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Hochschullehrer im Portrait

James Kelly

Dass James Kelly mal in Pforzheim landen würde – zumal als Lehrer – hatte der leidenschaftliche Automobilfan zu Beginn seiner Karriere als Designer überhaupt nicht in seiner Lebensplanung vorgesehen. Heute ist er umso begeisterter bei der Sache.

Autorin Nina Shell

Seit 1992 ist James Kelly nun fest in Pforzheim – nicht ganz so klangvoll wie Schulen in Pasadena (USA), London, Tokyo und Paris, aber eine der wichtigsten Schmieden für den Topnachwuchs. „Zunächst hatte ich überhaupt kein Interesse, als ich gefragt wurde, ob ich in Pforzheim Darstellungstechnik lehren wolle“, erinnert sich James Kelly. Dennoch ließ er sich für ein Semesterals Gastdozent engagieren, einen Lehrauftrag wollte er aber nicht übernehmen. Das Ende der Geschichte: „Drei Studenten, die heute sehr erfolgreich in der Industrie arbeiten, hatten ein Hotelsponsoring für mich organisiert.“ Weitere Weigerung war zwecklos – und darüber ist er bis heute sehr glücklich: „Hätte ich gleich gewusst, wie toll es ist, hier zu lehren, hätte ich wohl sofort ja gesagt.“

Er sah sich eben damals, mit seinem eigenen Studio, eher als Designer denn als Lehrer. Ein Highlight für James Kelly in der Lehre: „Zu sehen, wie sich die jungen Leute hier entwickeln, wie sie mit Leidenschaft ihre Concept Cars präsentieren, ist eine Supersache.“ Und dieses Erlebnis weiterzuentwickeln und später die Studierenden erfolgreich in Industrie und Wirtschaft zu sehen, hat James Kelly ein hehres Ziel – die beste Designschule der Welt zu werden. „Das halten einige für arrogant, aber ich glaube, man sollte ein Ziel haben. Wenn man diesen Ehrgeiz hat, kann man’s auch schaffen!“

Und zielstrebig war er schon immer – an Design und besonders am Automobildesign – war er schon seit frühester Jugend interessiert, obwohl zu der Zeit in England gerade das Automobildesign eher negativ angesehen war. So hat er zunächst im britischen Newcastle Industrial Design studiert. Über ein Sponsoring von Ford of England konnte er sein Studium am Royal College of Arts in London erfolgreich beenden und seinen Traum vom Transportation- und Automobildesign leben.

Dass das Thema Elektromobilität heute Trendthema ist, überrascht James Kelly nicht: „Eines der ersten Projekte, die ich Anfang der 1990er-Jahre mit dem heutigenen Chefdesigner von Hyunday betreut habe, war ein kleines Elektro-Stadtauto.“ Sprich: In Pforzheim hat man sich weit vor der Zeit mit dem Thema beschäftigt.

James Kelly hält das Steuer in der Hand

James Kelly sieht es als Balanceakt an, einerseits die Studierenden nach Abschluss in die Industrie zu bringen, andererseits Mut im Design zu zeigen, ohne dabei die spätere Kundschaft für neue Fahrzeuge zu irritieren. Wobei er, der logischerweise auch gern fährt, sich vorstellt, dass zumindest in Städten schon in rund zehn Jahren die meisten Autos autonom unterwegs sein werden. Auf der Autobahn möchte er aber ungern mit 300 km/h chauffiert werden, sondern lieber das Steuer selbst in der Hand behalten. Er gibt jedoch zu bedenken, dass bei etlichen Veranstaltungen und Seminaren zum Thema Mobilität der Zukunft meist kein einziger Designer dabei ist, der sagt, wie die Fahrzeuge künftig aussehen werden.

Zurück zur Lehre. Zunächst ist es erstmal eine Herausforderung, in Pforzheim überhaupt aufgenommen zu werden – die Bewerberzahlen sind sehr hoch, im Master gibt es pro Jahrgang rund zehn, im Bachelor 15 Studierende. „Erstaunlich finde ich, dass heute manche Bewerbungsmappe schon auf dem Niveau so mancher Master-Thesis von vor zehn bis 15 Jahren ist“, erzählt James Kelly. Dabei ist das Automobildesign immer noch eher eine Männerdomäne, wenngleich immer mehr Frauen diesen Beruf wählen.

Und das sehr erfolgreich: „Lucia Lee hat vor zwei Jahren ein Concept Car für Audi entwickelt – und wurde sofort engagiert.“ Dieser Erfolg freut den Professor natürlich, ebenso die Tatsache, dass immer mehr internationale Studierende nach Pforzheim kommen. Derzeitige Projekte im Masterstudiengang beinhalten Kooperationen mit Alfa Romeo und Renault . Der wichtigste Faktor besteht für Kelly darin, dass dadurch die Industrie in Kontakt mit den Studierenden kommt – und diese dann zunächst Praktika- und später Arbeitsplätze finden.

Dafür müssen sie Ideen haben, in welche Richtung sich die Automobilindustrie generell entwickelt: „Die Formel form follows function, das ist immer die Grundlage, das wichtigste überhaupt. Aber Ästhetik und Handwerk als Qualitätsmerkmale fehlen momentan, besonders bei den Interieurs. Ich glaube das ist etwas, wo wir ein Revival erleben werden.“ Und wenn James Kelly gerade nicht mit Begeisterung in der Lehre zugange ist? Dreimal darf man raten. Natürlich ist sein größtes Hobby das Autofahren. Schon in jungen Jahren hat er sich seinen Kindheitstraum erfüllt und sich einen Lotus Super Seven bestellt – und es geschafft, sogar die Zulassung dafür in Deutschland zu erhalten.

Zudem war er über 23 Jahre im Motorsport aktiv, bis auf Kleinigkeiten zum Glück unfallfrei. Das hat er aufgegeben: „Als Designer arbeite ich lieber mit Kugelschreiber und Modellierton. Schraubenzieher und -schlüssel, elementar im Motorsport, sind dann doch nicht meine Welt!“ Gut für die Pforzheimer Studierenden!

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Nach dem Studium zum Industriedesigner in Newcastle und am Royal College of Art in London arbeitete James Kelly zunächst bei Ford in Deutschland. Danach gründete er sein eigenes Studio. Seit Anfang der 1990er-Jahre lehrt er am Lehrstuhl für Transportation Design in Pforzheim.

www.hs-pforzheim.de


Foto: © FB Transportation Design

Hochschule Pforzheim – FB Transportation Design

Studienbeginn: Winter- und Sommersemester

Bachelorstudiengang: Transportation Design

Abschluss: Bachelor of Arts (B. A.)

Dauer: 7 Semester (davon 1 Praxissemester)

Workload: 210 ECTS

Absolventen: ca. 30 pro Studiengang pro Jahr

Masterstudiengang: Transportation Design

Abschluss: Master of Arts (M.A.) Pforzheim

Dauer: 3 Semester

Workload: 190 ECTS

Absolventen: ca. 15 pro Jahr

Der Studiengang Transportation Design richtet sich an Bewerber, die ihre Leidenschaft für Fahrzeuge, künstlerische Begabung und ein überdurchschnittliches technisches Verständnis in einem Beruf vereinen wollen. Er bildet zukünftige Designer im speziellen Bereich des Fahrzeugdesigns aus. Inhalt der fachspezifischen Ausbildungen sind Grund- und Spezialkenntnisse, die den Designer zur gestalterischen Bearbeitung von Fahrzeugprojekten des Individual- und öffentlichen Nahverkehrs befähigen.

www.hs-pforzheim.de

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