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Die DNA des Wohlbehagens

Interview mit Axel Frey, Innenarchitekt ByAK, München
Die DNA des Wohlbehagens

Innenarchitekt Axel Frey erläutert sein Gestaltungs- und Farbprogramm für die familiäre Atmosphäre im zeitgemäßen Office-Ambiente der Verwaltung für die Restaurantkette L’Osteria.

Mensch&Büro: Herr Frey, für die neuen L’Osteria-Büros mussten Sie einem kühlen Stahlbetonbau ein behagliches Ambiente abgewinnen. Was waren die akustischen Herausforderungen?
Axel Frey: Wir hatten es hier mit einem Betonkern-aktivierten Gebäude zu tun, das ausschließlich harte Raumoberflächen – Betondecken und Parkettböden – sowie eine großzügig verglaste Fassade aufweist. Um eine hohe visuelle Durchlässigkeit im Innenraum zu erzeugen, entschieden wir uns zusätzlich für einen sparsamen Einsatz von Trennwänden, die noch dazu im Bürobereich aus Glas sind. Akustisch hatte das Projekt also zunächst den Charme einer Turnhalle.
Wie sind Sie dem begegnet?
Die Situation konnten wir nur mit unterschiedlichen Maßnahmen lösen: Besonders wirksam sind die Akustikpaneele der Absorberklasse A, die wir an Wänden und als Raumteiler über den Highboards einsetzten. Hinzu kommen die Akustiksegel an den Decken. Schalldämpfende Funktion – immerhin der Klasse C – erfüllen auch die Vorhänge. Bei den Stühlen haben wir darauf geachtet, dass größere Flächen wie Rückenlehnen komplett mit Textilien bezogen sind. Ein Teppichläufer im Flurbereich sorgt dafür, dass nicht alle Mitarbeiter ständig beim betriebsinternen Schrittrekord einzelner Kollegen mitzählen müssen.
Apropos Direktschall: Wie erreichen Sie an den Gruppenarbeitsplätzen eine gewisse Privatsphäre?
Wir haben uns mit Buzzidesk für eine flexible Lösung entschieden: Beim Telefonieren können die Sicht- und Akustikschutzelemente so aufgestellt werden, dass nicht jeder im Raum zum unfreiwilligen Ohrenzeugen wird. Privatsphäre ist hier also „schaltbar“.
Waren die Mitarbeiter an der Planung der Büros beteiligt?
Nein. Es gab einen Bedarfsplan, wie viele Mitarbeiter in welcher Abteilung vorgesehen sind, eine Vorortbesichtigung der alten Büros, einen Grundriss der neuen Räume, die sich zum Planungszeitraum im Rohbau befanden und ein intensives Gespräch mit dem Inhaber über seine L’Osteria. Meiner Meinung nach ist für die Qualität einer New-Office-Konzeption größtmöglicher Gestaltungsfreiraum ohne zu viele Restriktionen entscheidend. Man will ja neue Wege aufzeigen.
Gab es bestimmte Wünsche? Und wie wurden diese umgesetzt?
Übergeordnetes Ziel war, das L’Osteria-Feeling der Restaurants in der Bürostruktur abzubilden: Ein Ort, an dem du Freunde triffst und dich wohlfühlst. Ein überdimensionaler Tisch, an dem gearbeitet, gegessen und gesprochen wird, bringt dieses Lebensgefühl zum Ausdruck. An den Gruppenarbeitsplätzen sorgt der Bürodrehstuhl ON für Beweglichkeit. Räuchereiche, Erdfarbtöne, bronzefarbiger Lack und Schwarzchrom schaffen Wärme und Entspanntheit.
Was sind die wesentlichen Ziele und Bestandteile Ihres Lichtkonzepts?
Licht und Schatten sind wichtig für die Atmosphäre in Räumen. Sie zonieren, sie betonen und sie bilden Funktionsbereiche ab. Die Arbeitsplatzleuchte KOI an den Workbenches schafft durch das indirekte und direkte Licht einen individuellen Bereich für jeden Mitarbeiter, der durch die Dimmbarkeit dem individuellen Lichtempfinden für ein entspanntes und dennoch konzentriertes Arbeiten angepasst werden kann. Sonderbereiche wie Empfang, Treppenhaus und Konferenzräume werden mit Lichtobjekten hervorgehoben. Uns war wichtig, mit Licht Spannungsfelder zu schaffen, ohne den spürbaren Lichtfluss durch die Räume zu stören.
Ist Ihr Gestaltungskonzept exklusiv an diesen Standort gebunden?
Das New-Office-Konzept wurde speziell für diesen Standort für L’Osteria entwickelt. Die ausgesuchten Produkte – von KOI bis ON – enthalten jedoch so viel L’Osteria-DNA, dass man diese auch in anderen Räumlichkeiten bestens einsetzen könnte. Das Licht- und Akustikkonzept müsste man bei einem Altbau mit seinen spezifischen Gegebenheiten – wie einer Stuckdecke – überarbeiten.
Das Interview führte Cordula Vielhauer
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