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Interview mit Rainer Barth, Leiter Lichtanwendung und Planung bei Philips Lighting

Kreative Freiheit

Wenn der Weltmarktführer der Beleuchtungsbranche eine neue Zentrale bezieht, darf man mit Recht davon ausgehen, dass die Beleuchtung über standardisierte Lösungen deutlich hinausgeht. Philips zeigt in seinem neuen Headquarter in Hamburg, was heute technisch möglich ist.

Mensch & Büro: Was waren die Grundüberlegungen bei der Beleuchtungsplanung für das neue Philips Headquarter?
Rainer Barth: Das Gebäude ist sehr hochwertig ausgestattet, was Architektur und Materialien angeht. Diesen Eindruck wollten wir mit Licht unterstützen, damit die Raumwirkung zur Geltung kommt und das Gebäude einen Charakter bekommt. Es war uns wichtig, die verschiedenen Arbeitsumgebungen so in Szene zu setzen, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen.
Einheitslösungen kamen dabei vermutlich nicht in Frage?
Natürlich soll das Haus auch ein Showcase sein. Wir wollen die ganze Vielfalt unseres Lösungsportfolios zeigen. Höhepunkt ist dabei die Konferenzetage, wo jeder Raum mit einer anderen Lichtlösung ausgestattet ist, was Formgebung und Anordnung der Leuchten angeht. Die Resonanz ist hervorragend: Nicht nur unseren Mitarbeitern gefällt es, auch Gäste staunen und sagen: „Das dauert ja anderthalb Stunden, bis man überhaupt alles gesehen und erlebt hat.“
Ist so etwas der Traum eines jeden Planers, einmal wirklich aus dem Vollen schöpfen zu können?
Absolut! So etwas wird sonst nur in architektonischen Landmarken gemacht. Ein riesiges Portfolio zur Verfügung zu haben, aus dem man möglichst viele Lösungen einsetzen kann und soll – so etwas macht schon Spaß. Hier war Freiheit gegeben und Kreativität gefragt, gerade bei dekorativen Lösungen, die sonst eher zu kurz kommen.
Welche besonderen Lösungen haben Sie eingesetzt?
Ein Clou ist die indirekte Beleuchtung der Decke in den offenen Bereichen, die man in Helligkeit und Lichtfarbe verändern kann. Das Licht passt sich dynamisch dem natürlichen Tagesrhythmus an und verändert dabei den Eindruck der Räume. Im goldenen Sonnenaufgang wirken sie ganz anders als in einem kühlen Mittagsblau. Das motiviert die Mitarbeiter und sorgt für Wohlbefinden, denn Menschen mögen es nicht monoton.
Welche Möglichkeiten haben die Mitarbeiter, das Licht ihren individuellen Wünschen anzupassen?
Interaktionsmöglichkeiten sind überall gegeben. Auf den Büroflächen haben wir vier Helligkeitsstufen vorgesehen, die jeweils für Vierer- oder Sechsergruppen von Arbeitsplätzen individuell über den Wandtaster abgerufen werden können. Es ist ein wichtiger Akzeptanzfaktor, dass die Mitarbeiter die Beleuchtungssituation mitbestimmen können.
Welche Rolle spielte die Energieeffizienz bei der Planung?
Das Gebäude ist zu 100 Prozent mit energieeffizienter LED-Technologie und individuell regel- und dimmbaren Leuchten ausgestattet. Das eröffnet über den geringen Stromverbrauch hinaus weitere Sparpotenziale. Es gibt eine Tageslichtregelung, die das Licht herunterdimmt oder ausschaltet, sobald genügend Tageslicht von außen hereinkommt. Außerdem wird über Präsenzmelder in Räumen, die gerade nicht genutzt werden, nach einer gewissen Zeit das Licht ausgeschaltet.
Inwieweit sind die hier eingesetzten Lösungen auf andere Gebäude übertragbar?
Es handelt sich ausnahmslos um Kataloglösungen, die überall reproduzierbar sind – nichts Abgedrehtes, sondern realisier- und finanzierbare normgerechte Beleuchtung. Natürlich ist das etwas aufwendiger als gängige Standardlösungen, aber das ist eine Investition ins Wohlbefinden der Mitarbeiter.
Das Interview führte Guido Diesing

Zur Person

Rainer Barth hat Elektrotechnik mit Fachrichtung Lichttechnik studiert. Seit dem Studienabschluss arbeitet er in der Lichtplanung und ist heute Leiter der Abteilung Lichtanwendung bei Philips Lighting in Hamburg.

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