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Schmutzabweisende Oberflächenbeschichtung Staynu von Continental

Staynu von Continental
Schmutzabweisende Oberflächenbeschichtung

Das schmutzabweisende Finish ‚Staynu‘ von Continental ermöglich rückstandslose Entfernung von Schmutz. Damit sind Objektmöbel nun vor Markern, Senf oder Rotwein gefeit. Einblick in die Labore und die dreijährige Forschungsarbeit.

Autor: Armin Scharf

Ein Sessel mit hellem Bezug? Geht gar nicht, so Tante Erna: „Wenn da mal deine Kinder drübergehen, kannst du den Sessel vergessen“. Sie empfiehlt Dunkles und Gemustertes, weil Verschmutzungen weniger auffielen. So wie Tante Erna geht es den Betreibern von Hotels, Restaurants und öffentlichen Verkehrsmitteln en masse: Ungeschicke und achtlose Nutzer rücken den Möbeln zu Leibe.

Die Geschichte indes geht weiter, wie überall, auch bei der Entwicklung schmutzabweisender Technologien. Wüssten Tante Erna und ihre Leidensgenossen um die aktuelle Entwicklung aus dem Hause Continental, wären sie vermutlich begeistert.

Senffleck wird von schmutzabweisender Oberfläche mit Staynu Beschichtung gewischt
Speiseflecken wie Senf oder Ketchup lassen sich von der schmutzabweisenden Oberflächen mit Staynu Beschichtung problemlos abwischen. Foto: Continental

Von der Idee zum Produkt

Staynu‘, eine neuartige Ausrüstung für synthetische Bezugsstoffe, bringt diese dem Ideal höchster Schmutzresistenz ein sehr großes Stück näher.

Rund drei Jahre arbeitete man in den Entwicklungs- und Anwendungslaboren der seit 2017 zu Continental gehörenden ehemaligen Konrad Hornschuch AG an dieser Innovation.

„Im Objektbereich ist das Anschmutzungsverhalten von Sitzmöbeln ein ganz zentrales Thema“, so Bruno Lehmann, Vice President Interior. „Bisher gab es keinen synthetischen Bezugsstoff, von dem sich Schmutz rückstandslos entfernen lässt.“

Eine Lücke, die zu schließen das Ziel des Entwicklungsteams war. „Allerdings geht es uns nie darum, nur ein singuläres Problem zu lösen, sondern gleichzeitig auch andere Qualitäten zu erreichen“, so Dr. Gabriele Brenner, Head of Development Interior. „Beim Beginn unserer Arbeit klären wir ab, welche neuen Eigenschaften relevant sind.“

Grundlegend neue Lösungsansätze

In dieses Briefing fließen „Marktinformationen und konkrete Kundenanfragen unmittelbar ein“, erläutert Bruno Lehmann. „Auf der anderen Seite betreiben wir unabhängig vom Marktgeschehen Research und suchen nach grundlegend neuen Lösungsansätzen“, ergänzt Gabriele Brenner. „Wir können dabei auch auf Erkenntnisse aus anderen Produktbereichen unseres Unternehmens zugreifen.“

Konkret ging es bei dem neuen Finish nicht nur darum, dass das Finish schmutzabweisend wirken soll, auch das Brandverhalten, die Desinfektionsmittelbeständigkeit und nicht zuletzt die Haptik und Ästhetik ergänzten das Pflichtenheft. Eine möglichst glatte Oberfläche würde den Schmutz zwar daran hindern, sich festzusetzen, aber „haptisch fühlt sich das unangenehm rutschig an, ja mitunter sogar feucht“, ergänzt Gabriele Brenner. „Wir wollten eine matte, samtige Anmutung erreichen.“

Ein gemeinsames Ringen

Auch wenn dafür in erster Linie das Laborteam zuständig ist, die Gesamtentwicklung involviert auch den Vertrieb, das Produktmanagement, das Marketing. „Es ist eine Art gemeinsames Ringen um das beste Ergebnis“, so Brenner. Gerungen wird vor allem in Strategiemeetings, bei denen alle Disziplinen am Tisch sitzen: „Kompromisse gehören natürlich dazu, was wiederum ein gutes Verstehen der jeweiligen Positionen und Argumente voraussetzt.“

Im Sinne der Gesamtqualität

Ein Beispiel? „Der Vertrieb möchte natürlich alles schnell verfügbar haben, aber oftmals lohnt es sich im Sinne der Gesamtqualität, nochmals eine technische Schleife zu ziehen“, so Gabriele Brenner. „Auch die Entscheidung, eine Entwicklung aufzusetzen, fällt gemeinsam“, ergänzt Bruno Lehmann. „Letztlich müssen wir ein Marktpotenzial sehen, die Idee wirtschaftlich umsetzbar und strategiekonform sein.“

So habe man bei der Entwicklung stark in die Hardware der Labors und der Produktion investiert – allerdings mit der Perspektive, dass ‚Staynu‘ als schmutzabweisende Ausrüstung für unterschiedlichste Produkte dienen wird.

Testkit mit Schmutzabweisendem Bezugsstoff Staynu, Markern und Reinigungsmittel
Mit einem Testkit können sich Planer selbst vom Reinigungsversprechen überzeugen. Foto: Continental

Die Kunst der Formulierung

Drei Jahre Entwicklung sind ungewöhnlich lange, aber „es handelt sich auch um ein völlig neues Featurepaket, das nicht auf dem Lotus-Effekt oder Nano-Technologien basiert.“

Mehr will Gabriele Brenner zur Funktionsweise der Schmutzabweisung nicht sagen, nur noch, dass eine Kombination aus physikalischen und chemischen Basiseigenschaften zugrunde liegt. Und: „Wir haben eng mit Rohstoff-Herstellern zusammengearbeitet und lange an den Formulierungen gefeilt.“ Von Formulierung oder Rezeptur sprechen Chemiker, wenn sie die spezifische Zusammensetzung von Materialien meinen, etwa von Beschichtungen wie ‚Staynu‘.

Eine große Rolle spielen dabei spezielle Additive, die bestimmte Eigenschaften einbringen, aber in kleinsten Mengen zugegeben werden.

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Funktionsweise der Schmutzabweisung

Die Kunst der Formulierung ist es nun, diese Additiv-Anteile auf die Anforderungen und die übrigen Bestandteile, also Bindemittel oder Pigmente, abzustimmen. „Es ist nie so, dass wir gleich mit dem ersten Ansatz ins Ziel laufen. Andererseits“, so Gabriele Brenner, „gehen wir auch nicht nach der Trial-and-Error-Methode vor, sondern optimieren systematisch immer weiter.“

Dennoch könne es durchaus auch vorkommen, dass Projekte abgebrochen werden, bevor sie die Marktreife erreichen. Das wiederum hängt auch von den ausgiebigen Testreihen ab, die jede Materialentwicklung durchläuft und dabei deren Grenzen auslotet.

Interne Alltagsversuche gehören auch dazu

Verarbeitungsprüfungen bei externen Anwendungspartnern oder interne Alltagsversuche gehören auch dazu. In diesem Fall bewies das Finish am Standort Weißbach seine schmutzabweisenden Qualitäten auf Stühlen in Büros, Meetingräumen und der Kantine.

Im Grunde handelt es sich bei der Entwicklung um eine „permanente Oberflächenveredelung“ für Bezugsstoffe. Sie schützt die Oberfläche, verbessert die Reinigungsfähigkeit, die Desinfizierbarkeit und Abriebfestigkeit.

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Die Oberflächenbeschichtung kommt zuerst auf ‚Skai Toronto EN‘ zum Einsatz.
Foto: Continental

Erste Anwendung in 16 Farben

Das erste echte Produkt nennt sich ‚skai Toronto EN‘ – das vinylbasierte und mehrschichtige Material präsentiert sich mit einer feinen Ledernarbung in trendgemäßen 16 Uni-Farben. Die oberste Schicht des phthalatfreien Materials besteht aus dem schmutzabweisenden ‚Staynu‘-Finish, auf dem selbst pigmentierte Permanentmarker, Ketchup, Rotwein oder Lippenstift keine Rückstände hinterlassen.

Weitere Produktanwendungen stehen bereits auf der Liste, etwa für die Nutzung in Fahrzeuginteriors. Die spezifische Übertragung und auch Weiterentwicklung der Basistechnologie werde jedoch, so Dr. Brenner, „perspektivisch schneller ablaufen“. Tante Erna wäre begeistert. Garantiert.

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