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New Tendency

Manuel Goller über die Bedeutung lokaler Produktion
New Tendency

Mit ihrem Green-screen-Messestand auf der imm cologne 2019 war ihnen die Aufmerksamkeit der Designwelt sicher. Die Brüder Manuel und Christoph Goller bilden mit Sebastian Schönheit New Tendency. Ihre Entwürfe lassen das Bauhaus ein Stück weit wiederaufleben.

Interview Katharina Feuer

Der Corona-Virus bestimmt zurzeit unser Leben. Manuel, wo bist Du gerade? Wie geht‘s Euch?

Generell geht‘s uns gut. Ich bin in unserem Studio in Berlin-Kreuzberg, aber unsere Mitarbeiter sind im Homeoffice, da sich viele um ihre Kinder kümmern müssen. Covid-19 und der damit verbundene Lockdown war natürlich ein Schock für uns alle.

Wir bedauern die Lage vieler Menschen, die jetzt in Not geraten. In unserem persönlichen Umfeld geht es allen gut. Da ist es leichter, auch die positiven Seiten der Krise zu sehen – obwohl einige unserer Projekte auf Eis gelegt oder verschoben wurden.

Gibt es gerade etwas Positives?

Wir sind alle gesund. Das ist das absolut Wichtigste. Die mit der Krise verbundene Zwangspause hat uns Zeit verschafft, viele liegengebliebene Projekte der letzten Monate ohne den Druck des alltäglichen Geschäfts anzugehen. Wir haben die Zeit außerdem genutzt, um in Ruhe die vergangenen Jahre zu reflektieren und Zukunftspläne zu schmieden.

Eure extrem straighten, reduzierten und funktionalen Entwürfe lehnen sich formal an das Bauhaus an. Was ist das Ergebnis eurer Reflexion?

Wir möchten uns in Zukunft mehr Freiräume schaffen, um noch intensiver und mit mehr Zeit an neuen Produkten zu arbeiten.

Euer Vorteil in der jetzigen Situation ist, dass New Tendency hauptsächlich in Deutschland produziert. Welche Gründe haben Euch dazu bewogen?

Wir sind nicht nur Designer, sondern auch Produzenten und legen viel Wert auf die Fertigungsqualität. Ein direkter, persönlicher Austausch mit unseren Partnerbetrieben ist daher wichtig für uns. Die kurzen Wege ermöglichen es uns, im engen Kontakt zu bleiben und die Qualität der Produkte zu prüfen, ohne dafür um die halbe Welt zu fliegen.

Mit unserer Produktion in Deutschland sind wir nicht nur nachhaltiger, sondern auch agiler als Firmen, die ihre Waren über die Weltmeere verschiffen. Der Vorteil hat sich während der Covid-19- Krise weiter herauskristallisiert: Die Produktion läuft konstant weiter, wir können weiterhin schnell liefern.

Der Produkionsstandort Deutschland hat seinen Preis.

Das stimmt. Ein Tisch, Sofa oder Regal, das in Deutschland hergestellt wird, hat natürlich seinen Preis. Ich denke aber, dass die Krise zeigt, dass es sich lohnt, in regionale Produkte zu investieren.

Wer sind demnach Eure Kunden?

Das kann die Studentin sein, die beispielsweise auf ein ‚Float Shelf‘ spart, aber auch solvente Ästheten, die sich intensiv informieren, sich Gedanken machen und sich bewusst für ein New-Tendency-Produkt entscheiden. Unsere Kunden konsumieren nicht wahllos, sondern haben einen hohen Anspruch an die Produkte, mit denen sie sich umgeben. Diesem Anspruch wollen wir mit unserer Kollektion gerecht werden.

Fokussiert Ihr Euch also mehr auf den privaten Kunden?

In erster Instanz war das so. Aber seitdem hat sich die Arbeitswelt enorm gewandelt. Der Anspruch an den Arbeitsplatz ist gestiegen. Linear dazu zogen die Anfragen aus dem Objektbereich an. Hochqualifizierte Mitarbeiter erwarten neben einem guten Gehalt ein professionell gestaltetes Arbeitsumfeld, in dem sie sich genauso wohlfühlen wie zu Hause.

Das ergibt Sinn, wenn man bedenkt wie viel Zeit man jeden Tag im Büro verbringt. Neben Privatpersonen sind unsere Kunden Innenarchitekten, Architekten und Unternehmen, die dem Anspruch ihrer Mitarbeiter gerecht werden und diese dadurch langfristig an sich binden wollen.

Dieses Jahr fiel der Salone aus. Wie sehr hat das Euch als Büro getroffen?

Wir sind davon glücklicherweise nur indirekt betroffen. Natürlich vermissen wir die tolle Zeit, die guten Gespräche und Negronis in der Bar Basso. Eine eigene Ausstellung war für 2020 jedoch nicht geplant.

Wir fokussieren uns seit einigen Jahren vor allem auf London, New York und Köln. Die Messen sind zwar kleiner und weniger spektakulär als Mailand, aber wir können uns mehr Zeit für unsere Kunden vor Ort nehmen und unsere Produkte auf größeren Flächen präsentieren.

Wir haben von Anfang an digitale Medien genutzt, um unsere Produkte und die Marke zu kommunizieren. Das wollen wir noch weiter ausbauen.

Was heißt das konkret?

Wir bewerben unsere Produkte verstärkt über unsere Website und Social Media wie Instagram. Wir beobachten, dass diese digitalen Kanäle immer intensiver genutzt werden.

Auf der anderen Seite investieren wir in persönliche Kontakte zu Händlern, Innenarchitekten und Architekten, die von unseren Produkten überzeugt sind und das auch authentisch weitervermitteln können. In den nächsten Jahren planen wir einen ersten eigenen Showroom in Berlin.

Ganz ohne die reale Welt geht es bei Möbeln also auch in Zukunft nicht?

Keinesfalls, das muss sich ergänzen. Wir möchten im Showroom den Kontakt zu unseren Kunden intensiv pflegen, mit Zeit Entwicklungsprozesse, unsere Gedanken und die Geschichte hinter dem Produkt vermitteln. Das hat sicherlich mehr Bestand, als anonymes, unreflektiertes Konsumieren.

Qualität vor Quantität, persönlicher Kontakt vor anonymer Masse, Zeit vor Geschwindigkeit – Eure Arbeitsphilosophie?

(Lacht) Das trifft es ganz gut.

Ihr habt offensichtlich keine Angst vor Farben, meist knallen sie monochrom. Was steckt dahinter?

Es ist faszinierend, wie unterschiedlich ein Objekt allein durch die Farbgebung wirken kann. Farben sind einfach klasse!

Richtig los ging es mit den Farben, nachdem ich das Wohnhaus des Architekten Luis Barragán in Mexico-Stadt besucht habe. Das Haus wirkte von außen so unscheinbar und entwickelte erst nach dem Betreten eine fantastische Welt voller wunderbarer Materialien und Farben.

Wir haben uns im Anschluss intensiv mit der Wirkung von Farben beschäftigt uns unsere bis dahin eher einfarbige Palette erweitert.

Auffallend ist auch. dass ihr viel mit Metall arbeitet.

Am Anfang waren wir da noch breiter aufgestellt, das stimmt. Aber mit unserem Anspruch, ein Material komplett zu verstehen, zu erfassen und ausreichend Erfahrung zu sammeln, ergab sich in der Konsequenz, sich erst einmal auf ein Material stärker zu fokussieren. Mit Metall kann man sehr präzise arbeiten und wir fühlen uns wohl mit dem Material.

Gibt es ein Wunschobjekt, das ihr unbedingt mal entwerfen wollt?

Das ist der Stuhl. Der fehlt in unserer Kollektion. Ein sehr komplexes Thema! Wir ziehen den Hut vor allen, die sich mit diesem schwierigen Objekt bereits erfolgreich auseinandergesatzt haben.

Der steht ganz oben auf unserer wish list. Aber das braucht noch seine Zeit.

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Foto: Jonas-Lindstroem

Nach dem Studium an der Bauhaus-Universität Weimar gründete Manuel Goller mit seinem Bruder Christoph und Sebastian Schönheit quasi aus dem Wohnzimmer heraus das Designstudio New Tendency. Seit 2012 überzeugen die drei Diplomdesigner mit Charakter-Objekten. Die Produkte der Mittdreißiger sind weltweit gefragt.

www.newtendency.com

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