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Die Arbeiten der Designerin Cecilie Manz sind skandinavisch, zeitlos, reduziert.

Von Grund auf neu beginnen
Cecilie Manz

Viel Leidenschaft, Liebe für das, was sie tut und Ausdauer haben die dänische Designerin Cecilie Manz dorthin gebracht, wo sie heute steht: Selbstständig, frei und in der angenehmen Position, ihre Kunden aussuchen zu können. Ihr Design ist skandinavisch, zeitlos, reduziert.

Interview Katharina Feuer

‚Luv‘ ist die erste Produktserie, die Sie für den Bereich Bad entworfen haben. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Duravit?
Cecilie Manz: Duravit hat mich angesprochen. Weil ich eine skandinavische Designerin bin und weil ich eine Frau bin.
Weil Sie eine Frau sind? Hat Duravit zuvor noch nie mit weiblichen Designern gearbeitet?
Scheinbar nicht. Es war ihnen aber offensichtlich wichtig, mit einer Frau zusammenzuarbeiten. Wobei ich nicht weiß, was genau sie sich davon erhofft hatten.
Was glauben Sie, wieso gibt es so wenige Frauen, die erfolgreich als Designerin sind?
Vielleicht liegt es an der Schwierigkeit, alles unter einen Hut zu bekommen? Das Leben, der Job, die Familie? In Skandinavien haben wir gute Rahmenbedingungen bei der Kinderbetreuung und staatlichen Unterstützung. Das ist nicht überall so, siehe Schweiz. Man muss es wirklich wollen, als Designerin zu arbeiten. Vielleicht fehlt der letzte Funke Willen?
Entwirft man denn als Frau anders, als ein Mann?
Ich kann das nicht pauschal beantworten. Aber ich wusste nicht, was Duravit von mir als Frau erwartet. Wenn ich mich in ein Thema vertiefe, kommt mein Design heraus. Das hätte auch schwarz und eckig sein können. Ist das weibliches Design?
Nun, offensichtlich ist ihr Entwurf ‚Luv‘ nicht schwarz und eckig. Hatten Sie Vorgaben von Duravit?
Kaum, wenige Worte und wir hatten uns auf ein Thema geeinigt. Man ließ mir viele Freiheiten. Erste Ideen habe ich auf über 100 Seiten präsentiert.
100 Seiten?
Ja, es ist mir wichtig, den Recherche-, Entwicklungs- und Designprozess aufzuzeigen. Es hilft mir, besser zu argumentieren, wenn es um Details geht. Gerade bei technischen Problemen oder kleinen Änderungen kann ich mich darauf berufen. So verliert man seine Idee nicht aus den Augen.
Welche Idee steckt hinter ‚Luv‘?
Ich hatte von Anfang an dieses Bild einer mit Wasser gefüllten Schale auf einem Tisch vor Augen.
Das kenne ich auch noch von meiner Oma: Schale, Kanne, Handtuch.
Das ist nicht lange her. Dieses Bild versuche ich mit ‚Luv‘ in die heutige Zeit zu transportieren.
Wie verlief die erste Zusammenarbeit mit einem deutschen Unternehmen?
Es war eine sehr positive Erfahrung. Verbindlich, zuverlässig, sehr professionell und genau. Ich habe schon Kooperationen erlebt, die im Sande verlaufen sind. Aber Duravit war nicht das erste deutsche Unternehmen.
Sondern?
Nils Holger Moormann hatte 1999 meine ‚Ladder Hochacht‘ in der md gesehen, mich angerufen und gefragt, ob er den Entwurf produzieren dürfe. Das war unglaublich und ist mir seither auch nicht mehr passiert.
Wir haben also dazu beigetragen? Vielleicht zeigen wir wieder Entwürfe von ihnen und das Telefon klingelt?
Mittlerweile befinde ich mich in der luxuriösen Situation, dass ich wählen kann. Das war nicht immer so.
Wie war es denn am Anfang?
Als ich 1997 in Kopenhagen mein Studio gründete, sagte mir eine befreundete Designerin, dass ich mit fünf Jahren rechnen müsste. Dann könne ich davon leben. Heute würde ich jungen Designern sagen, dass man realistisch zehn Jahre braucht.
Zehn Jahre? Das ist Wahnsinn.
Ja, das war hart. Aber ich wollte das: selbstständig sein, mein eigener Chef sein, eigene Erfahrungen und Fehler machen.
Und ihr eigenes Design …
… ja, wobei man schon flexibel sein muss. Da kämpfe ich jeden Tag mit mir! Einerseits an meinen Entwürfen festzuhalten und andrerseits auf die Wünsche der Kunden einzugehen.
Wie weit würden Sie denn gehen, um einen Kundenwunsch zu erfüllen?
Also, ich muss mich schon noch in den Produkten sehen können. Ich entwerfe nicht unter Pseudonym.
Wie entwerfen Sie?
Ich schaue nie danach, was es bereits gibt, sondern beginne von Grund auf neu. Man kann das mit einem Schwamm vergleichen. Ich sauge alles auf und dann beginnt der Weg der Entscheidungen, des Weglassens. Ohne dabei ins Banale abzurutschen.
Cecilie Manz, vielen Dank für das Gespräch.
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