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Alexander Seifried über seine Firma UnternehmenForm

"Ich denke mit den Händen“
Alexander Seifried

Mit jeder Faser strahlt der Unternehmer und Designer aus, worum ihn viele beneiden dürften: Alexander Seifried hat Bock auf seine Arbeit. Gute Gestaltung ist sein Antrieb, doch dogmatisch ist er nicht.

Autorin Katharina Feuer

Einen Interviewtermin in der Woche vor der Orgatec anzufragen, scheint sportlich, aber nicht aussichtslos. Alexander Seifried meldet sich per Mail mit der kurzen Information zurück, genau jetzt habe er gerade etwas Luft. Wunderbar!

Der gelernte Schreiner ist Gründer, Geschäftsführer und Kreativdirektor von Unternehmen Form (UF). Das Stuttgarter Unternehmen hat sich im Laufe der Jahre zu einem Universum rund um das Thema Holz entwickelt: Produkte für eine nachhaltige Arbeitswelt. Holz war Seifrieds Ausgangsmaterial und spielt bis heute eine tragende Rolle beim Design in seinem Unternehmen, für die UF-Kollektion und die maßgefertigten Entwürfe für Kunden im Objekt. Um die Unternehmensphilosophie zu verstehen, hilft ein Blick in die Vergangenheit.

Eine harte Zäsur

Alexander Seifried lernte Schreiner und war ehrgeizig. So wurmte ihn der zweite Platz bei einem Wettbewerb der Schreinerinnung. Viel einschneidender war allerdings ein Unfall, in dessen Folge er seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. Eine harte Zäsur. Mit Anfang 20 musste er seinen Traumberuf schon wieder an den Nagel hängen und überlegen, wie es weitergehen sollte.

Seifried geht nach Stuttgart und beginnt eine Ausbildung bei 3F Design im Bereich Interiordesign und Möbelgestaltung. Eckhard Renz wird für die nächsten drei Jahre sein Mentor, sein Lehrer, sein Kompass.

Es ist auch eine kaufmännische Ausbildung, aber Seifried ist von Anfang an bei Kunden dabei und darf schnell Innenarchitekturprojekte koordinieren. „Eckhard Renz hat mich ins kalte Wasser geworfen.“ So lernt Seifried Konzepte zu entwickeln. Drei Jahre saugt er alles auf wie ein Schwamm. Dann endet auch diese Zeit: „Eckhard Renz und Helga Renz-Kramer gingen in Rente. Und ich musste mir wieder überlegen, wie ich weiter vorgehe.“

Warum kam für ihn nie ein Studium in Frage? „Ich hatte bereits gearbeitet und mochte den Job. Ich bin nicht gut im Sitzen und Lesen. Ich denke mit den Händen.“ Alexander Seifried braucht niemanden, der ihm sagt, was er tun soll. Er ist der Typ „trial and error“. „Ich muss Dinge ausprobieren.“

„Ich denke mit den Händen“

Also gründet er 1999 sein Unternehmen Unternehmen Form, zwei Jahre später steht seine erste eigene Kollektion, die er in seiner Lehrwerkstatt produzieren lässt. Und es funktioniert. Seither hat der Allrounder Entwürfe für Richard Lampert, Magazin, Frau Maier und Elmar Flötotto entwickelt. Bis auf einen Dämpfer nach 9/11 geht es bergauf für Unternehmen Form.

„Wir sind keine Innenarchitekten. Das wissen wir und das wollen wir auch gar nicht sein, obwohl eine inhaltliche Schnittmenge vorhanden ist. Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, sondern als Unterstützung. Immer wenn es um Möbel geht, sind wir am Start!“ Die Idee, eine eigene Kollektion auf den Markt zu bringen, ist in der Pandemie entstanden. Die Produkte sind ein Ergebnis aus den Anforderungen des Handels und der Nutzer. „Jedes Produkt hat eine Bedeutung.“

Seifried trifft sich zudem mit Nils Holger Moormann im Schrebergarten. Ein informelles Treffen, bei dem er den Designer und Möbelproduzenten um seine Meinung bittet. „Man kann‘s gebrauchen.“ Ein Lob, das ihn anspornt. Mittlerweile dient die UF-Kollektion als Standard für maximale Flexibilität und agile Arbeitsweisen. So kann sein Team auf schwierige räumliche Begebenheiten reagieren, wo andere Standardmöbel an ihre Grenzen stoßen. Seine Produkte sind individuell anpassbar. „Ich habe schon immer Sonderentwürfe gemacht.“

„Die Kollektion ist unser Kern“

Die Kollektion ist das wichtigste Standbein von UF geworden, ergänzt durch die Handelsware namhafter Produzenten. Mehrere mittelständische Unternehmen in Süddeutschland produzieren die Möbel. Er kennt die lokalen Produktionsstätten alle, natürlich. Und er kennt die Maschinen, die ihm zur Realisierung der Entwürfe zur Verfügung stehen. „Entsprechend entwerfen wir. Es ist ein enger, wertschätzender Austausch.“ Ein kleiner Betrieb in Nagold näht die Polsterteile. Früher arbeitete dieser für Rolf Benz. „Diese Kapazitäten haben wir für uns gebucht. Das schreiben wir uns auf die Fahne: Lokale Produktion. Kurze Wege. Faire Konditionen.“

Mit diesem Selbstverständnis lässt sich wohl Seifrieds Einstellung auch zum Thema Nachhaltigkeit erklären. „Mir geht es um ein verantwortungsvolles Handeln.“ Weniger plakativ und auch ohne Zertifikate und Labels versucht er seit jeher vernünftig, nachhaltig und ressourcenschonend mit Materialien umzugehen. Eine stete Herausforderung ist, wie klein eine Struktur sein kann, um am Markt zu bestehen. In bestimmten Bereichen müsse man in die serielle Fertigung gehen, um wirtschaftlich zu sein.

Alle verwendeten Materialien kommen aus Deutschland, außer mancher Kleinteile und Schrauben. Apropos Schrauben. Beim Regalsystem ‚Bool‘ kommt nur eine Schraubengröße zum Einsatz, nur ein Inbusschlüssel wird benötigt. Die Verbindung bleibt offensichtlich. Eine bewusste Haltung: „Wir wollen transparent sein!“

Im Sinne einer Kreislauffähigkeit sind alle Teile sortenrein trennbar: Holz, Metall und Kunststoff. Selbst die Polster können ausgetauscht oder neu bezogen werden. „Unsere Produkte sind es Wert, gepflegt zu werden.“ Ein weiteres Angebot: Möbel, die nicht mehr gebraucht werden, kauft UF für den Nennwert zurück. „Wir kennen unsere Produkte so gut, dass wir die Teile wiederverwenden können.“

Ein Risiko für alle

Woher kommen die Kunden? Während früher der Endverbraucher im Fokus stand, sind es jetzt oft größere Unternehmen und Bauherren, die die Produkte ohne Schnörkel wählen. Der einzelne Entwurf erhält keinen Designernamen, alles kommt aus dem UF-Studio. Es zeigt wiederum, wie offen Alexander Seifried ist, ein absoluter Teammensch. „Alle, die hier arbeiten, bringen sich mit ihrer Meinung ein. Wenn ich sie bei Entscheidungen mit ins Boot nehme, habe ich auch eine entsprechende Firmenkultur. Ich nehme mich als Teil des Teams wahr.“

Manchmal gebe er die Richtung vor, sei Wegweiser. Aber auch die Entscheidung, auf die Messe zu gehen, fiel gemeinschaftlich. „Das haben wir gemeinsam diskutiert, auch was das in der Konsequenz für uns alle bedeutet.“ Es ist für sie ein gewisses Risiko.

Perspektivwechsel

Zum Zeitpunkt des Interviews sind es nur noch wenige Tage bis zur Orgatec. Unternehmen Form hat sich mit der Leuchtenfirma Midgard einen Stand auf einer Fläche von 40 m² geteilt. „Ich bin gespannt. Bisher kenne ich nur die Seite als Messebesucher. Mal sehen, wie es sich anfühlt, auszustellen. Es ist ein Perspektivwechsel und ich erhoffe mir viele gute Kontakte.“

Alexander Seifried will mit seinen Möbeln überraschen und relevant sein. Standards setzen. Das ist ihm lieber, als der glatt gebügelte Einheitsbrei, der nichts mehr übrig lässt, woran man sich reiben könnte. Dazu fällt ihm ein Zitat des Professors seiner Frau ein, das ihm nicht aus dem Kopf geht: „Langweilt die Leute nicht!“ Dem wird er mit der UF-Kollektion gerecht.


Alexander Seifried

Mit 18 Jahren schloss Alexander Seifried (Jg. 1976) seine Schreinerlehre ab. Er hatte seinen Traumberuf gefunden. Und musste doch weiterlernen, bei 3F Design in Stuttgart. In dieser Stadt gründete der Händler und Möbelgestalter schließlich 1999 seine eigene Firma. Mit Unternehmen Form konzipiert und produziert er Einrichtungen und Arbeitsumgebungen.

Webseite des Unternehmens

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