 10 jährige Auseinandersetzung mit granularen Systemen zugrunde liegt, überrascht. Er überrascht mit einer äußerst starken Atmosphäre, die sich weitaus weniger durch sein gewähltes Material entwickelt, sondern durch deren einzigartige Eigenschaften generiert wird. Sie resultieren in einer konzeptionellen, materialgerechten Ästhetik, die das enorme Potential künstlicher, granularer Materialien in der Architektur auf bemerkenswerte Weise transportieren.

Materialpreis

Block Research Group, ETH Zurich, Zaha Hadid Architects Computation and Design Group, Architecture Extrapolated für ‚KnitCandela‘ (Material: gestricktes Textil, Zementmix, Leichtbeton)

Die Jury: Die Huldigung, die die internationale Kooperation mit ihrem Pavillon an Félix Candela ausspricht, greift die Jury auf und gibt sie an die Autoren von KnitCandela zurück. Die raumgreifende Skulptur schöpft in bemerkenswerter Manier die Kompetenz textiler Materialien aus. Mit ihr gelingt neben der offensichtlichen Oberflächengestaltung nicht nur die effiziente Herstellung ausdrucksstarker Freiformbetonflächen ohne komplexe Schalung, sondern auch die Implementierung zusätzlicher, das Verfahren unterstützende Elemente. Brillant.

Materialpreis 2019
Materialpreis 2019, Anerkennung: ‚KnitCandela‘

Alexander Thumann, Student der Architektur, für ‚Schafstall‘ (Material: Fichte gebrannt)

Die Jury: Als One-Man-Show entstanden, ist dieser Schafstall gleich in mehrfacher Hinsicht auszeichnungswürdig. Von der Initiative bis zur Ausführung ist dieser Solitär in kompletter Eigenleistung realisiert worden und greift dabei Aspekte zeitgemäßer Bauprojekte auf, die beispielhaft sind: sozial, regional und materialgerecht – in architektonischer Ausführung und schützender Oberflächenbehandlung. Alexander Thumann hat alles richtig gemacht und ist auf einem guten Weg.

Materialpreis 2019
Alexander Thumann, Student der Architektur, realisierte einen Schafstall  aus gebrannter Fichte für drei Bewohner.

Auszeichnung Publikums-Voting

Brückner Architekten für ‚Apartment Elbphilharmonie‚ (Material: Baswaphon, Porenbeton)

Wilhelm + Partner für ‚Autowaschstraße Sundheimer Fort‘, Kehl (Material: Folie, Stahl, Luft)

Nachhaltiges Bauen KIT Karlsruhe und 2hs Architekten und Ingenieur PartGmbB für ‚Mehr.Wert.Pavillon‘ (Material: Magna Glaskeramik, WasteBasedBrick, Blue Dapple)

Materialpreis 2019
Die Autowaschstraße von Wilhelm + Partner gewann eine Auszeichnung beim Publikums-Voting. Material: Folie, Stahl und  Luft

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