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Vanessa van Overmeeren: Textilingenieurin im Interview

Im Gespräch mit der Textilingenieurin
Vanessa van Overmeeren

Wenn der Vater und der Großvater schon in der Teppichindustrie tätig waren, dann liegt das im Blut. Die Textilingenieurin entwickelt mit hohem Anspruch Kollektionen für IVC. Ihre Aufgabe ist der reibungslose technische Ablauf einer Produktion.

Interview Katharina Feuer

Wie grenzt sich Ihr Unternehmen von der Konkurrenz ab?

Vanessa van Overmeeren: Wir sind noch sehr klein im Vergleich zur Konkurrenz wie Interface oder Tarkett. Aber haben bereits eine gute Reputation und fühlen uns ein bisschen wie die „new kids on the block“.

Warum entscheidet sich ein Unternehmen, das Erfolg mit heterogener Bahnware und LVT (Luxury Vinyl Tiles) hat, ein völlig neues Standbein mit Teppichfliesen aufzubauen?

Vanessa van Overmeeren: Seit 2015 ist die 1997 gegründete IVC Group Teil von Mohawk Industries Inc. Mohawk Industries haben ihre Wurzeln in der Teppichindustrie. Da neben Wohnteppichböden der Objektmarkt wichtig ist, war es ein logischer Schritt, auch in Europa in diesem Bereich Fuß zu fassen. Der Hauptgrund ist, dass IVC (International Vinyl Company) einen Fuß ins Objektgeschäft bekommen wollte – Teppichfliesen sind der logische erste Schritt zum Einstieg in den Objektmarkt.

Inwieweit gibt der Mutterkonzern vor, was hier in Europa passiert?

Vanessa van Overmeeren: Wir arbeiten sehr autark und machen unsere eigenen europäischen Teppichfliesen.

Was unterscheidet denn eine europäische von einer amerikanischen Teppichfliese?

Vanessa van Overmeeren: In Europa sind kräftige Farben gefragt, in Amerika gedeckte, dezente Töne wie Grün, Beige und Grau. Zudem unterscheiden sich die europäischen deutlich von den amerikanischen Normen für die Zertifizierung.

Wie groß ist Ihre Kollektion?

Vanessa van Overmeeren: Unsere Kollektion umfasst heute 22 Designs. Die Serien ‚Intervention‘, ‚Rudiments‘ und ‚Contour‘ sind mit einem Garn entwickelt, das 32 Farben umfasst. Damit können Architekten bereits kreativ arbeiten: ein differenziertes Mix & Match verschiedener Designs oder Farben.

Woher kommt die Inspiration dafür?

Vanessa van Overmeeren: Beispielsweise von makroökonomischen Trends, die den Arbeitsplatz der Menschen beeinflussen. Unser Fokus liegt auf Wellbeing in der Arbeitswelt. Eine gute Basis für Architekten und Designer, unsere Produkte in ihren Projekten einzusetzen und sich auf diese Trends zu beziehen.

Wie setzen Sie das um?

Vanessa van Overmeeren: Wir wollen mit unseren Teppichen Ruhe in die Arbeitswelt bringen. Nicht nur unsere Produkte sollen überzeugen, sondern das Konzept und die Art der Produktion.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Vanessa van Overmeeren: Unsere ‚Imperfection-Kollektion‘ ist ganz spannend: Wir haben mit einem Modefotografen zusammengearbeitet, der sich auf die Unvollkommenheiten seiner Models konzentrierte, um sie perfekt zu machen – so wie wir es bei der Kollektion getan haben. Wir wollen den Druck rausnehmen, dass alles perfekt sein muss.

Beeinflusst die Digitalisierung Ihre Entwürfe?

Vanessa van Overmeeren: Ja, es sind Themen, die aktuell sind und bleiben. So zeigt sich die Digitalisierung bei ‚Immersion‘ durch einen 3D-Effekt, der den Boden sehr lebendig erscheinen lässt. Der Entwurf wird digital erstellt, manuell produziert und spiegelt ein digitales Erlebnis.

Wie wichtig ist das Projektgeschäft? Wo liegen die Herausforderungen?

Vanessa van Overmeeren: Innerhalb der vergangenen vier Jahre konnten wir unseren Umsatz stetig steigern in der neuen Sparte, den Teppichfliesen. Trotz der Herausforderungen, die sich in den Unternehmen ähneln werden: Corona, Schwierigkeiten in der Lieferkette, Rohstoffkrise, Krieg in der Ukraine, Energiekrise. Es ist von Vorteil, dass wir Teil einer großen Unternehmensgruppe sind, die im Notfall eingreifen kann – auch wenn wir das natürlich vermeiden wollen.

Welche Aufgabe haben Sie in Belgien, wo die Zentrale liegt?

Vanessa van Overmeeren: Der Produktionsbeginn war 2018. Ich bin erst Ende 2019 dazugekommen und seither dafür verantwortlich, den Produktionsplan für das Mittlere- und High-End-Segment zu entwickeln.

Welche Materialien verwenden Sie?

Zum einen das Econyl Garn, das bei der ‚Imperfection‘-Kollektion zum Einsatz kam. Es besteht aus zu 100 % aus recyceltem Material. Und für die Teppichfliesen-Kollektion ‚Immersion‘ verwenden wir das kohlenstoffnegative Nylongarn Thrive matter.

Gibt es weitere Anstrengungen, um nachhaltig zu produzieren?

In Sachen Energieeffizienz stehen wir schon gut da. Unsere Fabrik in Belgien wurde erst vor vier Jahren gebaut. Die Maschinen benötigen wenig Energie und fast kein Wasser. Wir müssen nicht färben und reduzieren das Aufkommen von Materialresten. Bald folgen Solarpaneele auf dem Dach. So gehen wir Schritt für Schritt.


Vanessa van Overmeeren

Die Textilingenieurin (Jg. 1979) studierte an der Hochschule in Gent Wirtschaftsingenieurwesen mit den Schwerpunkten Textilien und Chemie. Nach Stationen in der Entwicklung bei der Beaulieu International Group, Balta Group und Modulyss ist sie seit 2019 Produktchefin für Teppichfliesen bei IVC Commercial, seit August 2022 zudem Geschäftsführerin.

www.ivcgroup.com

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