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Andreas Zeilfelder

Kompletteinrichter – alles aus einer Hand
Andreas Zeilfelder

Vom Hersteller zum „Allrounder“ – der Mannheimer Bürofachhändler Zeilfelder machte in den letzten Jahrzehnten eine wahre Metamorphose durch. Heute versteht sich das Unternehmen als Produzent und Kompletteinrichter in einem.

Ulrich Texter

Die boomende Do-it-yourself-Bewegung, die seit einigen Jahren Deutschland regelrecht überrollt, könnte ihren Ursprung auch in der Mannheimer Dudenstraße haben. Dort setzt man schon seit 1990 auf „Selbstgemachtes“, um ein Alleinstellungsmerkmal im Markt bieten zu können. Zeilfelder ist Büroeinrichtungshersteller und gleichzeitig Partner etablierter Marken wie etwa Vario oder Wiesner Hager. Zwar ist man heute mehr Händler und Dienstleister als noch im Gründungsjahr 1989, aber nach wie vor Anbieter eines eigenen Bürosystems, das seit seiner Markteinführung nahezu unverändert geblieben und zum Klassiker geworden ist. Man könnte auf den Gedanken kommen, Zeilfelder ist ein Zara im Kleinen, der am liebsten alle Wertschöpfungsstufen in einer Hand halten möchte. Die Gründe für diese besondere Konstellation liegen in der Historie.
Der Doppelcharakter des Hauses könnte zu Zielkonflikten führen, schließlich ist der Kuchen nur einmal zu verteilen. Inhaber Andreas Zeilfelder verneint. Zum einen zeigt er sich überzeugt, dass von dieser Strategie beide Seiten profitieren, weil regionale Stärken wie Schnelligkeit und Nachkaufgarantie mit der Kraft einer überregionalen Marke zu einen Gesamtpaket kombiniert werden kann. Zum anderen glaubt er, dass Kunden in der Regel nicht wissen, an welchen Schreibtischen und auf welchen Stühlen sie sitzen. Das heißt für ihn nicht, dass die Marke gar keine Rolle spielt, aber es relativiert den Stellenwert der Einrichtung. „Der Erfolg liegt immer in den Extremen. Entweder bieten sie ein Bürosystem an, das auch individuelle Bedürfnisse erfüllt, oder ein Programm, das sehr einfach und langlebig, aber grundsolide ist und bei dem alle Komponenten kombinierbar sind.“ Genau das will das Zeilfelder Bürosystem leisten: ein unkompliziertes Möbel, das „man selbst gern hätte.“
Entstanden ist das Unternehmen als Startup von zwei Studenten, die neben ihrem Studium Büromöbel unters Volk bringen wollten. „Mein Vater“, sagt Andreas Zeilfelder, Jahrgang 62, „hatte ein Möbelwerk, aber Einbauschränke waren nicht mein Ding, sondern Büromöbel.“ Zeilfelder hatte Blut geleckt und gemerkt, dass man mit dem eigenen Programm „auch öfters mal die Nase vorne haben konnte.“ Anfänglich wurde der Newcomer belächelt, weil das Portfolio nur aus einem Programm, einem Dekor und einer Farbe bestand, das wenig mehr als ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten konnte. „Bei vielen Programmen der großen Hersteller“, sagt Andreas Zeilfelder, „wurde das Design über die Funktion geprägt. Wir haben uns für ein zeitloses Design entschieden und aus der Not eine Tugend gemacht, weil wir nicht drei oder vier Programme entwickeln konnten.“ Sogar ein Franchise-Modell schwebte Andreas Zeilfelder ursprünglich vor. Motto: Je jünger, umso hochfliegender die Pläne. Inzwischen dürfte sich das Lachen gelegt habe. Zeilfelder und sein Bürosystem sind immer noch da, während zahlreiche Programme etablierter Hersteller längst vom Markt verschwunden sind. Das Zeilfelder Bürosystem besteht heute aus vier Linien; elektrisch höhenverstellbare Varianten zählen dazu. Die Entwicklung zu Steh-Sitz-Arbeitsplätzen ist für Andreas Zeilfelder auch die größte Innovation in den letzten 10 bis 20 Jahren.
Die Philosophie „Keep it simple“ und die Beschränkung auf klar umrissene Kernkompetenzen durchziehen alle Bereiche des Bürofachhändlers, so auch Planung und Montage. So nimmt Zeilfelder prinzipiell an keinen Ausschreibungen teil, wenn es nur um Rabatte geht. Gleichzeitig lässt man auch die Finger von komplexen Umbauarbeiten im Bestand, bei denen man mit externen Firmen zusammenarbeiten müsste. „Wir stehen für unsere Leistung gerade. Deshalb müssen wir uns abgrenzen.“ Zur Abgrenzung zählt auch, dass man eigene Monteure beschäftigt. Lediglich der Internet-Auftritt scheint Zeilfelder noch ein wenig Kopfzerbrechen zu bereiten. Ursprünglich als Shop gedacht, machte der Webshop mehr Arbeit als er Umsätze generierte. Mit Julia Zeilfelder, die seit einigen Monaten dabei ist, soll jetzt der Neuanfang gelingen. „Das Schöne an kleineren Unternehmen ist ja“, sagt Andreas Zeilfelder“,dass man mal was ausprobieren kann, aber das Kerngeschäft ist eindeutig stationär.“
Ausprobieren will man sich auch auf einem neuen, aber fachhandelsaffinen Geschäftsfeld, der Ergonomie-, Bewegungs- und Ernährungsberatung, kurz auf dem weiten Feld des BGM. „Leben bedeutet mittlerweile gesundes Leben. Der Megatrend Gesundheit ist längst in sämtliche Lebensbereiche vorgedrungen“, schreibt das Zukunftsinstitut in seinem gerade erschienen Bericht „Health Trends“. Doch auch im Büro gilt: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Das weiß auch Julia Zeilfelder: „Die meisten Arbeitnehmer wissen nicht, wie man einen Stuhl einstellen muss.“ Die Verhältnisergonomie kann also noch so gut sein, wenn die Verhaltensergonomie nicht mitspielt, bleiben alle Bemühungen zwar nicht umsonst, aber vergeblich. Das will Zeilfelder ändern. Die gute Nachricht der Hirnforschung lautet, dass es mit dem Lernen auch im Alter nicht vorbei sein muss, dass der homo sedens nach wie vor eine gewisse Neuroplastizität besitzt. Die schlechte: Der Erwerb ist deutlich mühsamer, aber durch selbstverstärkende Interventionen durchaus machbar. „Unser mittelfristiges Ziel ist es, mit einem Schulungsprogramm, das über Ernährung, Bewegung bis hin zu Entspannung und Selbstachtung reicht, regelmäßig in die Firmen reinzugehen“, sagt die Heilpraktikerin und Ernährungswissenschaftlerin Julia Zeilfelder.
Vielleicht ist der Zeitpunkt ideal, um mit einem solchen Konzept auf den Markt zu gehen, um den Gesundheits- und Selbstoptimierungstrend zu bedienen sowie den latenten Bedarf bei Firmen zu decken, die auf die physische und mentale Fitness ihrer Mitarbeiter achten müssen. Andreas Zeilfelder scherzt zwar, dass dem Bürofachhandel faktisch gar nichts anderes übrig bleibt, um über solche Wege entgangene Beratungsleistungen wieder hereinzuholen, aber die letzte Orgatec zeigte erneut, welchen Stellenwert Ergonomie und dynamisches Sitzen weiterhin besitzen. „In Wahrheit“, sagt er, „ist der Markt komplexer, der Wettbewerb intensiver sowie die Kunden informierter und anspruchsvoller geworden.“


Fakten
Fachhändler: Zeilfelder Vertrieb GmbH
Geschäftsführender Gesellschafter: Andreas Zeilfelder
Standort: Dudenstraße 52, 68167 Mannheim
Mitarbeiter: 10
Gründung: 1989
Kontakt:
Telefon: 0621 842150
Fax: 0621 8421515
Dienstleistungsangebot: Vollsortimenter, eigenes umfangreiches „Ideenbuch“
Besonderheit: Eigenes Möbelprogramm
Hersteller-Portfolio: Aeris, AOS, Fröscher, HAG, Klöber, Molto Luce, Profim, Quinti, Sinetica, Vario, Viasit, Waldmann, Wiesner Hager


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