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12:43 Architekten gestalten Praxis in Stuttgart

Umbau von 12:43 Architekten in Stuttgart/DE
Fröhlich empfangen

Im Stuttgarter Heusteigviertel fand ein munteres Interiorkonzept in den Innenräumen einer Praxisklinik für plastische und ästhetische Chirurgie seine Umsetzung. Das Planungsbüro 12:43 Architekten entwarf es auf Basis der Le-Corbusier-Farbpalette.

Autorin Elena Schauwecker

Eine klare Unterteilung in einen funktionalen Operationstrakt und einen repräsentativen Praxisbereich zeichnet die Planung der Räumlichkeiten aus. Während in den zweckdienlichen Bereichen eher sparsam mit Farbe umgegangen wurde, erhielten Empfang, Wartebereich und Co. dafür umso mehr davon. Nun erstrahlen sie in Gelbgrün, Türkis und Lachsfarben – in Kontrast zu einem weichen Grau.

„Komischerweise hat sich das Farbkonzept von Anfang an gut angefühlt, daher hat sich die Befürchtung, es könnte zu bunt sein, nie eingestellt“, sagen Annika Klinke und Patricia Klier, die sich die Projektleitung teilten. „Wir waren diesbezüglich eher in aufgeregter Vorfreude.“ Auch vonseiten des Bauherrn gab es eine ordentliche Portion Vertrauensvorschuss, denn viele hätten sich dieses Konzept wahrscheinlich nicht getraut.

Zu den gestalterischen Vorgaben gab es lediglich den Wunsch nach einem modernen Bezug zum Bauhaus. Daraufhin stellten die Projektleiterinnen zwei Gestaltungskonzepte vor – eines eher klassisch monochrom schwarz-weiß, das andere mit einem starken Farbkonzept in Anlehnung an die Innenräume des Weißenhofmuseums von Le Corbusier. Die Wahl fiel auf Farbe und somit auch auf die jetzige Palette. Andere Töne waren damit faktisch ausgeschlossen.

12:43 Architekten zeigen Mut zur Farbe

Besonders die klar zonierten Flächen schaffen eine enorme farbliche Kraft. So erscheinen die bunten Formen plastisch und tief. Dort, wo sich mehrere Töne direkt begegnen, entwickeln sie eine hohe Strahlkraft, ohne einander zu stören. Ganz im Gegenteil, es scheint, als würden sie sich erst durch das Aufeinandertreffen gegenseitig zum Leuchten bringen.

„Insbesondere Blau hat es unserem Bauherrn angetan, sodass es den Schwerpunkt im Flurbereich setzt“, blicken die beiden Planerinnen zurück. Ansonsten wurde das Farbkonzept gemeinschaftlich entschieden. Die dunklen Sanitärräume – sie sind vollständig in Schwarz gestaltet – sollten bewusst einen Bruch darstellen. „Damit haben wir schon mehrfach Erfahrung gesammelt.“

Kontrastreiche Umsetzung

Die beiden Expertinnen unterscheiden dabei zwischen einer konzeptionellen Raumentwicklung und der Einrichtung. Primär müssen die Räume für die Nutzung und den Nutzer funktionieren. Das verstehen sie als oberstes Gebot. Dann versuchen sie, die Räume konzeptionell einzubetten, sie stimmig und ablesbar in ihrer Erscheinung wirken zu lassen. Ein Farbkonzept und die jeweilige Formensprache sind dabei wichtig und hilfreich. „Gerade in Praxen kann hiermit Orientierung erreicht werden, ohne ein explizites Leitsystem einzusetzen.“

Die Einrichtung kommt meist sehr viel später dazu. Sie soll im günstigsten Fall die übergeordnete Idee unterstützen. Bei der Auswahl der Komponenten spielen vor allem der persönliche Geschmack und die Individualität des Auftraggebers eine sehr zentrale Rolle. Im Fall der Stuttgarter Praxisklinik Soho Aesthetics sind es die abgestimmten beziehungsweise fehlenden Raumelemente, die das stimmige Konzept abrunden.

Wirkungsverstärker

Ablesen lässt sich das an den farbig abgestimmten Lichtschaltern von Jung und den wandbündigen Türblättern. Der Verzicht auf Sockelleisten und eine unifarbene Bodenbeschichtung lassen die Brillux-Farbflächen in ihrer Konsequenz einheitlich erscheinen. Würden sie unterbrochen, wäre der Effekt bei Weitem nicht so stark.

Auch die indirekte Beleuchtung nimmt eine eher zurückhaltende Position ein und gibt der Farbe mehr Wirkung. In den Behandlungs- und den Büroräumen wird das Nischen-Farbkonzept durch wandbündige Einbauten fortgeführt. Semitransparente Vorhänge entlang der Fensterfronten erzeugen auf ihre Weise einen starken visuellen Effekt.

Auf jeden Fall wirkt sich allein der Besuch der Praxisräume äußerst erfrischend auf die Patienten aus.


Fakten

Projekt: Soho Klinik & Aesthetics, Praxisklinik für plastische und ästhetische Chirurgie 

Standort: Immenhofer Str. 21, 70180 Stuttgart

 

Fertigstellung: Mai 2021

Bauaufgabe: Konzeption und Umbau einer Bürofläche in einem Bestandsgebäude zur Praxisklinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Bauherr: Dr.med. Johannes Schmitt

Innenarchitektur: 12:43 Architekten, www.zwoelfdreiundvierzig.de

Lichtplanung: Candela Lichtplanung

Produkte/Hersteller: Leuchten von Flos, Vesoi, Tala (Pierro Lissoni, Wilhelm Braun-Feldweg, Jaques Biny); Möblierung von MDF Italia, Menu, Richard Lampert, Fredericia, Walter Knoll, Objekte unserer Tage; Glas-Trennwandsystem Deubl Alpha; Textilien von Création Baumann, Zilina IV, Lerida UN IV; Beschlägevon FSB; Armaturen von Voll 111L, Fantini Nostromo; Sanitärkeramik von Duravit, Tece, Alape, Mineralwerkstoff; Lichtschalter von Jung LS 990, Jung LS 990 Les Couleurs, Le Corbusier Design, www.jung.de

Materialien (Decke/Wand/Boden): Wandbeschichtung: Latex-Dispersionsfarbe Brillux (ELF 992/3100); Boden: PU-Bodenbeschichtung MasterTop

Fotos: Henrik Schipper, Christina Kratzenberg


12:43 Architekten

Das Büro 12:43 wurde 2009 von Architekt Steffen Bucher und Innenarchitekt Lars-Erik Prokop gegründet, die sich bei einem Projekt an der HFT Stuttgart kennengelernt haben. Dabei liegt der Schwerpunkt in der Planung von Arztpraxen, wofür sie bereits mehrfach ausgezeichnet wurden.

www.zwoelfdreiundvierzig.de

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