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Alfredo Häberli im Interview über Lieblingsmaterialien. md-mag.com

Interview
Alfredo Häberli über sein Projekt Boden und Emotionen

Der international erfolgreiche Designer Alfredo Häberli ist “Special Guest” der Domotex 2017. Der gebürtige Argentinier sprach mit md-Autor Jörg Zimmermann über Boden und Emotionen.

Sommer in Zürich. Alfredo Häberli ist entspannt aus dem Urlaub zurück. Eine fremde Katze schleicht ungebeten durch die offene Studiotür und erkundet neugierig Boden und Räume. Womit wir mitten im Thema sind: Alfredo Häberli ist “Special Guest” der Domotex 2017. Als “idealen Botschafter” hat die führende Messe für Teppiche und Bodenbeläge den erfolgreichen Designer für kommenden Januar nach Hannover eingeladen. Und in der Tat hat der Schweizer mit argentinischen Wurzeln bereits Designs für alle Kategorien von Bodenbelägen entwickelt – Teppichböden für Carpet Concept, Teppicheditionen für Ruckstuhl, Parkett und Laminat für Parador und ganz aktuell für die kleine mallorquinische Fliesenmanufaktur Huguet schlichte Zementfliesen.
Herr Alfredo Häberli, als Designer beschäftigen Sie sich nicht nur mit Dingen, sondern auch mit dem Raum. Was zeichnet den Raum aus?
Wenn man in der Architektur über den Raum spricht, ist oft die Rede von Boden, Wand und Decke. Diese Elemente definieren den Raum und begrenzen sein Volumen. Dabei ist der Boden für mich fast der wichtigste Bestandteil, denn er ist die Basis für alles Räumliche. Warum? Weil wir mit dem Boden die meisten persönlichen Erfahrungen haben, viel mehr als mit Wänden und Decke. Mit unseren Füßen bauen wir einen direkten Kontakt auf. Schon als Kinder sammeln wir erste Eindrücke mit dem Boden. Zum Beispiel, wenn wir barfuß über kühle Steinplatten laufen. Oder auf einem weichen Sandstrand oder über spitze Steine. Diese Erfahrungen verdichten sich und wir bekommen ein besonderes Gefühl für Boden. Beim Boden geht es für mich immer auch stark um Emotionen.
Sie haben schon einige Entwürfe für Böden gemacht, vor Kurzem wurde ein Projekt für das Unternehmen Parador vorgestellt. Was ist die gestalterische Herausforderung beim Design von Böden?
Es ist keine leichte Aufgabenstellung, neue Böden zu entwerfen. Die Schwierigkeiten werden sofort deutlich, wenn man einmal bestehende Entwürfe anschaut. Man merkt schnell, dass oft etwas mit den Dimensionen nicht stimmt. Vermutlich, weil viele Designs am Tisch auf einem Blatt Papier entstehen. Da stimmt dann einfach die Betrachtungsdistanz nicht. Der Abstand Auge/Tisch ist anders als der Abstand Auge/Boden. Deshalb haben wir bei den Entwürfen für Parador mit sehr großen 1:1-Ausdrucken gearbeitet.
Welche Wirkung haben Sie bei Ihren Entwürfen im Sinn?
Ein Boden wirkt eigentlich in zwei Phasen. Man kann das gut beobachten, wenn man zum Beispiel in einem Sessel in einer Hotellobby sitzt. Zunächst gibt der Boden dem Raum ein Colorit und eine größere Struktur. Er wirkt wie eine Oberfläche. Erst wenn man längere Zeit darauf schaut, nimmt man Details wahr. Wir sehen kleinere Strukturen und glauben, Muster zu erkennen. Manchmal freuen wir uns, dass wir das Raster gefunden und verstanden haben, um dann sofort zu merken, dass der Aufbau doch anders ist. Solche Konstellationen finde ich spannend.
Die Struktur und die Oberfläche des Bodens werden immer auch durch Material geprägt.
Auf jeden Fall. Aber mit der Materialität ist es so eine Sache. Der Umgang mit Material könnte generell mutiger sein. Auf der einen Seite möchten wir, dass ein Produkt, wie beispielsweise ein Stuhl, ewig hält. Auf der anderen Seite darf dieses Objekt aber keine Patina bekommen. Die Industrie tut sich sehr schwer mit Gebrauchsspuren. Es gibt eine große Ambivalenz, auch auf Nutzerseite. Im Garten wünschen wir uns Natursteine als Terrassenoberfläche und wundern uns dann, dass bei einem echten Naturprodukt die Oberfläche per Definition nicht hundert Prozent plan ist und ein Stuhl unter Umständen ein bisschen wackelt.
Welche Oberflächen sind Ihnen besonders in Erinnerung? Haben Sie ein Lieblingsmaterial?
Ich erinnere noch sehr gut den Boden in einem Bad in einem spanischen Ferienhaus. Kieselsteine waren in einem Betonbett eingebettet. Gerade so, dass man die Kiesel unter der nackten Fußsohle angenehm wahrnehmen konnte. Eine besondere Erfahrung. Ich persönlich liebe die Qualität von unbehandeltem Holz. Es ist hart, vermittelt aber dennoch ein lebendiges Gefühl.
Neben den Hartböden wie Parkett und Laminat gehören Teppiche zu den klassischen Bodenbelägen.
Teppiche und Teppichböden spielen eine große Rolle, sowohl im Home-Bereich als auch in Büros und öffentlichen Räumen. Allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Viele Wohn- räume sind heute sehr minimalistisch gehalten, mit viel Weiß, großen Glasflächen und anderen harten Oberflächen. Auflageteppiche bieten eine elegante Möglichkeit, Farbe in die Räumen zu bringen. Gleichzeitig verbessern sie auch die akustischen Eigenschaften des Raums. Im Office finde ich es spannend, wie gut es mit Teppichboden gelingt, eine Atmosphäre zu schaffen. Als Designer interessiert mich auch die Herstellung. Das sind industrielle Abläufe mit hohem Investitionsaufwand, die ein großes Produktionsvolumen fordern.
Gibt es im Bereich Boden noch Möglichkeiten für Innovationen?
Interessant wäre, den Raum und damit den Boden neu erfahrbar zu machen. Künstler wie Donald Judd oder James Turrell haben sehr beeindruckend mit der Wirkung von Objekten und der Architektur gearbeitet. In ihren Arbeiten verschwimmen die Grenzen der Elemente und damit der Erfahrungen. Interessante Innovationen würden wohl an unseren Erfahrungen mit dem Boden angreifen. Stellen Sie sich den Gang über einen Glasboden in größerer Höhe vor. Da wird am gelernten Gefühl gerüttelt. Am Ende müsste natürlich ein positives Erlebnis bleiben.
Das Interview mit Alfredo Häberli führte Jörg Zimmermann
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