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Eurocucina 2018

Luft nach oben

Die Küche ist los! In Mailand bei der Eurocucina wird geklotzt statt gekleckert: mit schwebenden Miniküchen, steinernen Schwergewichten, farbexplosiven Kunsteditionen und überraschenden Zukunftsszenarien.

Autorin Claudia Simone Hoff

Man hätte meinen können, auf der Mailänder Messe sei die Küchenhysterie ausgebrochen, so voll war es in den Messehallen von Eurocucina und der flankierenden Einbauelektrogeräte-Schau FTK Technology meets the Kitchen. Und die Zahlen bestätigen es: 17 Prozent mehr Besucher im Vergleich zur Ausgabe 2016, als ebenfalls Küchenmesse war.

Die Küche ist der Star

Die Küche ist längst zum Mittelpunkt des Wohnens avanciert und neben dem Badezimmer der teuerste Raum des Hauses. Weil die Investition so hoch ist, wird eine Küche durchschnittlich nur alle zwanzig Jahre ausgetauscht, was erklärt, weshalb die meisten Hersteller auf eine Gestaltung setzen, die möglichst zeitlos ist. Doch ab und zu kommen auch mal modische Ausreißer vor – auf der 22. Ausgabe der Eurocucina beispielsweise Snaideros streamline-förmige Küche ‚Vision‘ von Pininfarina Design.

Ansonsten fast überall zu sehen: geradlinige Entwürfe mit grifflosen Fronten – aus Natursteinen und edlen Hölzern, mit oxidierten Metalloberflächen oder robusten Keramikelementen – kurz: eine minimalistische Küche wie sie im Buche steht. Selbst Küchenkennern fällt es da schwer, noch Unterschiede zu erkennen.

Die finden sich vor allem im Detail, in der Verarbeitung der Materialien beispielsweise. So richtig gut sieht Minimalismus nämlich erst in der Perfektion aus, verzeiht die Beschränkung auf das Wenige doch keine Fehler.

Bei der Umsetzung tun sich die Italiener mit ihrer langen Tradition von Handwerkskunst besonders hervor – wie Dada, Boffi, Ernestomeda oder Arclinea zeigten.

Luxus alla italiana

Bei den italienischen Herstellern wird in diesem Jahr groß aufgefahren: mit schweren Arbeitsplatten aus Naturstein und Fronten in außergewöhnlichen Hölzern wie Eukalyptus. Boffi stellte in seinem Showroom und im Firmenkonglomerat mit DePadova auch auf der Messe die neueste Idee von Art Director Piero Lissoni vor. ‚Combine‘ besteht auf fünf luxuriösen Boxen, denen jeweils eine Funktion wie Kochen, Spülen oder Verstauen zugeordnet ist. Der modulare Aufbau ermöglicht die freie Kombination zum (Küchen-)Ensemble oder den Einsatz als singulärer Eyecatcher – in verschiedenen Farb- und Materialausführungen.

Ähnlich modular denkt auch Cesar: Der italienische Hersteller arrangiert die Blöcke ‚Williamsburg‘, ‚Intarsio‘ und ‚The 50s‘ zu einer vollwertigen Küche. Ein weiteres Trendthema auf der Eurocucina, das vor allem von High-End-Marken vorangetrieben wird: Individualisierung. So sind beispielsweise die Fronten der Edelstahlküche mit den markanten Rundungen von Abimis in jeder Wunschfarbe zu haben.

Der französische Elektrogerätehersteller La Cornue geht noch einen Schritt weiter, indem er eine limitierte Kunstedition seines Klassikerherds ‚Château 150‘ anbietet. Sagenhafte 250.000 Euro kostet eines der expressiv farbigen Stücke des französischen Street-Art-Künstlers Cyril Kongo.

„An Mailand kommt man nicht vorbei, wenn man ein Premiumprodukt herstellt“, sagt Annette Schumacher, Marketingleiterin von Schüller. Der deutsche Küchenhersteller hatte auf der Eurocucina gleich 620 Quadratmeter Standfläche gemietet, wobei 60 Prozent der Premiummarke next 125 vorbehalten war. Sogar den Produktionszyklus hat man eigens umgestellt, um die Neuheiten in Mailand (und nicht in Köln!) vorzustellen zu können.

Die Anderskocher

Traditionell stellen während des Salone del Mobile viele Küchenhersteller ihre Neuheiten statt auf der Messe in ihren Showrooms oder an anderen Orten der Stadt aus. Wie schon vor zwei Jahren hatte sich Bulthaup für eine Präsentation in der säkularisierten Kirche San Carpoforo im Stadtteil Brera entschieden. Der bayrische Hersteller konnte seinen spektakulären Auftritt von 2016 noch überbieten – mit einem Konzept, das hohe Wellen schlagen dürfte.

Denn ‚b.architecture‘ ist nicht einfach nur eine formal neue Küche, sondern vielmehr die Idee einer Küche als sozialer Raum. Hier steht der Tisch im Mittelpunkt, an dem kommuniziert, gegessen und – das ist neu! – gewerkelt, warm- und kaltgehalten wird.

Das funktioniert mittels einer in den Tisch eingelassenen Metallschiene, die mit Schalen und Kräutertöpfen mit Wasserreservoir ausgestattet werden kann. Ein ausgeklügeltes System von elektromagnetischen Stäben unterteilt die Schiene in unterschiedlich temperierte Segmente – so bleibt die Champagnerflasche kühl und das Risotto warm.

Dass es jenseits von High-End-Technik und Luxusküchen noch etwas anderes gibt, zeigte in Mailand überraschenderweise ein japanischer Hersteller ziemlich eindrucksvoll. Sanwa präsentierte auf der Eurocucina gleich acht verschiedene Miniküchen verschiedener Designstudios. Sie zeigen, wohin die Reise geht für Ottonormalverbraucher: Weniger Raum in Großstädten führt zu Lösungen, die multifunktional, clever und nicht weniger schön sind als ihre luxuriösen Counterparts.

Wir sind jedenfalls gespannt, was Köln der euphorisierten Eurocucina nächstes Jahr auf der LivingKitchen entgegensetzen wird.

Webseite der Messe

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