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Glas – mehr als transparent

Im Interior geht der Werkstoff Glas in die Offensive
Glas – mehr als transparent

Zwar dürfte das akustisch absorbierende Glas weiterhin unerfüllter Wunsch bleiben, aber sonst wartet der Werkstoff immer wieder mit neuen, innovativen Funktionalitäten auf. Ganz abgesehen von seinen ästhetischen Überraschungen.

Autor Armin Scharf

Ende 2017 startet bei Merck die Produktion sogenannter LCW-Module, also von Fenstern mit Flüssigkristall-Technologie. Die Technologie stammt vom 2014 übernommenen niederländischen Unterneh- men Peer+ und ermöglicht es, schaltbare Fenster zu realisieren: So lässt sich durch Anlegen einer Spannung das Glas gezielt für den Sonnenschutz verdunkeln, zusätzlich diffus oder diskret opak schalten. Die Veränderung der Transmission zwischen 5 und 70 Prozent läuft laut Merck stufenlos und quasi ohne Latenzzeit. Noch präsentiert Merck graue Varianten, doch sind auch andere Färbungen realisierbar. Die Module lassen sich in alle Rahmen einsetzen, ihre Größe soll bis 1,60 x 3,50 m betragen. Die manuell oder automatisch schaltbare LCW-Technologie wirkt sich besonders positiv auf die Klimatisierung aus – auf bis zu 40 Prozent beziffert Merck das Energieeinsparpotenzial. Wichtig dabei: Der Strombedarf für die Schaltvorgänge bleibt unter einem Watt pro Quadratmeter. Die LCW-Module eignen sich sowohl für die Fassade wie für Interior-Anwendungen.

Will man Displays oder Monitore fugenlos unterbringen, dann eignen sich dafür vorgebaute, teildurchlässige Spiegelgläser. Mit ‚MirroView‘ bietet Pilkington ein neues Produkt in 3,2 und 6 mm Stärke an: während aktive Displays sichtbar sind, verdeckt der Spiegeleffekt inaktive Anzeigen.

Ganz besondere Effekte setzt das ‚VetroLoom‘ genannte Interiorglas um, es besteht aus Verbundglas mit zwei Schichten PVB- oder EVA-Folie sowie einem dazwischen einlaminierten Spezialgewebe. Kombiniert mit seitlich oder senkrecht einstrahlenden Leuchtdioden produziert das Gewebe eine dreidimensionale Wirkung aus gekrümmten Linienverläufen oder Tiefeneffekten – die variieren je nach eingesetztem Gewebe (drei Typen stehen bereit), aber auch nach Betrachtungswinkel sowie Anordnung und Abstand der LEDs. Besonders hervorzuheben ist die geringe Einbautiefe des Systems sowie die Nutzung als Wand- und Deckenverkleidung, in Fenstern oder Türen. ‚VetroLoom‘ ist laut Flachglas Markenkreis für Innen- und Außenanwendungen geeignet.

Glas trifft Stein

Bei Glas Trösch laminiert man ebenfalls fleißig glasfremde Materialien – beispielsweise Stein. Das Programm ‚Swisslamex Stone‘ umfasst 43 Stein- und Marmorsorten, die frontseitig als polierte Oberfläche, hinter Glas oder zwischen zwei Scheiben applizierbar sind. Weil extrem dünn – die Mindestdicke beträgt 0,7 mm – erscheint der Stein transluzent, der Glasverbund wird hinterleuchtbar.

Lamex Tissue‘ spielt derweil mit der optischen Wirkung einlaminierter, metallbeschichteter Gewebe in Aluminium- oder Goldtönen. 140 bzw. 260 mm stark, stehen Gewebe zur Auswahl, deren Öffnungsanteil von 25 bis 70 Prozent reicht – Lichttransmission sowie Energiedurchlassgrad können so objektspezifisch angepasst werden. Die Gewebe sind überdies per Prägung, Stanzung oder Digitaldruck individualisierbar. Da die Bedruckung auch nur einseitig machbar ist, bleibt die Rückseite samt Raum und Durchsicht farblich unbeeinflusst.

Ausschließlich der Innenanwendung vorbehalten bleibt ‚Filigree Deco‘ mit seiner Kombination aus halbtransparenten und verspiegelten Motiven. Mussten Verspiegelungen bisher mithilfe spezieller Siebe aufwendig appliziert werden, so bringt Glas Trösch das Silber estmals per UV-Digitaldruck auf, was nicht nur vielfältigere Gestaltung, sondern auch rationellere Fertigung verspricht. Profilglas wäre noch vielseitiger einsetzbar, wenn es nicht nur in geraden Fluchten oder sehr großen Radien verbaubar wäre.

Profilglas in der Kurve

Das könnte der Berliner Holger Jahns mit seinem ‚c-c Profil‘ ändern: Jahns ersetzt die beidseitigen rechtwinklige Abkantungen des Profilglases durch konkav und konvex geformte Flanken. So lassen sich die Profilelemente in beliebigen Bögen arrangieren, Keilfugen entstehen dabei keine. Neben engen Kurven sind so auch saubere Ecken machbar, die Elemente verzahnen formschlüssig und bilden einen stabilen Verbund. Dennoch lassen sich einzelne Profile herausschwenken, etwa um Wartungsbereiche oder Revisionsklappen zu erreichen.

Mit dem ‚c-c Profil‘ will Jahns eine Alternative zu gebogenen, großformatigen Gläsern bieten, schließlich verspricht seine Lösung geringere Kosten und einfacheres Handling. Allein: Der Übergang vom Prototypenstatus in die Serie ist noch offen.

Doch noch: Akustik

Runde Eckelemente aus Glas sind derweil gefragt: Die Raum-im-Raum-Designstudie ‚Kubus I micro‘ von Strähle, basiert auf einer zwölf mm starken Einfachverglasung und lässt sich mit verschiedenen Radien realisieren. Ähnlich präsentiert sich das rahmenlose Ganzglas-Trennwandsystem ‚Fecoplan‘ von Feco-Feederle, das lediglich 50 mm hohe Aluprofile an Decke und Boden fixieren. Gerade die runden Eckzonen verleihen den Systemen Modernität und Dynamik.

Strähle zeigt zudem, dass Glas doch akustisch wirksam sein kann – nicht absorbierend, aber dämmend. Zu sehen etwa beim ‚Kubus II-T‘ mit seiner zweischaligen Verglasung. In Kombination mit der sichtbaren Unterkonstruktion aus schlanken Schicht- holzpfosten erreicht die Doppelverglasung hohe Schalldämmwerte gegenüber der „Außenwelt“. Und der mikroperforierte Absorber auf Decke und Wand drückt die Nachhallzeit im Inneren auf unter 0,5 sec. Aber der besteht nicht aus Glas, leider.

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