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Gesamtkunstwerk – Faszination Hoteldesign

Claudio Carbone

Was macht ein Hotel zu einem unverwechselbaren Ort, wollten wir wissen und sind nach Bad Ragaz gereist. Ein Gespräch mit Claudio Carbone über die Faszination Hoteldesign, Millionenprojekte und den Luxus einer Drei-Tage-Woche.

Interview: Claudia Simone Hoff

English translation below

Sie arbeiten als Interiordesigner für große Hotelketten. Wie sind Sie vom Tischlerhandwerk zum Hoteldesign gekommen?

Da meine Ausbildungsergebnisse sehr gut waren, hat mich der deutsche Staat unterstützt, sodass ich in Tischlerwerkstätten mit Spezialisierungen wie Intarsien- und Schnitzkunst arbeiten konnte. Meine Ausbildung war deshalb ziemlich vielseitig. 1984 nahm ich dann an den internationalen Tischler-Meisterschaften in St. Gallen teil.

Durch Kontakte bekam ich einen Lehrauftrag an der dortigen Hochschule. Damals hatte ich einen 82-jährigen Schüler, einen genialen Innenarchitekten: Walter Hartmann, der mich in sein Studio holte. Er arbeitete damals für Unternehmen wie Swiss Air und auch für Hotels. Dort hat sich mir eine völlig neue Welt eröffnet. Noch während ich bei Walter Hartmann arbeitete, habe ich Innenarchitektur studiert und später auch Management.

Hoteldesign
Hochwertige Materialien spielen in den Interiors des Hotelplaners eine wichtige Rolle. Foto: © Grand Resort Bad Ragaz

Das hört sich nach einem Workaholic an.

Nein, ich arbeite nur noch drei Tage pro Woche. Das ist möglich, weil ich ein gutes Team habe. Ich muss ja ständig neue Ideen haben – da brauche ich Zeit, um nachzudenken und aufzutanken. Für mich steht der Mensch im Mittelpunkt, auch im Hotel. Denn wenn die Mitarbeiter glücklich sind, läuft der Laden.

Sie haben gerade ein ambitioniertes Projekt abgeschlossen: den Umbau des Quellenhofs in Bad Ragaz. Wie haben Sie die Atmosphäre eines Grand Hotels beibehalten, obwohl das Hotel technisch komplett modernisiert wurde?

Das Hotel hatte keine Klimatisierung, was heute aber unabdingbar ist für ein Fünf-Sterne-Haus. Die große Schwierigkeit war, die Technik in den Bestandsbau zu integrieren, Wände und Decken mussten herausgerissen werden. Wir haben aber darauf geachtet, historische Architektur- und Gestaltungselemente zu erhalten beziehungsweise wiederzuverwenden.

So finden sich beispielsweise an den Decken alte Stuckaturen, die seit den Siebzigerjahren verdeckt waren, und der Kronleuchter in der Lobby wurde aus Kristallen von Swarovski-Leuchten neu zusammengesetzt.

Zeit ist Geld – das gilt gerade auch für Hotels, oder?

Ja, wir hatten für den Umbau ein Zeitfenster von nur fünf Monaten, was im Hoteldesign wirklich eine Herausforderung war. In dieser Zeit haben wir ein Budget von 41 Mio. Euro verbaut. Das ist eine ganz schöne Summe.

Der Quellenhof spielt für Bad Ragaz eine städtebaulich wichtige Rolle. Gab es einen Architekturwettbewerb?

Ja, es gab einen ausgeschriebenen, verdeckten Wettbewerb, zu dem das Who is Who der Hoteldesigner-Branche eingeladen war. Zwei Büros wurden gebeten, ihre Konzepte zu präsentieren, und wir waren dabei. Unser Gestaltungskonzept sah vor, die Architektur beim Umbau beizubehalten, das Interior mit Möbeln, Leuchten und Textilien jedoch komplett neu zu gestalten – in einem kontemporären Grand-Hotel-Look.

Gab es bei dem Projekt gestalterische Vorgaben?

Das Briefing stand unter dem Motto, der alten Dame ein neues Kleid zu nähen, aber das Gesicht der alten Dame nicht zu verändern. Der Grund dafür ist, dass das Haus von etwa 70 Prozent Stammgästen lebt. Als sie gehört haben, dass der Quellenhof umgebaut wird, war der Aufschrei groß. Viele fragten, warum der Umbau denn sein müsse.

Dabei war das Hotel 22 Jahre nicht umgebaut worden, die Teppiche und das Mobiliar in die Jahre gekommen. Sechs Gäste, die Dauersuiten gemietet haben, hatten sogar durchgesetzt, dass ihre Zimmer nicht modernisiert wurden. Doch jetzt gefällt ihnen das fertige Hoteldesign so sehr, dass die alten Suiten nachträglich umgebaut werden.

Sie haben jedes Möbelstück im Quellenhof selbst entworfen. Ist das im Hoteldesign üblich?

Ja, bei mir eigentlich schon. Wir haben beispielsweise auch die gesamten Möbel für das Andaz Vienna Am Belvedere entworfen – ein Projekt, an dem ich zusammen mit meinem Wiener Kollegen Gabriel Kacerovsky gearbeitet habe.

Sie sind sehr konsequent in Ihrer Arbeit. Das Restaurant Memories im Grand Resort Bad Ragaz war schon fertig geplant, als Sie alles umgeschmissen haben. Warum?

Der Küchenchef Sven Wassmer stieß erst spät zum Projekt und seine Philosophie des Kochens passte überhaupt nicht zum Interiordesign. Er verwendet für seine Speisen ausschließlich Zutaten aus der Umgebung und diese Idee sollte sich auch im Interior spiegeln.

Mir war klar, dass er in der alten Umgebung nicht erfolgreich hatte wirken können. Ich habe dann einen Nachmittag mit ihm verbracht und bei ihm gegessen – um zu fühlen, wie er denkt und arbeitet.

Hoteldesign
Verve by Sven heißt das legere Restaurant im Hotel Quellenhof in Bad Ragaz, für das alle Möbel eigens entworfen wurden. Foto: © Grand Resort Bad Ragaz

Wie bringen Sie den Ort ins Hotel?

Das Thema Wasser ist sehr wichtig für Bad Ragaz und spiegelt sich in der Architektur und im Design des gesamten Hauses wider. Es gibt im Garten zwei Brunnen, während im Foyer ein wasserfallartiges Leuchtenensemble aus mundgeblasenen Glaskugeln von der Decke hängt und der Rezeptionstresen aus Rheinquarzit gefertigt ist.

In den Zimmern verwenden wir Teppiche aus gewebter Schurwolle mit einem wasserähnlichen Muster.

Schaut man sich die Materialien an, fällt auf, dass im Quellenhof viel Holz verwendet wird.

In der Schweizer Grand-Hotel-Hotellerie wurden vor allem die Edelhölzer Nussbaum, Kirsche und Eiche verwendet, während in günstigeren Häusern Fichten- und Tannenholz zum Einsatz kam. Allen Holzarten ist gemein, dass sie direkt aus der Umgebung stammten. Im Quellenhof haben wir Nussbaum für die Fußböden eingesetzt, auch weil diese Holzart schon zur Entstehungszeit des Hotels gängig war.

Wohin geht die Reise im Hoteldesign?

Als wir den Quellenhof neu gestaltet haben, konnten wir alle Einrichtungsgegenstände verkaufen, denn die Qualität war noch gut. Heute verändern viele Hotels alle acht Jahre das Interiordesign, dann wird alles herausgerissen und billig neu eingerichtet. Ich finde: Wer sparen will, muss auf Qualität setzen.

Arbeiten Sie auch mal im Low-Budget-Bereich?

Mich hat vor einigen Jahren jemand gefragt, ob ich sein Restaurant umgestalten könne, er hätte aber nur 20 000 Schweizer Franken zur Verfügung. Ich dachte zuerst, mit solch einem kleinen Budget könne ich nichts machen, aber wir haben dort viel mit Farbe gearbeitet und das Restaurant wurde ein voller Erfolg. Ich arbeite nicht wegen des Geldes, mein Beruf macht mir einfach Freude.

Webseite des Innenarchitekten

Weitere Hotelprojekte finden Sie hier


Interview with Claudio Carbone

Hotel as synthesis of the arts

We wanted to know what makes a hotel an unmistakable place and for this purpose, we traveled to Bad Ragaz. A conversation with Claudio Carbone about hoteldesign as a fascination, projects costing millions and the luxury of a three-day week.

Interview: Claudia Simone Hoff

You work as an interior designer for large hotel chains. How did you go from being a carpenter to hotel designer?

My professional training results were very good and for this reason, the German state supported me with a grant so I could work with inlays or carvings in carpenters‘ workshops. As a result, my professional training was quite versatile. In 1984 I took part in the international carpenters‘ championships in St. Gallen.

Through contacts I was appointed as a lecturer at the local university. Back then I had a teacher aged 82, an ingenious interior designer: Walter Hartmann who employed me at his studio. Back in the day he worked for companies including Swiss Air as well as for hotels. That‘s where I was introduced to a completely new world. While I was still working for Walter Hartmann I studied interior design and later management.

That sounds like you‘re a workaholic.

No, I merely work three days a week. That‘s made possible by having a great team. I need to have new ideas all the time – consequently, I need time to think and refuel. In my opinion, humans are also at the core of hotels. The company will thrive if all employees are happy.

You just completed an ambitious project: converting Quellenhof in Bad Ragaz. How did you preserve the atmosphere of a grand hotel even though the establishment was completely technologically updated?

The hotel lacked air conditioning, something that is imperative for a five-star hotel nowadays. The major challenge was to integrate the technology into the existing building. It was necessary to rip out walls and ceilings. However, we made sure that historic architectural and design elements were preserved or reused.

Consequently, you will, for instance, find old stucco designs on the ceilings that had been concealed since the 1970s and the chandelier in the lobby was reassembled using crystals originating from Swarovski lights.

Time is money – that also applies to hotels, right?

Yes we had a time window of only five months for the conversion, that was a genuine challenge. During this time, we built structures totaling a budget of €41 million. That‘s quite an amount.

In terms of urban development, Quellenhof is very important to Bad Ragaz. Was there an architectural competition?

Yes, there was a tendered, confidential competition to which the who is who of the hotel designer industry was invited. Two offices were asked to showcase their concepts and we were one of them. Our design concept involved preserving the architecture as part of the conversion, yet completely redesigning the interior using furniture, lighting and fabric – in a contemporary grand hotel look.

Did you have design-based specifications for the project?

The briefing was headed up as sewing a new dress for the old lady, yet leaving her face unchanged. The reason being that around 70 percent of the hotel‘s guests are regulars. There was a major outcry when they heard that Quellenhof is planning a conversion. Many asked why the conversion was actually necessary.

However, the hotel had not been updated for 22 years and carpets as well as furniture had been tarnished by the signs of time. Six guests who have permanently rented suites even pushed through that their rooms were not converted. However, they have been taken aback by the project and are now having their old suites retrospectively updated.

You designed each item of furniture at Quellenhof yourself. Is that normal?

Yes, in my case it is. For instance, we also designed the entire furniture for the Andaz Vienna Am Belvedere – a project I implemented together with my Vienna-based colleague Gabriel Kacerovsky.

You are very consistent in what you do. Memories Restaurant at the Grand Resort Bad Ragaz had already been completely planned when you had the plans completely overturned. How come?

Head chef Sven Wassmer only joined the project at a late stage and his cuisine philosophy absolutely did not match the interior design. He exclusively uses local ingredients for his dishes and we also wanted to reflect this in the interior. It became clear to me that he would not be able to successfully work in the formerly planned environment. I then spent an entire afternoon with him and tried his cuisine – to feel how he thinks andworks.

How do you bring the location into the hotel?

Water is a paramount element of Bad Ragaz and this is reflected in the architecture and design of the entire building. The garden features two fountains while the foyer includes a waterfall-like ensemble of lights made of blown glass spheres hanging from the ceiling while the reception desk is made of Rheinquarzit. In the rooms we used carpets made of woven new wool with a water-like pattern we designed ourselves.

Looking at the materials, it becomes obvious that you have used plenty of wood at Quellenhof.

The Swiss grand hotel industry most of all uses fine woods made of nut, cherry and oak while hotels on a lower budget use spruce and fir wood. All these types of wood share the fact they grew locally. At Quellenhof we used nut for the flooring, also because this type of timber was already very commonly used in times when the hotel was established.

In which direction is hotel design heading?

When we redesigned Quellenhof we were able to resell all furnishings as they were still in sound condition. Nowadays many hotels change their interior design every eight years – everything is ripped out and replaced at low cost. I think that if you want to save money, you need to rely on quality.

Do you also operate within the low-budget spectrum?

The important thing is that work is fun and the chemistry is right. I got a call from a former student from thespecialist hotel school in Lucerne, asking me whether I would be prepared to redesign his restaurant on a budget of CHF 20 000. Initially I thought that I would be unable to do anything on such a small budget, but we used plenty of colors and the restaurant became a complete success. I don‘t work for the money, I just enjoy my job

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