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Hygge-Hype: Designrausch in Kopenhagen bei den Days of Design 2020

3 Days of Design 2020
Designrausch in Kopenhagen

Die erste große Designveranstaltung nach dem Corona-Lockdown zeigte, dass der Hygge-Hype unverändert anhält – jedenfalls, wenn es nach den Dänen geht. Und noch etwas kristallisierte sich in Kopenhagen heraus: Holz ist das Material der Stunde.

Autorin: Claudia Simone Hoff

Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, dass man auf Messen und Design Weeks Ausschau hielt nach neuen Möbeln, Leuchten, Textilien und Accessoires. 3 Days of Design in Kopenhagen fand tatsächlich vom 3. bis zum 5. September statt – mit rund 170 teilnehmenden Herstellern, darunter Kvadrat, Montana, Frederica Furniture, Vipp, Fritz Hansen und Hay.

Traditionell ein Schaulaufen der dänischen Designszene in den Showrooms der Stadt, hatten sich auch einige Labels aus dem Ausland dazugesellt, so wie Burel Factory aus Portugal, Axor/Hansgrohe aus Deutschland und Karimoku Kunst aus Japan.

Skandinavien trifft Japan

Apropos Japan: Das fernöstliche Land verbindet gestalterisch viel mit Skandinavien, insbesondere die Affinität zu reduzierten Formen und die Liebe zum Holz. Der japanische Möbelhersteller Karimoku hat mit Kunst by Karimoku vor einem Jahr eine neue Marke lanciert, die in Kopenhagen eine Möbelkollektion mit Sofa, Sessel, Stühlen, Hocker und (Beistell-)Tischen aus Wengen-, Walnuss- und Eichenholz vorstellte.

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Mit Karimoku Kunst hatte sich ein japanisches Label unter die Dänen gemischt. Es präsentierte Sessel, Sofas, Stühle und Tische aus Materialien wie Holz und Leder. Foto: © Karimoku Kunst

Handwerklicher Perfektionismus

Die Designer: das japanisch-dänische Studio Inoda & Sveje, das in Mailand ansässig ist. Die zeitlosen Stücke in organischer Form zeichnen sich durch einen handwerklichen Perfektionismus in der Holzbearbeitung aus, der typisch ist für Japan.

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Ihr Großvater sei ein Familienmensch gewesen, erzählte Sarah Moutouh. Nun hat die dänische Designerin einen Stuhl von Borge Mogensen für FDB Møbler überarbeitet, den sie als Kind im Haus ihrer Großeltern sah. ‚Skals‘ besteht zu 30 Prozent aus recyceltem Kunststoff und ist stapelbar. Foto: © FDB Møbler

Dazu gesellen sich Polster aus feinem Sørensen-Leder und Textilien von Kvadrat – eine ziemlich gelungene dänisch-japanische Allianz. Außerdem charakterisieren markante Details wie die stark verkürzten Stuhlarmlehnen die Kollektion.

Erfolg ohne Ecken und Kanten

Schaute man sich um in den Showrooms der Stadt, wurde eines schnell klar: Die Dänen setzen voll und ganz auf den Scandi-Look. Das heißt: Natürliche Materialien wie Holz, Leder, Messing und Glas treffen auf zurückhaltende Braun-, Beige- und Pastelltöne, nur gelegentlich durchbrochen von Schwarz oder Weiß.

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Die Hängeleuchte ‚Divan‘ von Lyfa wurde Anfang der Sechzigerjahre für das gleichnamige Restaurant im Vergnügungspark Tivoli entworfen – hier in der Ausführung in Messing. Foto: © Irina Boersma

Hygge-Hype hält an

Was zur Folge hat, dass man die Entwürfe der verschiedenen Hersteller kaum noch voneinander unterscheiden kann. Doch im Mainstream verkaufen sich Möbel, Leuchten und Accessoires im Hygge-Look extrem gut, was man am Erfolg von Labels wie Ferm Living sehen kann.

Konsensfähiger Komplett-Look

Gerade erst ist Gründerin Trine Andersen mit ihrem Unternehmen in ein riesiges Gebäude im Stadtteil Christianshavn gezogen. Im Showroom von Ferm Living lässt sich gut sehen, was den Siegeszug von Hygge erklärt: Die Produktpalette umfasst das ganze Haus – vom Wohnzimmer über die Küche bis zum Kinder- und Badezimmer – alles ist gestalterisch aufeinander abgestimmt.

Ecken, Kanten oder gar Brüche? Fehlanzeige!

Hygge-Hype, Days of Design, Kopenhagen
Der Showroom von Ferm Living befindet sich in einem ehemals militärisch genutzten, historischen Gebäude im Stadtteil Christianshavn. Foto: Ferm Living

Auf dem Holzweg

Während Labels wie Ferm Living auf einen konsensfähigen Komplett-Look setzen, gehen andere Hersteller bei der Produktentwicklung konzentrierter, teils auch gewagter vor. Die Überraschung: Gleich zwei Unternehmen sind ins Holzmöbel-Geschäft eingestiegen, die damit vorher nichts zu tun hatten.

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Vipp wagt sich was und zeigte in Kopenhagen seine erste Möbelkollektion aus massivem Holz: Stühle und Tische. Foto: © Vipp

Designstrategie für den Hygge-Markt

Besonders groß ist der Bruch zur bisherigen Designstrategie bei Vipp: Hatte sich der Hersteller in den letzten Jahren vom Metalltreteimer-Fabrikanten Richtung Vollsortiment mit Küchen, Leuchten und Accessoires aus Metall entwickelt, zeigte das Familienunternehmen im neu gestalteten Showroom erstmals eine Möbelkollektion aus massivem Holz.

Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, darf man vermuten, denn mit Edelstahl allein ist der lukrative Hygge-Markt nicht zu erobern.

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The House of Finn Juhl präsentierte im neuen Showroom in einem spektakulären Gebäude aus dem Ende des 19. Jahrhunderts die wiederaufgelegte 53er-Möbelserie von Finn Juhl – mit fein verarbeitetem Details. Die Holzkonstruktion wird in Japan hergestellt, die Polster in Dänemark. Foto: © The House of Finn Juhl

Skandinavisches Design

Holz spielt im skandinavischen Design seit jeher eine wichtige Rolle, schließlich ist man umgeben von dichten Wäldern. Dass Holz gerade jetzt omnipräsent ist, hat neben seinen ästhetischen, vor allem mit seinen haptischen Eigenschaften zu tun.

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Please Wait To Be Seated präsentierte mit ‚Crofton‘ von Daniel Schofield eine Kollektion von (Bar-)Hockern aus natürlichem und schwarz gebeiztem Kiefernholz in weich gezeichneter Form. Foto: © Please Wait To Be Seated

Digitalisierung sucht Berührung

In Zeiten allumfassender Digitalisierung dürsten wir geradezu nach Berührung, Unebenheiten und Wärme. Das hat auch Dinesen erkannt und setzt fortan nicht mehr nur auf Holzdielen, sondern auf Möbel aus Eichenholz und Douglasie.

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Nyhavn ist wohl einer der idyllischsten Orte in Kopenhagen. Hier gibt es Showrooms von Designlabeln wie Tine K Home und eine neue Fußgänger- und Fahrradbrücke führt hinüber nach Christianshavn mit den Headquartern von Louis Poulsen, Ferm Living und Stelton. Foto: © Claudia Simone Hoff

Von Kopenhagen nach Mailand

3 Days of Design ist eine stark auf dänische Hersteller fokussierte Veranstaltung. Schon allein deshalb bildet sie nicht komplett ab, wohin sich die Designbranche bewegt, welche Trends sich abzeichnen.

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Das Restaurant Alouette ist mit Möbeln von KBH Københavns Møbelsnedkeri ausgestattet, die in einer Tischlerei gleich nebenan gefertigt werden. Go local ist hier die Devise. Foto: KBH Københavns Møbelsnedkeri

In Zukunft nachhaltiger leben?

Vielleicht sehen wir Ende September deutlicher, wie die Corona-Pandemie das Wohnen verändert und welche Auswirkungen das Homeoffice auf die Einrichtung zuhause hat und ob wir in Zukunft nachhaltiger leben.

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In Zusammenarbeit mit der Dänischen Holz-und Möbelindustrie hatte das Designmagazin Ark Journal die Ausstellung „Material matters“ kuratiert. Im Fokus: Holz, das Lieblingsmaterial der Dänen. Foto: © Anne-Sophie Rosenvinge

Dann nämlich startet in Mailand die Veranstaltung Design City Milano, die wettmachen will, was mit dem Ausfall von Salone del Mobile und Fuori Salone verloren ging.

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