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Studio Besau Marguerre

New-Work-Spezialisten, Designer, Farbfetischisten
Studio Besau Marguerre

Gerade weil alles auf den Punkt perfekt und harmonisch wirkt bei den Entwürfen des Hamburger Designstudios Besau Marguerre, könnte man glatt vergessen, dass dahinter viel Energie und Arbeit steckt. Ein Austausch – kurz vor dem zehnjährigen Jubiläum.

Autorin Katharina Feuer

Eine Krise kann man auch als Chance begreifen. Marcel Besau und Eva Marguerre machen den Eindruck, als ob ihnen die vergangenen Monate gut getan haben.

Stop-Taste gedrückt

„Wir sind all die Jahre davor gefühlt immer nur gerannt und haben Gas gegeben. Dabei haben wir viel gelernt und mitgenommen, tolle Menschen getroffen und unglaubliche Projekte realisiert, wofür wir wir auch sehr dankbar sind. Aber immer nur rennen, das geht nicht. Jetzt wurde mal die Stop-Taste gedrückt“, fasst die Designerin diese Chance, innezuhalten und zu reflektieren zusammen.

Marcel Besau, ihr Partner im Leben wie auch im Designstudio, ergänzt: „Nächstes Jahr feiern wir zehnjähriges Jubiläum. Da passte es gut, auch mal zu hinterfragen: Was wollen wir? Was passt zu uns?“ Die Antwort folgt.

Was bedeutet New Work?

Das Designstudio Besau Marguerre befasste sich bei seinem jüngsten Projekt mit dem Thema „New Work“. Der Projektstart für den Bürospezialisten Sigel fiel in den ersten Lockdown. Plötzlich war das Thema aktueller denn je. Aber was bedeutet das Trendwort eigentlich?

„Der Begriff ist tatsächlich etwas überstrapaziert. Es geht um das genaue Hinschauen bei Arbeitsprozessen und die Frage: Was brauchen wir am Arbeitsplatz? In welchem Umfeld kann sich der Mitarbeiter am besten entfalten? „New Work“ meint, individuelle Bedürfnisse zu erkennen und in eine Interieur-Bürogestaltung umzusetzen – das Gegenteil von starren, unreflektierten Konzepten.“

„Wir haben ‚New Work‘ immer schon ein Stück weit gelebt“
Eva Marguerre

Tatsächlich arbeiten die beiden selbst schon länger – bewusst oder unbewusst – nach diesem Konzept. Ihre Arbeit findet im steten Wechsel zwischen ihren Schreibtischen, der Werkstatt, Messen, Baustellen, Kundenbesuchen und der Bank vor ihrem Hamburger Studio statt.

Transparenz, Vielschichtigkeit und Flexibilität

Durch die Arbeit für Sigel hätten sie allerdings ihr eigenes Handeln noch einmal genauer beobachtet. Das modulare Board ‚Mocon‘ ist ein Ergebnis der Selbstanalyse. Inspiriert von einem klassischen Whiteboard, das fixiert an der Wand für Skizzen dient, entwickelten die beiden ‚Mocon‘, um mehr Transparenz, Vielschichtigkeit und einen hohen Grad an Flexibilität zu erreichen.

„Mit ‚Mocon‘ kann man kreative Prozesse abbilden: mit Ideen und Gedanken spielen, verwerfen, also nach hinten schieben oder nebenan stellen. Fächer aus unterschiedlichen Oberflächen und Größen bilden einen collagenhaften Charakter aus, der dem Kopf helfen und frei im Denken machen soll.“

Ein erstaunlich haptischer, analoger Ansatz der beiden – gerade in Zeiten, in denen die Digitalisierung in aller Munde ist.

Das Analoge bleibt

„Wir sind überzeugt: Es braucht das Analoge. Wir sind materielle Wesen. Wir brauchen die Haptik, das Visuelle. Wir müssen unsere Gedanken sammeln. Schreiben. Zeichnen. Notizen machen. Das geht alles natürlich auch am Rechner, aber wenn man als Team zusammenkommt und kreativ zusammenarbeiten will, stößt man schnell an seine Grenzen.“

Modulares Board ‚Mocon‘

Magnetische, textile, akustisch wirksame Flächen zum Pinnen, Beschreiben und Bekleben helfen, die Gedanken auf die Fläche zu bringen.

„Man kann das mit einem Block für Skizzen vergleichen.“ ‚Mocon‘ funktioniert überall wo Menschen zusammenkommen und sich austauschen. Marcel Besau: „Es ist natürlich nicht das erste Whiteboard, aber es ist eine neue Art der Nutzung. Es soll Innenarchitekten und Gestaltern die Möglichkeit geben, Arbeitsräume flexibler gestalten zu können.

Hamburger Studio erhält ein Facelift

Da die Orgatec im Oktober ausfiel, nutzten die Designer kurzerhand die eigene Bürofläche, um das modulare Boardsystem zu präsentieren und zu zeigen, wie es funktioniert. Vorteil: Das Hamburger Studio erhielt so nach neun Jahren ein Facelift und strahlt in neuen Farben. Ach ja, Farben!

Farben und Eva – Marcel und Farben. Farben sind wie die Luft zum Atmen für die beiden. Sie arbeiten ohne Berührungsängste mit kräftigen Tönen. Dennoch hat man nie den Eindruck, dass sie übertreiben oder einen überfordern. In seiner Buntheit wirkt alles harmonisch. Wie machen sie das?

Ohne Farben geht es nicht

„Die Farbe steht bei unserem Entwurfsprozess schon am Anfang fest. Wir beschäftigen uns damit von Anbeginn. Ich könnte es auf die Intuition schieben, aber genau genommen schauen wir uns unsere Kunden sehr genau an. Oft entwickelt sich dann schon ein Gefühl, das schwer rational zu erklären ist“, fasst Eva ihr Farbverständnis zusammen. Dabei liegt das Paar auf einer Wellenlänge. Doch ganz so einfach ist es nicht.

„Es kann schon passieren, dass wir uns mehrere Tage mit einer Farbe beschäftigen. Dann liegen vor unserem Studio auf dem Boden sechs Grüntöne, zwischen denen wir wählen. Ein Außenstehender würde sagen: Die sehen doch alle gleich aus! Ich würde erwidern: Nein, dazwischen liegen Welten!“

New Work à la Besau Marguerre

Diese kleine Episode sagt viel über die Art des Arbeitens des Duos aus. „Es gibt manche Menschen, die am besten in Ruhe arbeiten können. Ich brauche mein Umfeld, die Natur, meinen Kiez, meine Stadt. Ich sitze gern draußen auf der Bank und skizziere. Und natürlich wird man da auch mal in ein Gespräch verwickelt. Das schätze ich sehr“, erläutert Eva ihr Verständnis von New Work à la Besau Marguerre.

Man staunt nicht schlecht, wenn man die Liste bisheriger Kunden überfliegt, für die das Studio in den vergangenen zehn Jahren aktiv war. Wie erklären sich Marcel Besau und Eva Marguerre diesen Erfolg?

Interdisziplinäres Arbeiten

Zuerst fallen Stichworte wie Ehrgeiz, Motivation, Interesse, Fleiß, Glück. Dann wird es differenzierter: „Wir hatten sicherlich den Vorteil, dass man an uns geglaubt hat und wir früh die Chance erhielten, auch für namhafte Unternehmen wie Vitra, Fürstenberg und e15 zu arbeiten“, fasst Eva es zusammen.

„Sicherlich kommt uns zu Gute, dass wir von Anfang an interdisziplinär Arbeiten wollten. Bei uns hat der Kunde den Vorteil, dass er neben einem Produkt auch die Produktionsdetails, die Präsentation sowie Kommunikation ordern kann“, ergänzt Marcel Besau.

Um sich sein Profil in dieser Form zu schärfen, sind ein paar Monate im Studio in Hamburg ganz gut. Vollgas mit 100 %, anstelle von 150.


Studio Besau-Marguerre

Der Industrie-, Produkt- und Grafikdesigner Marcel Besau (Jg. 1980) und die Produkt- und Ausstellungsdesignerin Eva Marguerre (Jg. 1983) lernten sich während ihres Studiums in Karlsruhe kennen. 2011 gründeten sie das Studio Besau Marguerre in Hamburg. Ihr ganzheitlicher Gestaltungsansatz umfasst die Bereiche Produktdesign, Innenarchitekur, Visuelle Kommunikation und Styling.

Webseite des Hamburger Duos

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