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Anne Bergner

Hochschullehrer im Portrait
Anne Bergner

Es gibt gute Gründe dafür, sich für den Studiengang Integriertes Produktdesign im oberfränkischenCoburg zu entscheiden – ein sehr überzeugender ist die Tatsache, dass Anne Bergner dort seit 2009 lehrt.

Autorin Nina Shell

Anne Bergner brennt für ihr Thema – und liebt es, die Studierenden mit ihrer Begeisterung anzustecken und ihnen damit individuelles Wachstum und Entwicklung zu ermöglichen. Dabei nennt sie sich selbst eine Spätentwicklerin, hat sie doch ihre berufliche Karriere mit einer Ausbildung zur Goldschmiedin gestartet – nur um schnell festzustellen, dass ihr das nicht reichen würde. Ihr eigenes Studium als Industriedesignerin absolvierte sie dann an der Akademie in Stuttgart zu der Zeit (und das empfindet sie heute noch als echtes Glück), als dort das Duo Richard Sapper und Klaus Lehmann aktiv in der Lehre war. Inklusive Auslandssemester in London hat sie sich viel Zeit für ihr Studium genommen – und findet es sehr schade, dass, nicht zuletzt durch die enge Regelstudienzeit von sieben Semestern für den Bachelor-Studiengang, heute so ein Zeitdruck auf den Studierenden lastet. “Die Absolventen von heute müssen doch sowieso bis 75 arbeiten, warum sollen die denn so früh fertig werden? Man studiert ja nicht nur, um an einen Punkt zu kommen, sondern auch, weil es einfach eine gute Lebenszeit ist.”
Eher probeweise schrieb sie Bewerbungen – gleich die zweite führte zum Erfolg – und zu Siemens Design. Was ihren Horizont enorm erweitert hat, weil sie dort (mit Herbert Schultes) nicht nur an klassischen Designthemen gearbeitet hat, sondern auch an Projekten wie der Expo 2000.
Nach weiterer Tätigkeit bei Gaggenau Hausgeräte und der großen Konzernstrukturen etwas überdrüssig steuerte sie direkt in die Selbstständigkeit als Designberaterin, mit unterschiedlichsten Projekten und breitem Spektrum von Start-ups bis BMW.
Die eigene Horizonterweiterung ist auch Basis ihres Verständnisses für die Lehrtätigkeit in Coburg. Dabei ist Integration, wie der Name des Studienganges schon sagt, alles.
“Wir versuchen, den Begriff immer neu zu entwickeln, zu definieren. Denn heute bedeutet die Integrationsleistung von Design mehr, als das, was man sich im Gründungsjahr 1998 vorgestellt hat.” Also nicht nur dadurch, dass man sich durch eigenes Wissen in Prozesse integriert, sondern dass man weiß, wo man sich im Gesamtkonzept befindet. Nach dem Modell “T-Shape”, wobei das breite “T” für das transaktive Wissen steht, mit dem der Designer an anderen Professionen andocken kann.
“Unsere Studierenden kriegen sehr früh mit auf den Weg, dass sie mit ihrem Wissen und Können einen wertvollen Beitrag in den jeweiligen Prozessen leisten, aber nicht die Einzigen sind, die wesentlich an der Wertschöpfung beteiligt sind.” Ein Plus für die Hochschule Coburg ist dabei, dass die Studierenden auf ein sehr unterschiedliches Kollegium, menschlich wie professionell, treffen. “Das führt zwangsläufig zu Konflikten, bietet aber eine so große Bandbreite, dass die Studenten von vornherein das Spektrum ihrer späteren Möglichkeiten erfahren.”
Eine weitere Veränderung in der Profession der Designer sieht Anne Bergner darin, dass sich Design heute nicht mehr nur selbst in Prozesse integriert, sondern ein integrierender Faktor, ein Facilitator ist: “Es bringt die Leute zusammen. Durch die fachliche Kompetenz als Designer genauso wie durch die Offenheit und Bereitschaft anzuerkennen, dass man Teil eines Puzzles ist.”
Greifbar – und möglich durch die in Coburg mit seinem großen Campus in nächster Nähe angesiedelten weiteren Disziplinen – werden solche Erkenntnisse durch praktische Beispiele, die Anne Bergner in Kurzprojekten umsetzt. Beispielsweise gemeinsam mit den Innenarchitekten, mit denen erarbeitet wurde, wie man in einer Ausstellung nicht greifbare Begriffe wie “Risiko” erfahrbar machen kann oder auch mit dem Studiengang für Integrierte Gesundheitsförderung, mit dem ein Tourismuskonzept für die Hassberge erarbeitet wurde – “was in sich nicht ganz unproblematisch war bei dem Namen”, sagt Anne Bergner lachend, aber für alle Beteiligten eine tolle Erfahrung, weil hier Projektmanagement und Design-thinking-Tools eine fruchtbare Liaison eingingen.
Diese spezifischen Tools, die die angehenden Designer sich in Coburg erarbeiten – gepaart mit der Fähigkeit, entsprechend kommunizieren zu lernen und, ganz wichtig, der nötigen Intuition, machen aus einem Designer erst einen Designer.
“Eine Intuition, die man nicht von vornherein mitbringt, sondern während des Studiums erst entwickelt. Dass man weiß, wenn etwas richtig gut ist, stimmig und passt.”
Bei der sprachlichen Kompetenz wiederum gehe es nicht darum, sich gut verkaufen zu können, sondern darum, dass man, wenn man gut über seine Arbeit sprechen, viel besser mit anderen zusammenarbeiten kann. So gesehen vermittelt das Studium Multikompetenzen unter dem Namen “Integriertes Produktdesign”. Anne Bergners Fazit zum Berufsbild des heutigen Designers: “Die Überzeugung, eine Grundkompetenz zu haben, Methoden, ein Tool-Set wie ein Mind-Set – und ein Gefühl für Zusammenhänge und Ästhetik, die Fähigkeit, mit Komplexität umgehen zu können, plus Kommunika-tionsfähigkeit.” Ein breites Spektrum also, mit dem die jungen Designer ins Berufsleben starten können – vermittelt ineinem geografischen Umfeld, das durch Nähe, nicht nur zueinander, sondern auch zu interessanten Unternehmen – und, nicht unwichtig, niedrigen Lebenshaltungskosten, eine ganze Menge Pluspunkte auf dem Habenkonto bietet.

Anne Bergner

Anne Bergner
Prof. Anne Bergner (*1967) studierte nach einer Ausbildung zur Goldschmiedin Industrial Design an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart und an der Central Saint Martins School, London. Sie arbeitete bei Designafairs und Gaggenau Hausgeräte im Bereich Design, Messen und Ausstellungen und Markenentwicklung. Für ihre Designarbeit erhielt Anne Bergner den Braun Preis 1999 und den Bay. Staatspreis für Nachwuchsdesigner. 2002 machte sie sich selbstständig und arbeitet seitdem als Designberaterin und Designerin. Ihre Lehrtätigkeiten führten sie u. a. als Gastprofessorin an die Bauhaus-Universität Weimar und nach Indien an das Indian Institute of Technology, Guwahati. Seit 2009 ist sie Professorin im Studiengang Integriertes Produktdesign an der Hochschule Coburg für Grundlagen des Gestaltens, Designtheorie und digitale Darstellung.

Hochschule Coburg, Integriertes Produktdesign

Anne Bergner
Bachelorstudiengang
Integriertes Produktdesign
Studienbeginn: Wintersemester
Abschluss: Bachelor of Arts (B.A.)
Dauer: 7 Semester (inkl. ein Praxissemester)
Zulassung: Eignungstest
Lehrende: 5 Professoren, 2 Lehrkräfte,ca. 10 Lehrbeauftragte
Ziel des Bachelor-Studiengangs ist es, Designspezialisten auszubilden, die auch über die nötigen Schnittstellen-Kompetenzen verfügen, um interdisziplinär arbeiten zu können. Kern der Ausbildung ist die praktische Arbeit in Übungen und Projekten.
Masterstudiengang
Master Design
Studienbeginn: Wintersemester
Abschluss: Master of Arts (M.A.)
Dauer: 3 Semester (inkl. ein Praxissemester)
Schwerpunkte: Integrated Design Processes, Interior Architecture & Architectural Design
Kontakt: www.hs-coburg.de
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