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Labor für Leute mit Pioniergeist

Im Innovation Center von Merck probieren Projektteams neue Arbeitsformen aus
Labor für Leute mit Pioniergeist

Beim Erproben von Raumgestaltungen bewahren die Nutzer des modularen Innovation Center die Flexibilität, Dinge zu verändern. Das ist wichtig, weil das künftige Innovation Center zehnmal so groß sein wird wie das modulare.

Gabriele Benitz

Der in den Bereichen Healthcare, Life Science und Perfomance Materials tätige Wissenschafts- und Technologiekonzern Merck schlägt neue Wege ein, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dazu gehört, dass er unter dem Motto „ONE Global Headquarters“ den Standort Darmstadt zur weltweiten Konzernzentrale weiterentwickeln will. Das ist Teil des konzernweiten Transformations- und Wachstumsprogramms „Fit für 2018“, das Merck effizienter und innovationsfreudiger machen soll. Die Zeitschiene bis 2018 kommt nicht von ungefähr. Dann besteht der Konzern 350 Jahre und ist damit nach eigenem Bekunden das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt.
Bis 2020 investiert der global agierende Konzern insgesamt rund eine Milliarde Euro in seinen Stammsitz. Die Beweggründe für den Wandel sind auf der Homepage nachzulesen: „Im Kern geht es uns dabei um Offenheit, Transparenz, die Veränderung von Strukturen und die Anpassung von Arbeitsabläufen. Dazu zählen auch bauliche Veränderungen, durch die sich der Standort offener nach außen präsentieren soll.“
Teil des architektonischen Masterplans ist das Innovationszentrum mit angeschlossenem Mitarbeiterrestaurant. Es soll Ende 2017 fertig sein und fünf Geschosse umfassen. Dabei geht es um mehr als ein neues Gebäude: Es soll die räumlichen Bedingungen für kooperative Arbeitsformen liefern, um Produkte schneller entwickeln zu können.
Offenheit ist dabei Programm. Im Innovation Center kommen Merck-Mitar-beiter mit Innovatoren, Gründern und Visionären verschiedener Disziplinen zusammen. Die damit verbundenen Erwartungen konkretisiert Unternehmenssprecherin Leonie Prigge: „Indem wir Bereiche und Themen – zum Beispiel Healthcare und IT – miteinander verbinden, möchten wir unser Innovationspotenzial noch stärker ausschöpfen und Mitarbeitern die Arbeitsumgebung und den Freiraum geben, den sie brauchen, um ihre Ideen zu realisieren.“
Um das in kleinerem Maßstab auszuprobieren, entstand im Vorfeld ein modulares Innovationszentrum mit angeschlossenem Konferenzbereich. Wenn das künftige Innovationszentrum fertig ist, erfährt der Vorläufer eine neue Verwendung – als Besucher-Empfangs-gebäude für das Werk Darmstadt mitsamt Meeting-Räumen. „Wir haben uns bewusst für einen ,Early Proto-typing‘-Ansatz entschieden, um sicher zu gehen, dass wir das Richtige tun“, erläutert Leonie Prigge.
Die festen Mitarbeiter stellen Begegnungen zwischen den temporären Arbeitsgruppen sowie Experten her und unterstützen die Projekte. In einer Unternehmensbroschüre heißt es dazu: „Sie bringen die besten internen und externen Talente zusammen und entwickeln Formate, in denen der Austausch von Wissen und die Entwicklung von Ideen am besten funktionieren.“ Seit Mitte 2015 arbeiten dort interdisziplinäre Teams an verschiedenen Innovationsprojekten über Abteilungs- und Standortgrenzen hinweg.
Dabei unterstützen verschiedene Plattformen den Austausch. Dazu zählen die Merck Ideation Platform, eine Web-Plattform zum Teilen, Kommentieren und Bewerten von Ideen; zudem das Virtual Innovation Center zur virtuellen Erweiterung des physischen Gebäudes sowie Networking-Veranstaltungen zu unterschiedlichen Innovationsthemen wie das „Innovation Meet-Up“.
Der Bau selbst soll die neuen Formen kreativen Austauschs unterstützen. Dazu trägt die offene Architektur mit ihren großzügigen, frei gestaltbaren Flächen bei. Bereiche wie die Empfangs- und Wartezone sowie der sogenannte Co-Creation Space im Erdgeschoss des zweistöckigen Baus stehen allen Merck-Mitarbeitern und Gästen offen. „Wir können hier zum Beispiel testen, welche Prozesse nötig sind, um unsere Projektteams optimal zu unterstützen“, sagt Michael Gamber, Leiter des modularen Innovationszentrums.
Doch es geht nicht allein um Prozesse, sondern auch die Ausstattung des Gebäudes soll zu neuen Arbeitsweisen beitragen. „Indem wir ausprobieren, welche Möbel und Raumgestaltungen zielführend sind, um eine kreative und produktive Arbeitsumgebung herzustellen, bewahren wir uns die Flexibilität, Dinge zu verändern, wenn sie sich als nicht sinnvoll herausstellen“, führt Gamber aus. „Das ist wichtig, weil das künftige Innovation Center zehnmal so groß sein wird wie das modulare.“
Rasche Erfahrungen gefragt
Um schnell Erfahrungen machen zu können, entschied man sich für ein Gebäude, das sich aus 75 Modulen zusammensetzt. Mit dem Bau, der ebenso wie das endgültige Innovationszentrum vom Münchener Architekturbüro Henn geplant wurde, begann man im September 2014. Die gesamte Grundfläche umfasst rund 4 000 Quadratmeter, die sich auf zwei Stockwerke verteilen. Dabei wurden die Module nicht einfach aufeinandergestapelt, sondern teils gegeneinander versetzt, etwa der Baukörper des ersten Stockwerks gegen das Erdgeschoss.
Das Erdgeschoss des südlichen Gebäudeteils nimmt den Co-Creation Space mit Café-Zone, einen Bereich für kooperatives Arbeiten mit externen Partnern, eine Bibliothek und einen Besprechungsraum auf. Darauf befindet sich eine Dachterrasse. Das Erdgeschoss des östlichen Teils bietet Platz für eine Projektfläche, Besprechungsräume und die Arbeitsplätze des Kernteams. Im ersten Stock sind eine weitere Projektfläche sowie Besprechungsräume angesiedelt. Der beide Bauteile verbindende Eingangsbereich beherbergt auch eine große Videowand, die Besucher gleich zu Beginn mit vielen Informationen versorgt.
Der nördliche Flügel nimmt das Konferenzzentrum auf. Darüber liegt ein Riegel des ersten Stocks, dessen breite Fensterfront auffällt. Eine Flüssigkristallschicht in den Fenstern sorgt dafür, dass sie je nach Tageszeit und Lichteinfall transparenter oder dunkler werden.
Flüssigkristalle von Merck bilden auch die Basis des Touchscreen-TV-Displays im Foyer. „Hier können bis zu drei Personen gleichzeitig arbeiten und Informationen abrufen“, betont Gamber. Das Experimentieren mit neuen Technologien setzt sich im Wartebereich des Besucherempfangs fort: OLED-Leuchten in Kugelform und offene OLED-Kacheln an der Decke erzeugen dort schillernde Lichtstimmungen.
Der Co-Creation Space steht den Teams vor Ort, Merck-Mitarbeitern und Gästen offen. „Um möglichst viele Gelegenheiten für den Austausch zu schaffen, finden regelmäßig Meet-Ups statt und es gibt jede Woche einen Innovation Lunch. Auch ein Treffen an der Kaffeebar fördert manche Diskussion“, erzählt der Leiter des Zentrums.
Rückzug in Besprechungsraum
Auf der übrigen Fläche sind Stühle, Tische, Hocker, Sideboards mit Polstern und Sofas verteilt. Bedarfsweise können die Möbel hin und her gerollt und neu angeordnet werden. Auf verschiebbaren, magnetischen Wänden, die auch als Blend- und Schallschutz dienen, lassen sich kreative Ideen festhalten. Akustisch wirken zudem die Schallmodule und Leuchten an den Decken.
Braucht ein Team Ruhe, kann es sich in den Konferenzraum zurückziehen. Auf Knopfdruck wechseln die Wände aus elektrochromem Glas von transparent zu opak. Dann dienen sie überdies als Projektionswände.
Das Obergeschoss birgt die eigentliche Projektfläche mit mobilen Möbeln. Smart Boards, auf die Mitarbeiter verschiedener Standorte elektronisch zugreifen können, gibt es dort ebenso wie iPads auf einer Art Segway, die sich über das Internet steuern lassen. Telefonboxen aus Filz, Think Tanks mit beschreibbaren Wänden sowie Projektoren stehen ebenfalls zur Verfügung.
Auch wenn sensible Bereiche durch Zutrittskontrollen geschützt sind, soll das, was im Gebäude passiert, nicht im Verborgenen bleiben. „Einmal im Monat laden wir interessierte Mitarbeiter zu Meet-Ups im Innovationszentrum ein“, berichtet Gamber. Über die externen Präsentationen zu bestimmten Themen hinaus bliebe noch viel Zeit fürs Knüpfen von Netzwerken.
Daraus entwickelten sich bereits Schneeballeffekte. So berichtet Leonie Prigge: „Wir stellen fest, dass der Bau des Innovation Center einen Wandel ausgelöst hat, der wahrscheinlich ohne das Projekt in dieser Form nicht stattgefunden hätte. Die hier gewonnenen Ansätze und Ideen werden an anderen Stellen im Unternehmen aufgegriffen. So verbreiten sie sich weiter.“
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