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Im Gespräch mit Sofia Souidi

Über Produkte mit nachhaltigen Zusatznutzen
Sofia Souidi

Wie man Wissenschaft mit Gestaltung verknüpfen kann, zeigt die Berliner Designerin Sofia Souidi mit ihren Arbeiten. Für Furore sorgt eine Materialinnovation: der nachhaltige Werkstoff ‚Superwood‘, den sie gerade zusammen mit dem Fraunhofer WKI entwickelt.

Autorin Claudia Simone Hoff

Es gibt Produktdesigner, die entwerfen Tische, Stühle und Leuchten. Auch Sofia Souidi interessiert sich dafür, Tische, Stühle und Leuchten zu entwerfen. Doch für die deutsch-algerische Designerin sollten Produkte am besten immer einen nachhaltigen Zusatznutzen haben – sie spricht von „einer Bedeutung über das Visuelle und Funktionale hinaus“. Dieser Ansatz zieht sich durch ihr gesamtes gestalterisches Schaffen und begann schon während des Studiums. „Nachhaltigkeit ist die Summe vieler Entscheidungen“, sagt die Gestalterin. „Im Design angefangen bei der Materialauswahl, über funktional systematische Aspekte bis zur Gestaltung emotionaler Qualitäten, die maßgeblichen Einfluss darauf haben, wie lange wir mit Dingen leben und ob sie mit uns altern dürfen.“

Sofia Souido
Foto: Ivo Hofsté

Clevere Leuchten von  Sofia Souidi

Als Master-Abschlussarbeit am Royal College of Art in London entwickelte Souidi die Tischleuchte ‚Gradient‘. Dabei wirft ein rotierender Schirm einen rechteckigen Lichtspot auf die Wand, der im Laufe des Tages weiter wandert und seine Lichttemperatur verändert, was dem natürlichen Tageslicht sehr nahe kommt. Auch eine andere Leuchte der Designerin zeichnet sich durch einen Zusatznutzen aus, der gerade in Zeiten von Energieknappheit interessant ist.

Sofia Souidi
Foto: © Studio Sofia Souidi

Die in einer Glasbläserei im Harz gefertigte Wandleuchte ‚Jojo‘ ist so konzipiert, dass sie im Laufe der Zeit immer dunkler wird, bis sie schließlich ganz erlischt. Die Idee sei ihr gekommen, als sie ihrem Sohn seine Gute-Nacht-Geschichten vorlas und er nicht einschlafen wollte, erzählt die Designerin. Zwar zeigten sich mehrere Hersteller interessiert, die Leuchten in Produktion zu nehmen, allerdings ohne den Zusatznutzen.

Sofia Souidi
Foto: Jana Grewe

Super Superwood

Sofia Souidi setzt sich intensiv mit gestalterischen, wissenschaftlichen und technischen Fragen auseinander. Sie hat eben einen langen Atem und geht durchaus Risiken ein, was das Ergebnis ihrer Experimente betrifft. „Ich mag es, mich mit einer Sache bis ins Detail zu beschäftigen und es laufend zu verbessern“, sagt sie. Das zeigt vor allem das Projekt ‚Superwood‘, mit dem Souidi für Aufmerksamkeit sorgt. Seit einigen Jahren schon tüftelt sie an der Materialinnovation – in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Holzforschung WKI.

Das Ziel: einen Werkstoff zu entwickeln, der dieselben Eigenschaften wie MDF hat, dabei aber nachhaltig ist. Aus ‚Superwood‘ sollen zukünftig Möbel in Serie gefertigt werden können, aber auch maßgefertigte Stücke für Messe- und Ausstellungsarchitekturen entstehen. ‚Superwood‘ setzt sich aus nur drei Bestandteilen zusammen: recycelte Holzfasern, natürliche Farbpigmente und Casein-Leim, der schon im Alten Ägypten für den Möbel- und Bootsbau verwendet wurde.

Das nachhaltige Material kann mit Formwerkzeugen in gebogene Formen gepresst werden. Die Forschungen und Experimente am Fraunhofer WKI sind inzwischen weit vorangeschritten, erzählt die Designerin bei einem Gespräch in Berlin.

Die im Vergleich zu den herkömmlichen Plattenwerkstoffen erforderlichen Materialeigenschaften Stabilität und Querzug wurden bereits erreicht, an der Feuchtigkeitsbeständigkeit wird noch gearbeitet. Souidi hat keine Zweifel, dass sie genug Abnehmer für das Material finden wird, wenn das Prüfungsverfahren abgeschlossen ist. Einige Möbelhersteller stünden bereits in der Warteschlange.

‚Lakes in Transition‘
Foto: Ivo Hofsté

3d-Keramikdruck

Auch Sofia Souidis aktuelles Projekt spiegelt ihr Experimentierfreude wider: Im Studio eines Freundes ist die Vasenkollektion ‚Lakes in Transition‘ im 3D-Keramikdruck entstanden. Sie ist von der Wasserknappheit verschiedener Brandenburger Seen inspiriert, deren Umrisse die Form der ungewöhnlichen Vasen bilden.

Der jeweilige Wasserstand ist an der Außenseite der Objekte angezeigt – in einem blauen Dekor, das an die traditionellen, blauweißen Porzellandekore erinnern soll. „Alle Produkte, die ich entworfen habe, sind durch eine experimentelle Arbeitsweise entstanden“, sagt Souidi. Wir sind jedenfalls gespannt, welche Experimente sie als Nächstes wagt und mit welchem Produkt aus ‚Superwood‘ sie uns überraschen wird.

Weitere Designerportäts finden Sie hier


Sofia Souidi hat Industriedesign an der Fachhochschule Potsdam sowie am Royal College of Art in London studiert und arbeitet als selbstständige Designerin mit eigenem Studio in Berlin-Kreuzberg. Sie interessiert sich vor allem für neue Materialien und Technologien. Im Fokus ihres kreativen Schaffens: das Thema Nachhaltigkeit.

Webseite der Designerin

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