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Günther Domenig: vier Ausstellungen

Ausstellung anlässlich des 10. Todestages
Günther Domenig

Fokus auf Günther Domenig: Das Land Kärnten blickt an vier Orten in diesem Sommer auf den renommierten Architekten, der vor 10 Jahren in Graz verstarb.

Autorin Claudia Luxbacher

Günther Domenig wirkte an der Grazer Technischen Universität als Professor und prägte die Grazer Schule. Noch bis zum 16. Oktober wird sein Werk an vier Orten reflektiert: In Klagenfurt im Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK) und dem Architektur Haus Kärnten; zudem in Hüttenberg/Heft und in Steindorf am Ossiacher See, wo bedeutende Architekturen von Günther Domenig zu erkunden sind.

Die Annäherung an Günther Domenig erfolgt inspirierend vielfältig. Verbindend ist eine einheitliche Gestaltungssprache der Kommunikationsmittel und Ausstellungsgestaltung an allen Orten: Veronika Platz hat, im Auftrag von bueronardin, grazile raumstrukturierende Displays aus Armierungsstahl und MDF-Platten entwickelt. Sie präsentieren Exponate, nehmen Text- und Bild-Informationen auf oder bilden Tische aus. Zugeordnete Stühle heben sich in Farbe und Form ab. Hier kann der Besuchende auf einem originalen Domenig Platz nehmen: beige, stapelbare Kunststoff-Sessel mit orangener Textilauflage, die der Architekt für die Kapelle der Schulschwestern in Graz entworfen hat (1968). Im MMKK wird dieses Projekt vorgestellt und Paravents aus der Kapelle sind im Ausstellungbereich „Das Utopische“ als raumtrennendes Element eingesetzt.

Museum Moderner Kunst Kärnten

Das MMKK bietet, gegliedert in sechs Themenbereiche (Das Re-Aktivierte, das Utopische, das Körperliche, das Funktionale, das Unbekannte und das Manifeste), einen umfangreichen Überblick über das Werk Domenigs anhand von Zeichnungen, Modellen, Fotografien und Dokumentarfilmen und vermittelt auch unbekanntere Facetten des Künstlerarchitekten, wie er sich selbst nannte: beispielsweise Domenig als Bühnen- und Kostümbildner und als Landschaftsarchitekten.

Ein originales Modell der architektonisch-künstlerisch ausgeformten Gesamtanlage des Steinhauses am Ossiacher See ist zentrales Exponat im Ausstellungbereich „Das Manifeste“. Den Ausstellungsraum prägt eine abgehängte Decke aus gefalteter KTM Verpackungskartonage, die mit einer vertieft gesetzten Lichtleiste, den Bewegungsfluss der Besuchenden aufnimmt und zugleich die originalen Entwurfszeichnungen, die an den Wänden präsentiert sind, vor intensivem Licht schützt. Die Installation stammt vom Künstler Peter Sandbichler.

Wechselwirkung von Architektur und Skulptur

Seine Arbeit bewirkt eine Resonanz zwischen Modell und Ausstellungsort. Die Wechselwirkung von Architektur und Skulptur – fundamental für Günther Domenigs architektonische Gebilde – wird unmittelbar als körperliche Erfahrung spürbar. Auch andernorts tritt zeitgenössische Kunst oder Kunst aus der Sammlung des Museums in die Ausstellung. Sie steht in Bezug zu den Themenräumen und durchwirkt den Parcours in seinem Verlauf immer stärker bis hin zum letzten Ausstellungsraum, der gänzlich von Anna Rubin mit der Arbeit „Überflug“, aus dem Jahr 2022, bespielt wird. – eine unerwartete Dramaturgie.

Ausgangspunkt der Rauminstallation Anna Rubins sind Buntstiftzeichnungen Günther Domenigs, die in Zusammenhang mit der Planung des Steinhauses entstanden. Die gezeichneten Schraffuren und farbigen Linien werden bei Rubin zu gefärbten Papierflächen, die mit farbigen Fäden zwischen Boden und Decke fliegend aufgespannt sind. Schicht für Schicht blättern und entfalten sie sich in den Raum. Eine dreidimensionale Berglandschaft entsteht, die zugleich an Günther Domenigs Skulptur „NixNutzNix“ im Steinhaus erinnert.

Kontextualisierung des Werkes Günther Domenigs

„Ein zentraler Pfeiler der Ausstellungskonzeption (für alle vier Standorte) war die Kontextualisierung des Werkes Günther Domenigs über zeitgenössische künstlerische und architektonische Positionen“, sagt Andreas Krištof, section.a. „Es geht uns sehr stark darum, eine neue Sprache für Domenigs Arbeiten zu finden, eine Aktualisierung seiner Position zu erreichen – und dies am besten durch neue Stimmen.“

Ausstellungsort Heft/Hüttenberg

Unerwartet präsentiert sich auch der Ausstellungsort Heft/Hüttenberg: Er wird als Lost Architecture be- und verhandelt: Domenigs Werk strahlt nicht herausgeputzt, sondern von Spinnweben eingefangen. Geborstenes Glas und Ablagerungen in den historischen Displays, die uns Günther Domenig als Ausstellungsgestalter zeigen, zeugen davon, dass sie schon lange nicht mehr zum Einsatz kamen. Die aktuelle Ausstellung stellt heraus: Es fehlt eine Nachnutzung. Das Jahr 1995, in dem Günther Domenig das ehemaliges Eisenhüttenwerk als Ausstellungsort für die Kärntner Landesausstellung erschloss und architektonisch erweiterte, bleibt als Aufbäumen der abgelegenen Region in Erinnerung, die Ende des 19. Jahrhunderts ihren reichen Höhepunkt mit einer jährlichen Roheisenproduktion von 20 000 Tonnen erlebte.

Künstler und Studierende der Architektur bespielen den Lost Place mit Interventionen und bringen, kuratiert von Valerie Messini, ihre Gedanken ein, wie es weiter gehen kann. Beteiligt sind Hochschulen und Universitäten aus Österreich und darüber hinaus: neben der Universität für Angewandte Kunst Wien, der Fachhochschule Kärnten, der Universität Innsbruck und der Uni Wien (Institut für Kunstgeschichte) sind dies die School of Architecture, London und die Hochschule für Technik Stuttgart. Die Zeitschicht der aktuellen Ausstellung fügt sich in den Bestand ein; die neuen Positionen erscheinen optisch zurückhaltend formuliert; wirken teils selbst aufgegeben und verloren.

Architektur Haus Kärnten

Um Interpretation und Annäherung geht es auch im Architektur Haus Kärnten. Die Ausstellung ist als Prozess angelegt. Kontinuierlich schreiben Architekten ihren Blick auf Günther Domenig ein. Zur Eröffnung überzeugte der zweigeschossige, historische Ausstellungsraum im 1847 erbauten Napoleonstadel mit einer vom offenen Dachstuhl herab abgehängten und aufgespannten, blauen Zeltplane unter der Besuchende auf den Wandel in Domenigs Architektur eingestimmt werden (Installation Kollektiv 4): Begleitet vom charakteristisch tackendem Klang der Projektoren überlagern sich historische Aufnahmen aus Domenigs Dia-Sammlung: der Mehrzwecksaal der Schulschwestern in Graz-Eggenberg (1972) und ein nicht mehr existierendes Restaurant, realisiert zu den Olympischen Spiele in München, 1970/72 (beide Projekte gemeinsam mit Eilfried Huth). Die umliegenden Wände blieben (noch) leer.

Die Körperlichkeit der expressiven Architektur-Skulptur

Absolut sehenswert – und sicher der Höhepunkt für jeden Architekturreisenden – ist schließlich Domenigs Opus Magnus, sein autobiographisches Schlüsselwerk: das Steinhaus am Ossiacher See – ein Gesamtkunstwerk und selbst Ausstellungsobjekt. Zur ‚Dimensional‘ untersuchen Performances die Körperlichkeit der expressiven Architektur-Skulptur. Diese sind vor Ort in der Ausstellung dokumentiert. Die Stilikone des Dekonstruktivismus wird zum Resonanzraum.

Günther Domenigs Werk, neu befragt im aktuellen Diskurs: dies gelingt ‚Dimensional‘. Weitere Orte erschließt das umfangreiche Begleitprogramm über Führungen und Vorträge. Das Programm wird über die Website domenigdimensional.at beworben – zentrale Plattform im durchgehend gestalteten Gesamtauftritt. Die Gesamtkonzeption lag bei section.a; die visuelle Gestaltung bei bueronardin.

Und als Ausblick: angelegt als Forschungsprojekt, wird ‚Dimensional‘ in ein neues digitales Domenig-Archiv eingespeist. Recherche- und Ausstellungsmaterialien stehen dann dauerhaft der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das Archiv wird über die Website domenigdimensional.at aufrufbar sein. Zudem erscheinen zwei Publikationen zur Ausstellung, im Jovis-Verlag.


In Resonanz

Anna Baar / Gerhard Maurer / Raffaela Lackner / Ina Sattlegger / Viktoria Pontoni / Andreas Krištof (Hg.)
Broschure, 16 × 22 cm mit 256 Seiten, zahlreichen farbigen Abbildungen
ISBN 978-3-86859-758-5
Deutsch/Englisch/Slowenisch
32 Euro

Der dreisprachige Band In Resonanz setzt sich in ungewöhnlicher Weise mit dem Werk Günther Domenigs auseinander. Der Blick auf den in Kärnten geborenen und 2012 verstorbenen Architekten, der international für sein ikonisches Steinhaus und für das signifikante Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg bekannt ist, erfolgt von außerhalb: außerhalb dominanter Perspektiven auf das Werk, außerhalb der Normen des Architekturbuchs. Die intime Bilderserie des Fotografen Gerhard Maurer umfasst über 30 Bauten Domenigs und steht im Dialog mit einer essayistischen Annäherung an das Werk des Architekten durch die Schriftstellerin Anna Baar. Essay und Fotos fangen die Architektur in ihrem aktuellen Kontext ein und schaffen Platz für Widerspenstigkeit, für Leerstellen, für das Unbenutzbare, aber auch für das Schöne.


In Reflexion

Raffaela Lackner / Ina Sattlegger / Viktoria Pontoni / Andreas Krištof (Hg.)
Broschüre, 16 × 22 cm mit 256 Seiten, zahlreichen farbigen Abbildungen
Deutsch/Englisch/Slowenisch
32 Euro
ISBN 978-3-86859-759-2
Erhältlich ab Dezember 2022

Der dreisprachige Band In Reflexion ist die wissenschaftliche, aber auch künstlerische Ergänzung zum zuvor erscheinenden Titel In Resonanz. Sechs namhafte Autoren beschäftigen sich aus zeitgenössischer Perspektive mit dem Werk und Wirken des in Kärnten geborenen und 2012 verstorbenen Architekten Günther Domenig. Die (architektur-)theoretische, künstlerische und feministische Auseinandersetzung dient dem Weiter- und Andersdenken des bereits Bekannten. Sie erlaubt aber auch das Wiederentdecken von Vergessenem oder Übersehenem.

Mit Beiträgen von Matthias Böckl, Simone Egger und Lukas Vejnik, Doris Lippitsch, Valerie Messini und Hans Ulrich Reck. (Text des Verlages)

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