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Der mit dem richtigen Riecher

Willi Bruckbauer von Bora im Portrait

Willi Bruckbauer setzte auf eine geniale Idee – und revolutionierte den Küchenmarkt. Mit seiner Firma Bora ist er der Innovationsführer für Kochfeldabzüge. md vor Ort im oberbayerischen Raubling.

Autor Oliver Herwig

Federnder Gang, fester Händedruck, entspanntes Lächeln. So also tritt ein Mensch auf, der nur ungerne verliert, wie er selbst sagt. Der es schon als Kind nicht konnte beim Monopoly und der beinahe Radrennprofi geworden wäre.

Willi Bruckbauer ist kein Manager im Dreiteiler, der 53-Jährige mit dem rasierten Schädel wirkt wie jemand, der mal eben von einer Radetappe vorbeischaut, sondiert und dann weitersprintet. Eigentlich wollte der gelernte Schreiner nur schöne Küchen bauen. Sagt Bruckbauer, Alleininhaber von Bora, einer Firma, die mit Kochfeldabzügen die Küchenindustrie revolutionierte.

Doch dann kam ihm eine geniale Idee dazwischen: Warum Dampf und Geruch nicht einfach dort wegsaugen, wo sie entstehen – auf dem Herd – und nicht umständlich und laut über Abzugshauben? Aus der Geschäftsidee wuchs in den letzten zwölf Jahren ein weltweit erfolgreiches Unternehmen im Premiumsegment. „Am Anfang war es schon schwierig“, gibt der Oberbayer zu. „Es hat ja keiner daran geglaubt. Und der Wettbewerb hat am schlimmsten gepoltert. Sie haben uns alle nur ausgelacht, jahrelang bekämpft und jetzt werden wir kopiert.“ Willi Bruckbauer macht eine winzige Pause. „Das ist schon eine Bestätigung, dass wir einiges richtig gemacht haben. Das treibt mich an, das macht mir Spaß.“

Willi Bruckbauer setzte auf eine geniale Idee – und revolutionierte den Küchenmarkt. Mit seiner Firma Bora ist er der Innovationsführer für Kochfeldabzüge.
Bora profitiert vom Aufstieg der Küchenkultur. Über dem frei stehenden Küchenblock fehlt doch was? Nein, der Abzug ist direkt in den Herd integriert. Foto: © Lindau + Kindelbacher, Ortwin Klipp

Eine geniale Idee

Technik ran, Geruch runter, Erfolg rauf? Wenn es denn so einfach wäre. Um eine weltweit erfolgreiche Firma aufzubauen, brauchte es schon 2007 mehr als eine gute Idee. Bruckbauer hatte den richtigen Riecher, den Willen und das Selbstbewusstsein, es durchzuziehen. Der Schreiner in der siebten Generation und begeisterte Hobbykoch suchte und fand die richtigen Partner: zum Beispiel die Gronbach Inventive Sales und Marketing GmbH Co.KG im österreichischen Niederndorf, die bis heute für Bora produziert. Und den Markenfachmann Hansgeorg Derks, ehemaliger Geschäftsführer von Bulthaup und heute Inhaber einer Beratungsgesellschaft in München. Willi Bruckbauer ist begeisterter Teamplayer, das hat er als Sportler gelernt: Für einen „dauerhaften Erfolg ist ein starkes Team unerlässlich.“

Bora ist gerade eine Riesenbaustelle. Das Verwaltungshaus wird aufgestockt, ein riesiges, stählernes Flugdach gibt dem Bau den gewissen Kick.

Bruckbauers Büro im achten Stock ist gepflastert mit allen möglichen Fahrrad-Devotionalien. Bis heute prägt der Sport sein Weltbild: Durchhalten, weitermachen, aus Fehlern schnell lernen und sie nie öfter als ein einziges Mal machen. „Im Beruf ist es viel leichter Erfolg zu haben, als im Radsport“, sagt Willi Bruckbauer. „Dort ist der Wettbewerb viel höher.“ Viel höher jedenfalls geht es im oberbayerischen Raubling nicht.

Von seinem Büro aus hat der Chef alles im Blick. Unten, gegenüber der Durchgangsstraße, steht der ellipsenförmige Bau seines im Jahr 2000 eröffneten „Werkhauses“ – ein exklusives Küchenstudio mit Shop-im-Shop-Prinzip – Bruckbauers erster Schritt als Unternehmer. Links das Büro von Ralph Denk, Team-Manager des Fahrradstalls Bora Hansgrohe. Rechts die Berge des Chiemgaus und das nur wenige Kilometer entfernte nagelneue Technologie- und Entwicklungszentrum in Niederndorf am Inn, wo an der Zukunft von Bora geforscht wird.

Willi Bruckbauer ist schneller als die Mitbewerber

Das Haus in Niederndorf wurde 2018 eingeweiht. Hier arbeiten Entwicklung, Vertrieb und Marketing Tür an Tür. Vor drei Jahren hatte Bora noch 13 Ingenieure in der Entwicklung. Doch es sollte schneller gehen mit neuen Produkten und verbesserten Technologien. Also sprach Willi Bruckbauer mit Siegfried Gössler, Leiter Technik und Entwicklung und wie er selbst, Perfektionist und Hobby-Radsportler. Sie verdoppelten kurzerhand die Zahl der Ingenieure. „2017 hatten wir also 25 Ingenieure“, erinnert sich Bruckbauer, „das war uns immer noch zu langsam, es blieben immer noch genug Ideen liegen.“

Also entschieden sie, die die Zahl nochmals zu verdoppeln, auf nunmehr 50. „Sie werden nur Lüftungen und Kochfelder entwickeln, die nach unten absaugen“, bekräftigt der Gründer. „Wir schauen nicht auf die Seite, wir schauen nach vorne.“ Oder sollte man sagen: Nach unten? Wobei für Bruckbauer unten zugleich heißt: nach oben. Der Oberbayer, 2010 ausgezeichnet mit dem Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Start-up, hat aus der Nische einen Markt gemacht.

Noch 2015 kannten nur 0,7 Prozent der Deutschen die Firma, zwei Jahre später waren es schon 8,8 Prozent. Aktuelle Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK): 37 Prozent. Als Vergleich: Gerade 85 Prozent kennen Miele, im Vergleich zum oberbayerischen Hersteller ein Gigant.

Wachsen im Premiumsegment

Inzwischen arbeiten rund 200 Mitarbeiter für Bora. Man ist in fast 60 Ländern tätig und immer noch zu 100 Prozent inhabergeführt und eigenfinanziert. Der Umsatz, deutete der Chef in einem Interview mit der Zeitschrift „Capital“ an, liege bei „deutlich mehr“ als 20 Mio. Euro. Was treibt ihn also noch an? Mehr Umsatz, mehr und neue Entwicklungen, mehr Länder? „Wollen wir nun wachsen, oder müssen wir wachsen?“, war die große Frage bei einem der letzten Strategietreffen im kleinen Kreis. „Wir haben uns für die spannendere Variante entschieden: Wir wollen wachsen und jedermann Premium ermöglichen“, lacht ein sichtlich tatenhungriger Willi Bruckbauer.

Und stellt klar: „Ich bin nicht monetär getrieben. Es macht aber Spaß, diese Technik den Menschen zu vermitteln und ein neues Design in die Häuser zu bringen, Wenn ich merke, dass es Früchte trägt, gehe ich schon glücklich ins Bett.“ Man nimmt es ihm sofort ab. Bruckbauer wirkt noch immer so begeistert wie am Anfang, als er, „getrieben vom Ehrgeiz der Optimierung und um Kundenwünschen besser gerecht zu werden, auf eigene Faust zu tüfteln“ begann. So jedenfalls steht es in einer der jüngsten Pressemitteilungen des Unternehmens.

Evolution statt Revolution

Alles begann damit, dass der Schreiner mit eigenem Küchenstudio es leid war, Dunstabzugshauben auf eigene Kosten zu optimieren, sprich leiser und effizienter zu machen. Daher reichte der gebürtige Rosenheimer am 10. Januar 2007 den Patentantrag ein. Die Grundidee: Statt Küchendünste über eine Abzugshaube umständlich nach oben zu entlüften, gleich dort absaugen, wo sie entstehen – und zwar am Herd. Geradewegs nach unten.

Willi Bruckbauer setzte auf eine geniale Idee – und revolutionierte den Küchenmarkt. Mit seiner Firma Bora ist er der Innovationsführer für Kochfeldabzüge.
Der Abzug bleibt auch bei hohen Leistugsstufen geräuscharm. Foto: © Bora

Das vermeidet Druckverluste, wie sie bei anderen Geräten durch Winkel im Strömungskanal entstehen. Das Ganze ist kompakt, effektiv und schön. Bora Basic verbindet sogar Kochen und Dunstabzug direkt. Schwaden verschwinden durch eine Einströmöffnung mitten im Kochfeld. Einfacher geht es kaum mehr. Oder vielleicht doch?

Auch nach fünf deutschen Patenten rund um Kochfeldabzüge hat Willi Bruckbauer noch Ideen für seine vier Produktlinien Professional, Basic, Classic und Pure. Neuerdings lässt sich der Filter von oben tauschen, was so noch nie gemacht wurde. Ein beweglicher Aktivkohlefilter. Ein weiterer Schritt. „Bei Kochfeldabzügen wird es keine Revolution mehr geben. Nur noch eine Weiterentwicklung.“ Klingt fast etwas seltsam für einen Mann, der die Küche auf den Kopf gestellt hat und völlig neue Wege beschritt. Dabei besteht nach wie vor „hohe Bereitschaft, in technische Konsumgüter zu investieren“, meldete die GfK im August 2018. Insbesondere betroffen: Das Premiumsegment, getrieben durch Innovationen.

Wachstumsmarkt Kochfeld

„Besonders wichtige Wertschöpfungsfaktoren sind Kochfelder mit integriertem Dunstabzug, die einen durchschnittlichen Verkaufspreis von über 2 500 Euro haben. Sie trugen zu einem starken Umsatzanstieg von mehr als 50 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2018 bei. In Deutschland war bei Kochfeldern mit integriertem Dunstabzug ein weiteres Wachstum um 36 Prozent zu verzeichnen, was bereits ein Viertel des Gesamtumsatzes für Einbaukochfelder ausmacht“, sagt der GfK-Bericht, veröffentlicht am 29. August 2018.

In Niederndorf gibt es nicht nur eine kostenlose Salatbar für die Mitarbeiter und einen Fitnessraum, hier wird auch Bora gefertigt, zumindest große Teile der Küchenfelder mit Dunstabzug. Genau gegenüber der Entwicklungsabteilung liegt die lichte Werkshalle der Firma Gronbach. Aus Luftführungsspiralgehäusen, Kabelanschlussdosen und viel Elektronik fügt ein Dutzend Frauen und Männer jeweils neue Modelle.

Willi Bruckbauer setzte auf eine geniale Idee – und revolutionierte den Küchenmarkt. Mit seiner Firma Bora ist er der Innovationsführer für Kochfeldabzüge.
Rigorose Qualitätskontrolle und ständige Forschung stecken hinter dem Bora-Erfolg. Foto: © Bora

Mit viel Geschick fädelt eine Mitarbeiterin einen Kabelstrang ein. „Das könnte kein Roboter“, sagt der stellvertretende Werksleiter Roland Fischer. Die Mitarbeiterin arbeitet konzentriert weiter. Kollege Computer prüft. Eben hat die Kamera eine Abweichung von der Norm entdeckt und das fast fertige Teil wird wieder ausgespuckt.

Qualitätsfertigung

„Das kann etwas Kleines sein“, sagt Fischer, „manchmal reflektiert sogar Aluminium unterschiedlich und wird als Abweichung erkannt.“ Ein Arbeiter wirft ein kritisches Auge auf den Prüfling und schiebt ihn nochmals unter das Kontrollauge. „Manchmal macht sogar die Kamera Fehler“, so Fischer. „Daher lassen wir es nochmals durchlaufen.“ Tatsächlich. Jetzt passt alles. Der Mitarbeiter montiert das Kochfeld und misst mit dem Flowmeter den Luftstrom. Alles im Lot. Das ist Qualitätsfertigung statt Billigeinkauf – rund doppelt so teuer wie in Fernost, gab Bruckbauer einmal gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ zu, aber eben stimmig zur Marke.

Der Firmeninhaber hat ein Gespür für die Wünsche seiner Kunden. Und ein Faible für Design. „Ich tue mich leichter mit schönen Produkten. Das spürt man, dass der neue Messeauftritt stimmt, die CI, die Architektur und die Produkte.“ So hat er die Markenentwicklung recht hoch gehängt. Was bleibt noch zu tun? Eine Tochter könnte einsteigen. Sie ist studierte Maschinenbauerin und Designerin.

Eine ideale Kombination. Und was macht der 53-Jährige? Ein Austragshäuserl passt nicht zu dem umtriebigen Menschen. Eher neue Aufgaben. Business-Angel könnte sich Bruckbauer vorstellen. Irgendwann, wenn das Unternehmen autark sei und ihn nicht mehr brauche. Irgendwann? „Auch das ist mein Job. Ganz klar, dass der Weitergang des Betriebs geregelt ist, wenn ich morgen nicht mehr da sein sollte oder in ein paar Jahren. Dann sollte es weiterlaufen.“ So klingt ein Teamplayer, der auf die Mannschaft setzt.

Weitere Macher, die die Designwelt bereichern

BORA Vertriebs GmbH & Co KG

Innstraße 1, A-6342 Niederndorf

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