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Das Potenzial von Digitaldruck auf Kunstleder

50 Meter Zukunft

So geht Individualisierung: Continental bietet mit dem skai Design Lab einen revolutionären Konfigurator für Digitaldruck auf Kunstleder. Unser Autor hat sich die beeindruckenden Möglichkeiten vor Ort erklären lassen.

Autor: Oliver Herwig

Die Zukunft des Druckens auf Kunstleder ist einmetersiebenunddreißig breit und im Prinzip endlos lang – sie entspricht genau den Dimensionen eines Profi-Digitaldruckers, wie er bei Continental ‚Surface Solutions‘ läuft. Damit nicht genug: Mithilfe eines einfach zu navigierenden Web-Tools lassen sich Tausende vorgefertigter Designs abrufen und weiter verändern. Bereits drei Tage später landen die maßgefertigten Muster – gedruckt im Format A3 – im Büro. Schneller geht es nicht mehr – und auch kaum individueller.

„Geschwindigkeit ist die Währung digitaler Disruption.“

Drei funkelnagelneue Digitaldrucker werkeln in einer alten Werkshalle. An den Wänden sandgestrahlte Backsteinwände, über den Köpfen schwarze Stahlträger. „Schön rough“, entfährt es Ralf Imbery, Global Director Design, Marketing und Digitalization. Genau das richtige Ambiente für etwas Neues. Und während die Maschinen stoisch Zeile für Zeile drucken, lenkt Imbery den Blick auf einen Tisch mit Proben. Muster in A3, wilde Kombinationen, freche Farben. „Unsere Kunden können alles ausprobieren“, sagt Elmar Zschau, Head of Architect Solutions, und muss grinsen. „Wir freuen uns über diesen Erfolg.“ Und wieder bringt ein Mitarbeiter einen Packen fertiger Unikate, bereit für den Versand an ihre Gestalter. Geschwindigkeit ist die Währung digitaler Disruption, und hier, im ländlich geprägten Nordosten Baden-Württembergs, wird sie sichtbar, fühlbar, greifbar. Doch Tempo wäre nichts ohne einen weiteren Vorteil: Individualisierung.

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Ein einfaches Online-Tool bietet Zugang zu unendlichen Kombinationen von Kunstlederoberflächen. Die Muster sind bereits drei Tage später vor Ort. Foto: Continental Skai

Der Onlinekonfigurator

Früher war es ein Monogramm am Hemdkragen, der Bespoke-Anzug oder der maßgefertigte Rahmenschuh, also Zeichen erlesenen Handwerks bei entsprechend hoher Qualität und hohem Prestige. Bandware fiel dagegen ab. Von der Stange eben.

„Individuallösungen sind nicht mehr an den Geldbeutel gebunden, sondern höchstens noch an den persönlichen Geschmack.“

Heute sind immer mehr Produkte der Welt individualisierbar – ohne dass entsprechende Kosten an den Käufer weitergegeben werden: Mein Schuh, mein Fahrrad, mein Poloshirt. Das Eigene, Besondere, Werthaltige ist nicht mehr an den Geldbeutel gebunden, sondern höchstens noch an den persönlichen Geschmack – und der Bereitschaft, sich mit einem Online- Konfigurator auseinanderzusetzen.

Zugleich ist das Individuelle einer der Mega-Trends unserer Zeit. „Individualisierung ist das zentrale Kulturprinzip der westlichen Welt und entfaltet ihre Wirkungsmacht zunehmend global“, schreibt das Zukunftsinstitut in seinem Megatrend Glossar. „Der Megatrend codiert die Gesellschaft um: Er berührt Wertesysteme, Konsummuster und Alltagskultur gleichermaßen“.

Was aber bedeutet das konkret für die Innenarchitektur, die immer schon das Besondere, Einzigartige und Maßgeschneiderte vertreten hatte? Nun, vor allem eines: Technische Innovationen machen es leichter, Neues in die Welt zu bringen – und das geht immer schneller. Wesentlich schneller bei sinkenden Kosten. In Zukunft werden Kunden genau das verlangen: schneller zu liefern. Hier klinken sich die Oberflächenspezialisten von Continental ein und bieten einen revolutionären Konfigurator für Digitaldruck auf skai Kunstleder.

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Wandbespannung und Möbelbezüge aus ‚skai‘ lassen sich perfekt aufeinander abstimmen. Signature Design für das ‚Design Lab‘, umgesetzt auf einem Sessel und einer Wand. Foto: Continental Skai

Kunden und Kollaborateure

Einfach registrieren, Passwort abwarten und loslegen. Der Konfigurator ist übersichtlich aufgebaut und einfach zu bedienen. Die einzige Einschränkung: Er ist nur für Innenarchitekten, Designer und Objektausstatter gedacht. Die Verantwortlichen sagen klar: „Wir wollen nicht zwei Milliarden Kunden. Wir wollen 2 000 Profis“, sagt Elmar Zschau. Entsprechend hoch sind die Qualitätsstandards.

„Wir wollen nicht zwei Milliarden Kunden. Wir wollen 2 000 Profis!“

Es geht um absolute Farbtreue. Weil kaum ein Rechner sauber kalibriert ist, gibt es 720 Farben im LAB-Format als Fächer zum Versand. Was auf dem Bildschirm also ungefähr stimmt, kann mit Blick auf die Farbtafeln wasserfest gemacht werden. Notfalls lässt sich die LAB-Nummer auch direkt einspielen, damit garantiert der gewünschte Ton geliefert wird.

Rund 2 000 Designs sind aktuell geladen. Eine kleine Auswahl. Denn in der Datenbank liegen rund 20 000 Vorlagen. Mit dieser Menge wollte man aber die Kreativen nicht gleich am Anfang überfordern. Die einzelnen Muster sind verschlagwortet, das heißt, man kann nach Stichworten suchen, etwa nach „floral“ oder sogar „beach“ – und erhält sofort eine Auswahl. Diese lässt sich mit einem Klick aufrufen und Farbe, Größe und Rapport anpassen.

„Zusätzlich zur großen Musterbibliothek lassen sich eigene Entwürfe als jpg oder tiff hochladen.“

In einem eigenen Folder gespeichert oder öffentlich gemacht, kann das gewählte Design stetig variiert und weiterbearbeitet werden. Schlussendlich lässt es sich auf zwei unterschiedlichen skai Kunstleder-Materialqualitäten drucken. Bei der Prägung stehen drei Narben zur Wahl: eine feine Sandstruktur, eine Textilstruktur und eine klassische Ledernarbe.

Es klingt suggestiv: „You can be the artist“. Oder zumindest der kreative Widerpart, der aus bestehenden Vorlagen das genau Passende formt. Der Clou: Es lassen sich sogar eigene Entwürfe (Fotos als jpg oder tiff mit bis zu 30 MB und mindestens 150 dpi) hochladen. Sollte man so ein besonderes Design der Community zur Verfügung stellen, steht ein eigener Lizenzvertrag zur Verfügung. Hier wäre mehr denkbar – ein ganzes Ökosystem von Gestaltern und Verarbeitern.

„Nach nur zwei Monaten sind bereits 200 User angemeldet.“

Aktuell sind 200 User angemeldet, nach gerade zwei Monaten. Sie können Entwürfe liken, aber nicht kommentieren. Das wäre der nächste, logische Schritt – hier eine Community aufzubauen und weitere Services und Leistungen in einem eigenen digitalen System anzubieten. Und, wer weiß, vielleicht fällt irgendwann auch die Mindestbestellmenge von 50 m. Individualisierung ist schließlich nicht mehr aufzuhalten. Der eigentliche Clou der neuen Technologie besteht darin, Standards und Stangenware zu ergänzen und etwa gezielt Muster und Farbtöne der Rollenware zu ergänzen und mit wenig Aufwand große Wirkung zu erzielen.

Zukunftsmusik

Seit rund zwei Jahren gehört die ehemalige Konrad Hornschuch AG zur Continental AG. Aus dem Mittelständler wurde Teil eines Großunternehmens mit einem Umsatz von 44,4 Mrd. Euro (2018) und rund 245 000 Mitarbeitern in 60 Ländern und Märkten.

Die Vorgaben sind einfach: Teil eines Technologieunternehmens zu sein, dass sich Transformation auf die Fahnen geschrieben hat, vor allem automobile Transformation. Da ist keine Rede von Innenarchitektur. Doch die Ausrichtung auf „Living Solutions“ bietet mit immerhin 19 Prozent Umsatz innerhalb des Geschäftsbereichs Oberflächen eine Rückversicherung angesichts des konjunkturell schwankenden Automobilgeschäfts. Da darf der Anteil der Unternehmenssparte „Living Solutions“ ruhig wachsen. Der neue Konfigurator ‚skai Design Lab‘ lässt viel Raum für Entwicklung.

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Zur Abstimmung der exakten Farbe dient ein ‚Design Lab‘-Farbfächer. Foto: Continental Skai

Ein kostenloser Service

Das Brot-und-Butter-Geschäft von Continental ist der Tiefdruck. Das Werk nimmt eine ganze Flussschleife ein und ist optimiert für Großaufträge aus der Automobilindustrie (bei einer Mindestabnahme von 700 m mit entsprechenden Einrichtungskosten).

Im Grunde soll die Riesenmaschine mit ihren 180°C heißen Rollen gar nicht stoppen. Das Projektgeschäft aber, das mit hoher Spezialisierung aufwartet und kleinen Abnahmen, das wird bestens bedient durch Digitaldruck und den neuen Konfigurator, der hohe Qualität garantiert und rasante Lieferung.

„Im Augenblick ist der Service kostenlos.“

Mit ihrem revolutionären Ansatz mischt die Continental den Markt für individualisierten Druck auf. Im Augenblick ist der Service kostenlos.

Nur ab einer höheren Bestellmenge von „Mustern“ schrillen die Alarmglocken. 15 bis 20 m/h produzieren die Maschinen.

In den USA wird ein Pendant der deutschen Anlage entstehen. Und dann? Die Spezialisten bezeichnen den Status quo lediglich als Brückentechnologie. In rund zwei Jahren wollen sie mit einer verbesserten Anlage 60 Mal schneller arbeiten. Dann beginnt die Zukunft so richtig.

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