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Vertrauenssache

Bei vielfältigen Arbeitszeitmodellen kommt es auf Eigenverantwortung an
Vertrauenssache

Flexible Arbeitszeitmodelle versprechen größere Zufriedenheit, Produktivität sowie eine bessere Work-Life-Balance. Damit sich die Bedürfnisse von Mitarbeitern und Firmen erfüllen lassen, sind Eigenverantwortung und Vertrauen notwendig.

Nadia Hamdan

Wissensarbeit, internationaler Austausch, Digitalisierung, hochqualifizierte Mitarbeiter, die Familie und Beruf unter einen Hut bekommen möchten – all das erlaubt es heute kaum mehr, am klassischen Acht-Stunden-Tag festzuhalten. Dem aktuellen Arbeitszeitreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA) zufolge können bereits 38 Prozent der Beschäftigten Arbeitszeit und -ort flexibel wählen. Das geht allerdings mit mehr Arbeit einher: Durchschnittlich arbeiten die „Flexiblen“ mit 43,5 Wochenstunden rund fünf Stunden länger als vertraglich vereinbart. Erklären lässt sich das jedoch auch damit, dass Mitarbeiter, denen viel Eigenverantwortung und Vertrauen entgegengebracht wird, gern arbeiten.
Denn flexible Arbeitszeitmodelle gehen oft mit einer Unternehmenskultur einher, die Kinderbetreuung, Sport- und Gesundheitsangebote sowie ein offenes Arbeitsumfeld anbietet – und vor allem einen hohen Vertrauensvorschuss gewährt. Ein Beispiel für eine solche Unternehmenskultur ist Vodafone in Düsseldorf. Ob zu Hause, unterwegs oder im Büro gearbeitet wird, spielt dort eine untergeordnete Rolle – die Ergebnisse zählen. „Manche benötigen die Ruhe im Home Office, andere sind im Team am kreativsten oder brauchen den steten Austausch mit Kollegen“, sagt Vodafone-Pressesprecherin Tanja Vogt. Überdies gibt es Teilzeitangebote – auch für Führungskräfte.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die Mitarbeiter ständig erreichbar sein müssen. „Wer engagiert arbeitet, braucht Ruhezeiten“, betont Vogt. So wird bei Vodafone gezielt empfohlen, die Dienstgeräte am Feierabend auszuschalten. Viele mussten das erst lernen, andere arbeiten lieber gleich im Büro und nutzen das Gleitzeitangebot – das sich allerdings bei Vodafone als überholt herausgestellt hat. „Die Präsenzkultur ist nicht mehr zeitgemäß“, stellt Vogt fest. Das flexible Arbeiten werde aktuell von rund 70 Prozent der 5 000 Mitarbeiter am Düsseldorfer Campus genutzt und wirke sich nachgewiesen positiv auf die Zufriedenheit und Produktivität der Mitarbeiter aus.
Dass Unternehmen, die ihren Beschäftigten die Entscheidung, wo und wann sie arbeiten, weitgehend selbst überlassen, nur gewinnen können, zeigt auch der Arbeitszeitreport der BauA: Wer seine Arbeitszeit selbst beeinflussen kann, berichtet über eine bessere Work-Life-Balance und einen besseren Gesundheitszustand. Und das wiederum bindet die Mitarbeiter an das Unternehmen.
Davon geht auch das forschende Pharmaunternehmen Mundipharma in Limburg aus, das mehr als 100 individuelle Arbeitszeitvarianten anbietet: Teilzeit, Elternzeitmodelle, nach Absprache frei wählbare Home-Office-Tage und Vertrauensarbeitszeit. Angebote wie diese machen Mundipharma zu einem beliebten Arbeitgeber weit über die Region hinaus. „Unser Einzugsgebiet ist sehr groß und das Home-Office-Angebot vor allem für Pendler attraktiv“, betont Pressesprecherin Felicitas Speranza.
Auch in Limburg bestimmt Vertrauen die Unternehmenskultur – andernfalls wären individuelle Lösungen kaum möglich. „Der Vertrauensvorschuss der Vorgesetzten ist groß. Wichtig ist nur, darauf zu achten, dass keine Schieflage im Team entsteht, etwa wenn jemand aufgrund ständiger Home-Office-Tätigkeit keine Dienstreisen unternehmen kann oder möchte“, sagt Speranza.
Damit eine solche Schieflage nicht entsteht, aber auch, um nicht Gefahr zu laufen, bei der Arbeit kein Ende zu finden, ist eine hohe Eigenverantwortung der Mitarbeiter und die Unterstützung der Vorgesetzten nötig. Das unterstreicht Andrea Niehus, Global-Diversity-&-Inclusion-Managerin bei Henkel. „Flexibilisierung darf nicht zu permanenter Erreichbarkeit führen. Es liegt in der Verantwortung der Mitarbeiter, in welchem Umfang sie ihre mobilen Geräte nutzen. Unsere Beschäftigten sind dazu angehalten, verantwortungsbewusst mit mobiler Kommunikation umzugehen, insbesondere an Wochenenden und an Feiertagen. Führungskräfte müssen das unterstützen.“
Auch bei Henkel tritt anstelle der Präsenz- eine Leistungskultur. „Die Fähigkeiten und Talente unserer Mitarbeiter lassen sich nur dann optimal nutzen, wenn sie die Herausforderungen von Berufs- und Privatleben erfolgreich meistern können. Wichtiger als Arbeitszeit und -ort sind uns Ergebnisse – dies ist die Voraussetzung für Erfolg und Motivation“, sagt Niehus.
Die Balance zwischen Berufs- und Privatleben gelingt hierzulande offenbar bereits gut: Rund 80 Prozent der von der BauA Befragten arbeiten zwischen 8 und 17 Uhr und sind mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden. Wer häufig außerhalb dieser Zeiten arbeitet und zudem noch ständig erreichbar sein soll, ist tendenziell unzufriedener und ungesünder – was letztendlich auch dem Unternehmen schadet.
Ein flexibles, auf Vertrauen basierendes Arbeitsumfeld bietet dagegen die Chance, qualifizierte Fachkräfte zu akquirieren und an sich zu binden. Das trägt dazu bei, wichtiges Wissen im Unternehmen zu halten, um im Wettbewerb um die besten Köpfe zu bestehen.
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