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Hochschullehrer im Porträt: Martin Schroth

Hochschullehrer im Porträt
Martin Schroth

Martin Schroth verbindet analoge und digitale Entwurfsprozesse zu einem ganzheitlichen Ansatz. Er lehrt am Fachbereich Innenarchitektur an der Hochschule Trier, wie man digital entwirft. Trotzdem legt Martin Schroth Wert auf praktische Erfahrung.

Autor Oliver Herwig

Nach bald zwei Jahren Corona hat sich einiges verändert an der Hochschule Trier. Seine Tutorials laufen online sogar besser. Das erklärt Martin Schroth so: Er habe das Privileg, Unterrichtselemente mit Studierenden zu bearbeiten, die auch übers Netz funktionierten.

Die Teilnehmer säßen zu Hause vor zwei Bildschirmen und profitierten von der Remote-Unterstützung. „Die Studierenden haben bestätigt, dass mein Unterricht der einzige ist, der online sogar besser ist.“

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Foto: Hochschule Trier

Prinzip maximale Offenheit

Das Prinzip heißt maximale Offenheit. Jeder lernt von den anderen. „Jemand stellt eine Frage, teilt den Bildschirm und alle gucken zu.“ Der Unterricht werde aufgezeichnet, alle könnten sich das noch mal angucken. Ein Plus besonders bei herausfordernden Lerninhalten.

Online beschleunige, sagt er. „Ich kriege mehr Inhalt umgesetzt als vorher.“ Martin Schroth hat andererseits mehr Zeit zum Coachen. Und das helfe allen. Er regt seine Studierenden an, mit Beton zu tanzen und digitale Werkzeuge genauso selbstverständlich zu nutzen wie einen Sandstrahler.

Werkstätten der HS Trier

Trotz Computer heißt es auch in Trier: Ohne praktische Erfahrung geht es nicht. Die Hochschule verfügt über große Werkstätten, betreut von fest angestellten Mitarbeitern, ein Erbe der Werkbundschule, die vor über hundert Jahren den Boden bereitete.

Inzwischen stehen CNC-Maschinen, Lasercutter und 3D-Drucker neben der klassischen Schreinerausstattung samt Lackierkabine und Sandstrahl-Maschine. Martin Schroth sucht die Verbindung zwischen beiden Welten, einen Brückenschlag von digitalem Entwerfen zu klassischem Handwerk. „Analog und digital – meine Arbeitswelt oszilliert permanent zwischen den beiden“, sagt Martin Schroth und gibt ein Beispiel. In einer der ersten Übungen müssten Studierende einen Hocker aus Beton konstruieren und tatsächlich bauen.

Er darf nicht zu schwer werden, schließlich sollten ihn alle noch tragen können. Das ist die Grundregel. „Wer da mit 30, ja 40 Kilo anfängt, wird das Ganze nicht mehr schleppen können“, lacht er. Das Knifflige sei die Schalung, die alle Rahmenbedingungen berücksichtigt: Konstruktion, Masse und Material. Auch zu filigran dürfe der Hocker nicht ausfallen.

Innenarchitektur
Die Hochschule verfügt über große Werkstätten, betreut von festangestellten Mitarbeitern. Foto: Hochschule Trier

Schließlich müssten alle an die Bewehrung denken, damit das gute Teil nicht in sich zusammenfällt. Digitale Herstellungsmethoden erlauben einen anderen Blick auf das Handwerk, ist Martin Schroth überzeugt. Am Paulusplatz steht das Materialprüflabor der Bauingenieure, eigentlich eine riesige Werkstatt, samt Betonmischer, Zement und Sand. „Bei uns in der Werkstatt stellen die Studierenden die Schalung her, laufen rüber und gießen.

Dabei gucken uns die Bauingenieure über die Schulter und denken vielleicht: Jetzt kommen wieder die Innenarchitekten, die so verrücktes Zeug gießen. Aber manchmal entstehen Sachen, wo die selber staunen.“

Entwerfen mit dem Computer

Der gelernte Industriemechaniker liebt Präzision. Als er noch im Werkzeugbau tätig war, stellte er fest, dass der überschaubare Maßstab doch nicht passte. „Ich hatte Lust, etwas Größeres zu entwerfen und zu entwickeln.“

Martin Schroth studierte daher Architektur an der Fachhochschule Biberach und setzte den Postgraduierten-Masterstudiengang an der Städelschule Frankfurt am Main drauf, und zwar beim holländischen Stararchitekten Ben van Berkel. „Was ich bei ihm gelernt habe, ist das Entwerfen mit dem Computer. Wir machten gar keine Handzeichnungen mehr, sondern setzten uns sofort an den Computer und haben wirklich alles in 3D entworfen.“

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Foto: Roland Halbe

Wunsch nach Nachhaltigkeit

Im eigenen Büro entstehen Wohn- und Geschäftsbauten, Kirchen, Regalsysteme oder Feuerschalen. Das Generalistische fasziniert ihn bis heute – ohne an Präzision im Detail nachzulassen: „Der Gestalter beginnt ganz am Anfang mit einer Idee. Und er hat das Privileg, sie über einen sehr, sehr langen Zeitraum zu betreuen.“ Damit einher geht der Wunsch nach Nachhaltigkeit und Dauer: „Das genieße ich an dem Beruf: Das Netz ist schnelllebig, aber die Projekte, die wir bauen, bleiben länger stehen, als wir leben.“

Zugleich lenkt der 1975 in Dunzendorf bei Rothenburg ob der Tauber geborene Martin Schroth den Blick auf die passenden Materialien für die jeweiligen Aufgaben. Ihre haptischen und emotionalen Qualitäten brachten den Hochbauingenieur zur Innenarchitektur. Wenn ein Hotelier Möbel wünsche, die Antwort auf die Pandemie gäben und Gästen den Eindruck höherer Sicherheit vermittelten, „müssen wir räumliche Figuren entwickeln, die eine höhere Abgrenzung im gleichen Raum herstellen“, erläutert er.

Martin Schroth und Trier

Seit zehn Jahren unterrichtet Martin Schroth in Trier, anfangs waren es fast nur weibliche Studierende, seit geraumer Zeit aber steigt der Anteil von Männern. „Also, wir sind noch nicht bei einem Drittel“, schmunzelt er, aber der Anfang sei gemacht. Oft hätten Frauen die besseren Ideen, Männer setzten zu schnell auf die Konstruktion.

Der Hochschullehrer erinnert sich an einen Hocker, den Studentinnen als Kombination aus Holzplatte und Vlies entwickelten. Mit dem reißfesten Stoff entstand eine gefaltete, schwingende Geometrie mit einer „wunderschönen Materialität“. Darauf würden Männer per se nicht kommen.

Was Trier besonders mache? Der Zusammenhalt unter den Studierenden, sagt er. Jeder habe einen eigenen Arbeitsplatz an der Hochschule und könne seine Ideen jederzeit in der Werkstatt umsetzen. Wer da mal durchhänge, werde gleich aufgefangen in der Gruppe. Das war während Corona und Distanzunterricht natürlich viel schwerer – selbst wenn die Kommilitonen per Screensharing über die Schulter schauen.

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Nach der Ausbildung zum Industriemechaniker studierte Martin Schroth Architektur an der FH Biberach und absolvierte von 2004 bis 2006 einen Postgraduierten-Master M.A. (AAD) an der Städelschule Frankfurt am Main bei Ben van Berkel. 2006 machte er sich mit dem Büro Martin Schroth selbstständig und übernahm diverse Lehrtätigkeiten an Hochschulen. Seit 2012 lehrt er am Fachbereich Innenarchitektur der Hochschule Trier digitales Konstruieren und Entwerfen.

Zur Webseite des Architektens


Hochschule Trier

Trier University of Applied Sciences

Studienbeginn: Sommer- und Wintersemester
Abschluss: Bachelor of Arts (B.A.), Master of Arts (M.A.)
Dauer: 8 Semester (B.A. Kammerfähig) und 2 Semester (M.A.)

Workload: insgesamt 180 ECTS (B.A. 240 ECTS + M.A. 60 ECTS = 300 ECTS)

Absolventen: ca. 30 (B.A. und M.A.)

Foto: Hochschule Trier, Webseite der Hochschule

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