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Interview über Hoteltrends, Wohlfühlhüllen und Teamgeist

Cord Glantz

Die vielen Orte, an denen Cord Glantz Hotels gestaltet, kennt er nur vage. Keine Zeit. Denn der Innenarchitekt kreiert mit seinem Büro Geplan Design erfolgreich stimmige Raumwelten für seine Kunden.

Autorin Katharina Feuer

Als Innenarchitekt ist man viel unterwegs, ganz besonders wenn man sich auf Hospitality spezialisiert hat. Die Hotels liegen nicht direkt vor der Bürotür, sondern sind über ganz Europa verstreut.

Cord Glantz, der 2009 das Büro Geplan Design übernahm, sitzt im Auto auf dem Weg nach München. Einen Tag zuvor war er in Hamburg. Das ist normaler Alltag. Wir nutzen die Fahrtzeit, um über seinen Weg, Projekte und seinen Zwillingsbruder Rolf Glantz, der seit knapp zwei Jahren auch Partner ist, zu sprechen.

Dass Sie heute so erfolgreich Hotelprojekte planen, ist gar nicht selbstverständlich. Fast wären wir Kollegen geworden!

Mein erster Arbeitgeber war ein Choleriker, der mich und andere Mitarbeiter vor versammelter Mannschaft rundgemacht hat. Dabei kam ich frisch vom Studium und jeder, der Innenarchitektur studiert hat, weiß, dass Theorie und Praxis voneinander abweichen. Man muss noch viel lernen. Das war ein bescheidender Start ins Berufsleben. Schreckliche neun Monate. Ich habe ziemlich schnell nach Alternativen geschaut und mich auch auf ein Volontariat bei der AIT beworben (lacht).

So weit ist es dann nicht gekommen.

Ich wollte gestalten. Eine Wohlfühlhülle für Menschen schaffen.

Woher kommt dieser Wunsch?

Meine Mutter studierte im Bombenhagel des 2. Weltkriegs an der Kunstwerkschule in Kaiserslautern, der Vorläufer der heutigen Fachhochschule. Sie gestaltete Restaurants. Mein Vater führte eine Baustoffhandlung. Dort haben mein Bruder und ich schon früh viel über Materialien und Werkstoffe gelernt. Diese beiden Pole, das Kreative der Mutter und das Handfeste des Vaters, haben uns geprägt.

Sie befassen sich seit über 20 Jahren mit dem Thema. In welche Richtung verändert sich das Hotelwesen?

Ich sehe zwei entscheidende Pole: Das Motel One, als Hotelkette von Peter Müller. Er hat es geschafft, ein top Preis-Leistungs-Verhältnis mit hoher Gestaltungsqualität zu kreieren, indem er alles Überflüssige weglässt.

Und das 25hours, als Individualhotel mit Storytelling von Christoph Hofmann. Man nimmt sich eines Themas an und erzählt mit ortstypischen Materialien und Accessoires eine Geschichte.

Inhabergeführt versus Kette?

Es sind zwei unterschiedliche Ansätze, die nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Entscheidend sind auch die Gastronomiekonzepte. Entweder ich habe kein Restaurant oder eines, das auch die Leute aus der Stadt anzieht.

Hat das klassische Frühstückshotel ausgedient?

In gewisser Weise ja. Wir planen multifunktionale Räume. Der Frühstücksraum dient heutzutage ebenso als Besprechungsraum oder als Tanzfläche.

Beim Hotel Jungbrunn in Tannheim (Österreich) realisieren Sie in einer zweiten Bauphase den Wellnessbereich und die Suiten. Was ist das Besondere an diesem Hotel?

Es ist ein familiengeführtes Hotel, dessen Betreiber die Philosophie Gastfreundschaft mit jeder Faser leben. Hier finden Sie ehrliche, hochwertige Materialien mit wenig Emissionen und keine Mogelpackung. Das spüren die Gäste.

Wir haben Räume mit einer hohen Aufenthaltsqualität über Licht und eine angenehme Akustik geschaffen. Kleine Nischen für Pärchen, aber auch offene Bereiche wie die Theke um die Grillinsel.

Ihr Bruder hat wie Sie Innenarchitektur studiert. Haben Sie auch schon immer zusammengearbeitet?

Nein, nach dem Studium sind wir getrennte Wege gegangen. Seit knapp zwei Jahren ist er Partner in meinem Büro und das ist wirklich das Beste, was uns hätte passieren können. Wir verstehen uns blind. Wir können uns gegenseitig vertreten und auch für unser Team ist es toll, weil immer ein Glantz im Haus ist, den man ansprechen kann.

Herrscht sonst auch ein guter Teamgeist in Ihrem Büro?

Da müssen Sie meine Mitarbeiter fragen. Aber ich versuche schon, meine Mitarbeiter langfristig zu binden und ihnen die gebührende Wertschätzung entgegenzubringen. Es ist heute nicht leicht, gute Leute zu finden.

Wie äußert sich diese Wertschätzung?

Wir gehen Skifahren, besuchen ein fertiges Hotelprojekt oder weihen es ein. Auch bei den Arbeitszeiten und -orten versuchen wir Entgegenkommen zu zeigen mit Teilzeit, Home Office und individuellen Absprachen.

Ich zitiere Sie: Architekten gehen bunt ins Studium und kommen schwarz raus. Wie läuft die Zusammenarbeit mit den „Schwarzen“?

Sehr gut. Man begegnet sich auf Augenhöhe. Es ist ein kollegiales Miteinander. Aber ich habe auch schon erlebt, dass sich ein Architekt bei mir beschwert hat, dass er doch nicht mein Erfüllungsgehilfe sei!

Das müssen Sie erklären.

Architekten tragen bei Bauprojekten meist die Gesamtverantwortung. Wir Innenarchitekten gestalten den Innenraum über Decke, Wand, Boden. Wir reden mit beim Brandschutz, der Lüftung, Wegeführung, Akustik und der Beleuchtung. Der Architekt muss als Bauleitung vor Ort unsere Planung umsetzen und kontrollieren. Wir haben dem Architekten nicht den Innenraum weggenommen, sondern verfügen über spezielles Know-how, das der Bauherr will. Schließlich nimmt er viel Geld in die Hand. Da muss das Ergebnis stimmen und funktionieren.

Wie setzen sich die Frauen aus ihrem Team auf der Baustelle durch?

Da ist es leider immer noch so, dass sie Kämpfe ausstehen, sich über ihre Kompetenz und Wissen behaupten müssen.

Wie gelangen Sie an ihre Projekte?

Wir gewinnen viele Aufträge über unsere Gestaltung, die wir mit aussagekräftigen Renderings vorstellen. Und immer mehr durch Empfehlungen.

Ist gute Innenarchitektur für alle Menschen bezahlbar?

Absolut. Unser Honorar ist quasi schon fast drin, in dem Moment, in dem wir die Ausschreibungen anstoßen. Vergleichbare Angebote variieren oft immens. Da ist unser Gehalt locker drin.
Innenarchitekten sind nicht gut bezahlt, schließe ich daraus. Es gibt kein anderes Ingenieursstudium, das (jetzt Bachelor/Master), das so schlecht bezahlt wird. Dabei kostet der Beruf viel Zeit und Kraft, denkt man an die vielen Reisen und die Detailtiefe. Das darf sich gern ändern.


Foto: Geplan Design

Cord Rainer Glantz (Jg. 1968) absolvierte sein Studium der Innenarchitektur an der FH Kaiserslautern und sammelte bis 1993 erste Erfahrungen bei Raab Architekten. Nach 14 Jahren bei Markus-Diedenhofen Innenarchitektur übernahm er 2009 das Büro Geplan Design in Stuttgart. Mittlerweile ist sein Zwillingsbruder Rolf Glantz mit im Boot. Ihre Spezialität: Hospitality.

www.geplan.de

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