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Simone Jüschke: die Innenarchitektin berichtet über ihre Arbeit

Frauen in der Innenarchitektur
Simone Jüschke

Simone Jüschke arbeitete in verschiedenen Büros, bevor sie sich selbstständig machte. Nun gestaltet die Innenarchitektin vornehmlich für private Bauherren deren vier Wände. Ein Gespräch über den Spagat zwischen Arbeit und Familie sowie ihr Lieblingsprojekt.

Autorin Katharina Feuer

Ein etwas untypischer 1950er-Jahre-Bau in Frankfurt in guter Lage. Eine junge Familie möchte sich die Doppelhaushälfte zu einem Nest umbauen lassen. Für Innenarchitektin Simone Jüschke, selbst Mutter von zwei Kindern, ist es das erste Objekt, das sie in ihrer Selbstständigkeit vom Keller bis zum Dachgeschoss komplett umgestaltet und umgebaut hat. Ein Herzensprojekt also. Entstanden in Kooperation mit einer neugierigen und offenen Bauherrschaft.

Ein Haus vom Dach bis zum Keller

„Es hat einfach alles gepasst. Die Größe, die Vorstellungen der Bauherren und für mich die Möglichkeit, viele individuelle Ideen zu integrieren. Ich habe zwar in anderen Büros auch schon in der Projektleitung in verantwortungsvoller Position solche Bauaufgaben geleitet, aber der Umfang, die Vollständigkeit und die Freiheit waren schon etwas Besonderes.“

Simone Jüschke sammelte jahrelang Berufserfahrung in verschiedenen mittelgroßen Büros, oft als einzige Innenarchitektin im Team von Architekten und Bauingenieuren. Dort musste sie sich behaupten und übernimmt schon früh Verantwortung in Form von eigenen Projekten. Den Schritt zur Selbstständigkeit begründet sie so: „Mein Vater hat immer selbstständig gearbeitet und mir das ein Stück weit vorgelebt. Und dann wollte ich auch flexibler sein und eigene Entscheidungen treffen können, speziell nach der Geburt meiner beiden Kinder.“

Spagat: Arbeit und Privatleben

Den Spagat zwischen anspruchsvollen Projekten, den individuellen Wünschen der Bauherren und dem eigenen Privatleben schafft sie somit besser, auch wenn es ein Spagat bleibt, wie sie offen gesteht. „Ich kann teilweise von zu Hause aus arbeiten und mir meine Zeiten selbst einteilen. Aber mein Anspruch, allen gerecht zu werden, ist manchmal ein innerer Konflikt. Ich will gute Arbeit abgeben. In schwierigen Zeiten, wie beispielsweise in der Coronapandemie, steht man da und hinterfragt einiges. Und das sieht in meinem Umfeld teilweise ähnlich aus. Aber es ist nichtsdestotrotz ein schöner Beruf.“

Ihr Lieblingsdetail im Haus A in Frankfurt kann die Innenarchitektin sofort benennen: das ungewöhnlich großzügige und helle Treppenhaus, das sich über zwei Stockwerke zieht und über dessen Galerie die Zimmer im ersten Stock erschlossen werden. Die ursprüngliche, massive Betontreppe musste man entfernen, da die Laufhöhe direkt unter der Galerie mit nur knapp zwei Metern für heutige Zeiten knapp bemessen war. „Ich weiß nicht, ob die Menschen in den 1950er-Jahren noch kleiner waren“, lacht Simone Jüschke, „aber mit dem neuen Bodenaufbau inklusive Fußbodenheizung wäre das nicht mehr aufgegangen.“

Dezentes Farbkonzept

Die neue Eichenholztreppe wirkt leicht, hell und zieht sich schwungvoll in den oberen Stock. Das Geländer greift das Schwarz des Mosaiks des Fliesenbodens auf. So fügt sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Die Leuchte aus mehreren Kugeln bestimmt den Luftraum. Nicht jede Leuchte benötigt einen eigenen Baldachin. Auf dieses Detail ist die Innenarchitektin besonders stolz.

Kein Raum ist rein weiß gehalten, außer dem Bad. Das dezente Farbkonzept zieht sich über alle drei Stockwerke. Die Einbauten sind Tischlerarbeiten und bedienen die Vorstellungen des jungen Bauherrenpaares. „Nicht immer waren sie einer Meinung. Meine Herausforderung ist es, die Balance bei der Beratung zu halten und mit meinem Entwurf und Vorschlägen nicht parteiisch und kompromissbereit zu sein. Beide Auftraggeber wollen in ihren Bedürfnissen abgeholt werden.“ Neben Projekten für private Bauherren sind in den vergangenen Jahren auch einige Büroumbauten und -strukturierungen hinzugekommen. Die Coronapandemie hat diesen Bedarf noch einmal verstärkt.

Förderung des Nachwuchses

Simone Jüschke setzt sich als stellvertretende Landesvorständin beim bdia Hessen für den Nachwuchs ein. Der Landesverband Hessen hat sich bewusst für das Paten-Programm stark gemacht, das den Studierenden eine kostenfreie Mitgliedschaft im bdia ermöglicht und bei der der Mentor Rede und Antwort für alle Fragen rund um den Berufsstart steht. „Die Zeiten haben sich geändert. Als ich 2003 als Werkstudentin nach einem Gehalt gefragt habe, wurde ich quasi ausgelacht. Heute haben die Berufsanfänger viel bessere Chancen und Möglichkeiten. Ich bin dennoch gespannt, wie sich im Zuge der Materialknappheit auf Baustellen die Situation entwickelt“, zeigt sich die Innenarchitektin besorgt.

Simone Jüschke hält nicht hinterm Berg, dass das Ehrenamt auch viel Zeit beansprucht. Aber bisher überwiegt die Freude daran, in einem tollen Team den Landesverband voranzubringen.

Simone Jüschke

Nach dem Studium der Innenarchitektur (1998–2005) an der FH-Düsseldorf, Peter Behrens School of Architecture zog es Simone Jüschke (Jg. 1978) mit ihrer Arbeit ins Ausland, wo sie an Projekten in Abu Dhabi/UAE im Bereich Health Care sowie verschiedenen gehobenen privaten Wohnprojekten (Umbau und Neubau) im Rhein-Main-Gebiet mitwirkte. Später übernahm die Innenarchitektin die Projektleitung. Anfang 2012 folgte der Eintritt in den bdia LV Hessen, wo Simone Jüschke relativ schnell das Ehrenamt als stellvertretende Landesvorständin übernahm. Ihr Schwerpunkt liegt vornehmlich im Bereich der Nachwuchsförderung an den hessischen Hochschulen. Anfang 2014 gründete sie ihr eigenes Büro Simone Jüschke Innen | Architektur.

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