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Biquadra

Die Inhaberin des Büros Biquadra über die Bedeutung von Orten
Christina Biasi-von Berg

Die Innenarchitektin und Architektin Christina Biasi-von Berg hat sich mit ihrem Büro Biquadra mit Hotelumbauten im Bestand einen Namen gemacht. Für sie bedeutet der Umbau von Bestandsbauten Nachhaltigkeit. Wir sprachen mit ihr über die Vorteile familiengeführter Hotels und die Bedeutung von Orten.

Interview Claudia Simone Hoff

Sie haben neben Ihrer Arbeit als Innenarchitektin Architektur studiert und gerade Ihren Abschluss gemacht.

Für mich ist die Trennung zwischen Architektur und Innenarchitektur oft schwierig, da ein Gebäude eine Einheit ist und auch so wirken sollte. Ich habe mich ursprünglich für das Studium der Innenarchitektur entschieden, weil es mir wichtig war und ist, den Raum zu gestalten, in dem wir am meisten Zeit verbringen.

Um in Italien eingabeberechtigt zu sein, habe ich dann noch Architektur studiert. Vor allem bei kleineren Projekten ist es ein Vorteil, das gesamte Planungsspektrum abzudecken.

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Christina Biasi-von Berg lebt seit 1999 in Italien und hat das (Innen-)Architekturbüro Biquadra 2005 in Meran gegründet. Portrait: Mads Mogensen

Wie sind Sie zum Hoteldesign gekommen?

Während meiner Zeit bei Matteo Thun in Mailand habe ich bereits an Hotelprojekten gearbeitet. Für das Projekt Vigilius Mountain Resort, das ich für Studio Thun betreut habe, bin ich nach Südtirol gekommen. Als ich dann 2005 mit meinem Mann das Büro Biquadra gründete, war es naheliegend, in diesem Bereich weiterzumachen.

Der Standort Südtirol bietet sich hierfür an und die Arbeit im Hoteldesign hat mich schon immer fasziniert, da die Aufgaben sehr vielfältig sind. Es geht dabei um temporäres Wohnen, öffentliche Räume wie Lobby und Restaurant sowie Räume für die Entspannung.

Wir planen aber auch für Unternehmen und private Kunden. Ich finde es wichtig, in verschiedenen Bereichen zu arbeiten, damit keine standardisierten Lösungen entstehen.

Biquadra
Wie bei ihren Hotelprojekten kombiniert Christina Biasi-von Berg auch in ihrem Büro in der Alpinistraße in Meran charmant Alt und Neu. Foto: Patrick Schwienbacher

Arbeiten Sie auch mit externen Designern zusammen?

Biquadra  arbeitet gern mit Designern und Künstlern zusammen, denn es ist immer eine Bereicherung, wenn verschiedene Ansätze aufeinandertreffen. So hat beispielsweise Harry Thaler für das Hotel Schwarzschmied die Leuchten entworfen und Hannes Egger die künstlerische Gestaltung der Zimmer und der Lobby übernommen.

Ist die Kreativszene in Südtirol besonders gut vernetzt?

Ja, denn wir sind nur wenige. (lacht) Außerdem ist Vernetzung bei räumlicher Nähe einfacher.

Mir scheint, dass es in Südtirol eine sehr designaffine Hotellerie gibt. Stimmt das?

Das stimmt. Immer mehr Hotels versuchen, sich durch Design abzuheben. Für mich gibt es aber noch zu wenige, die den spezifischen Charakter des Ortes und des Betreibers widerspiegeln. Glücklicherweise gibt es viele familiengeführte Hotels, bei denen dies möglich ist.

Biquadra
1477 Reichhalter: Die Patina der Tapete ist echt, der originale Sessel wurde neu gepolstert. Foto: Patrick Schwienbacher

Was machen familiengeführte Hotels anders?

Hoteliers in familieneigenen Betrieben identifizieren sich sehr stark mit ihrem Haus, was viel Kraft freisetzt. Da sie einen Großteil ihrer (Lebens-)Zeit in ihrem Hotel verbringen, ist es wichtig, dass sie sich dort wohlfühlen. Bei der Arbeit mit Hoteliers von familiengeführten Hotels versuche ich, deren eigene Werte umzusetzen, denn so entsteht Regionales und Nachhaltiges. Wenn sich Hotelier und Mitarbeiter wohlfühlen, spüren das die Gäste und kommen gern wieder.

Immer mehr Hotels öffnen sich den vor Ort ansässigen Menschen. Wie finden Sie das?

Das finde ich sehr gut! Ich bin sicher, dass die Zukunft des Hotels in der Durchmischung liegt. Das kann ein vor Ort Ansässiger sein, der sich bei einem Kaffee eine Auszeit nimmt, oder ein Geschäftsreisender, der die Arbeit mit dem Schönen verbindet. Ich hoffe, dass die Trennung zwischen Einheimischen und Touristen sich langsam auflösen wird, denn der Gast ist Einheimischer auf Zeit.

Bei einigen Ihrer Projekte scheint diese Durchmischung bereits gut zu funktionieren.

Richtig. Im 1477 Reichhalter und in der Villa Verde gibt es diese Durchmischung bereits. Das Reichhalter ist sowohl Hotel als auch Dorfgasthaus, was seinen besonderen Charme ausmacht. In der Villa Verde gibt es ein öffentlich zugängliches Kaffeehaus. Viele Hotels öffnen auch ihre Spa-Bereiche oder bieten kulturelle Events, die von Einheimischen genutzt werden.

Wenn Sie Möbel für Ihre Projekte entwerfen, welche Rolle spielt dabei die Regionalität?

Mir ist Regionalität sehr wichtig. Wir  von Biquadra entwerfen viele Möbel eigens für unsere Kunden und arbeiten mit vor Ort ansässigen Handwerkern zusammen. Nur so kann ein Projekt eine ortstypische Persönlichkeit bekommen.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Chalet Mimi in Lech am Arlberg, bei dem wir das Thema der traditionellen Stickerei Vorarlbergs integriert haben.

Dafür haben wir alte Stickmuster neu interpretiert, die sich nun als roter Faden durch das Projekt ziehen. Oder beim Gasthaus Reichhalter: Hier haben wir uns in die Atmosphäre des einfachen Dorfgasthauses eingefühlt und versucht, das Ortsspezifische herauszuarbeiten.

Ich möchte keinen einheitlichen Stil entwickeln, sondern bin der Meinung, dass man sich den Ort und seine Ressourcen ganz genau anschauen muss.

Wird der Ort im Hoteldesign insgesamt wichtiger?

Oft wird der Ort einfach nur verallgemeinert, beispielsweise mit einem Alpenstil. Er ist für mich nicht einfach nur ein Ort – es geht auch um Personen, Geschichte, Licht, Gerüche. Also nicht nur um das, was man sieht. Manchmal kann es auch sein, dass man ihn erst erschaffen muss.

Es gibt Projekte, bei denen der Ort sehr stark ist, und solche, bei denen er in den Hintergrund tritt und vielleicht die Geschichte des Besitzers interessanter ist.

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Christina Biasi-von Berg setzt im Chalet Mimi in Lech am Arlberg auf viel Holz als Reminiszenz an das traditionelle Bauen in den Alpen. Foto: Patrick Schwienbacher

Sie arbeiten viel an Projekten im Bestand.

Ja, das stimmt. Ich mag es gern, wenn es bereits eine Geschichte gibt, die man herausarbeiten kann. Für mich bedeutet der Umbau von Bestandsbauten Nachhaltigkeit. Man muss sich vorher gut überlegen, was man wegnimmt und was man hinzufügt. Wir versuchen bei unseren Projekten immer auch, bestehende Elemente zu erhalten, wiederzuverwerten oder zu reparieren. Re-Use ist nachhaltiger als einfach nur nachhaltig zu bauen.

Welchen Einfluss hat das Hoteldesign aufs Wohnen?

Für den Gast ist das Hotelzimmer eine Art Probewohnen. Er kann testen, in welcher Atmosphäre er sich wohlfühlt. Ich mag es, im Hotel Dinge auszuprobieren, weil die Aufenthaltsdauer des Gastes dort kürzer ist als zu Hause.

Für die Villa Verde haben wir beispielsweise Tapeten für die Ankleidezimmer der Wohnungen entworfen und dabei mit Assoziationen zum Park des Hotels gespielt.

Im Hotel kann man durchaus mal ein Statement setzen. Wenn ich private Häuser plane, plädiere ich grundsätzlich für ein zeitloses und hochwertiges Design.

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Der Salon der Villa Verde im südtiroler Algund wirkt mit Möblierung, Teppichen und Accessoires gemütlich wie ein privates Wohnzimmer. Foto: Günther Standl

Was kommt als Nächstes?

Biquadra hat gerade ein baubiologisches Massivholzhaus in Südtirol fertiggestellt, unser erster kompletter Neubau. Außerdem arbeiten wir an einem Re-Design für ein Stadthotel. Dabei geht es darum, eine neue Identität zu schaffen, denn die Lage des Objekts ist gut, aber es gibt keine wirkliche Geschichte.

Außerdem planen wir ein Hotel aus den Sechzigerjahren am Gardasee um. Eine Herausforderung, auf die ich mich sehr freue.

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