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Raum und Material

Ungewöhnlicher Raum aus Webrahmen

Gourmets aus aller Welt haben einen neuen Anlaufpunkt in Barcelona. Das Stargespann der Molekularküche Albert und Ferran Adrià eröffnete ein Restaurant, das ihre gehobene Küche zu erschwinglichen Preisen anbietet. So ungewöhnlich die Küche, so ungewöhnlich die Räumlichkeiten aus Webrahmen.

Autorin Christiane Sauer

Das kulinarische Konzept ist unkonventionell: Nikkei – eine Mischung aus peruanischer und japanischer Kochkunst, die hierzulande noch recht unbekannt ist. Sie entspringt der Tradition japanischer Küchenchefs in Peru – dem Land, das nach Brasilien die zweitgrößte japanische Population Lateinamerikas besitzt. Diese kulinarische Fusion kann man nun in einem ungewöhnlich gestalteten Raum erleben. Bereits für Adriàs Restaurant ‚Tickets‘ und die Cocktail Lounge ’41°‘ in Barcelona hatte das Team von El Equipo Creativo die Räume gestaltet.

Japan und Peru: im Raum findet man Anklänge beider Kulturen

Die Büropartner Oliver Franz Schmidt und Natali Canas del Pozo wurden mit der Aufgabe betraut, in einem schlauchartigen, nur 100 m² großem Raum das neue Restaurant mit Küche unterzubringen. Der Name des Restaurants ‚Pakta‘ bedeutet in der Andensprache so viel wie “Zusammenkommen”. Auch im Raum findet man Anklänge an beide Kulturen.

Die Grundelemente wie Bars, Küche und Möbel erinnern in ihrer Schlichtheit an japanische Tavernen-Einrichtungen. Wände und Decken des Raumes sind dagegen mit einer vielschichtigen textilen Struktur überzogen, die die Farben traditioneller peruanischer Textilien aufgreift.

Webrahmen schaffen individuelle Orte

Wie eine zweite Haut durchziehen elf “Webrahmen” in unterschiedlichen Höhen und Winkeln angebracht den Raum und schaffen individuelle Orte zum Sitzen. Die Farbigkeit variiert von neutralen bis hin zu intensiven Tönen. Die Baumwollkordeln sind in eine Doppelrahmenkonstruktion aus dunkel gebeizten Kiefernholzrahmen eingespannt und lassen sich bei Bedarf nachspannen. Insgesamt 10 km Schnur wurden durch die Rahmen gefädelt.

Die semitransparente Raumhülle verdeckt technische Leitungen

Die semitransparente Raumhülle verbessert nicht nur die Akustik, sie filtert auch das Licht und verdeckt technische Leitungen, ohne den Raum komplett zu schließen. Diese Durchsichtigkeit und Leichtigkeit gibt dem Raum etwas fast Improvisiertes, während die Farbigkeit und Materialien eine hochwertige und natürliche Atmosphäre vermitteln

Die Oberflächen der Möblierung lassen Imperfektionen zu und besitzen dadurch eine ursprüngliche Schönheit, die an handgemachte Arts-&-Crafts-Stücke erinnert. Die massiven Tischplatten aus amerikanischer Eiche zeigen Asteinschlüsse, die hellen Marmorblöcke der Sushi-Bar blieben unpoliert mit Rissen und Adern.

Die Fassade dient als Filter zur Straße

Räumlich wird der langgezogene Grundriss in drei funktionale Zonen gegliedert: die Sake- und Pisco-Bar am Eingang, die Sushi-Bar mit Sitzplätzen im zentralen Bereich und die Küche am Ende des Raums. Sie haben jeweils einen ganz eigenen Charakter. Die Fassade dient als Filter zur Straße und bildet einen dreidimensionalen, hölzernen Rahmen, den der Gast beim Betreten durchschreitet.

Dieser ist zugleich Bar, Regal und Ausstellungsfläche für ausgewählte Produkte. Entlang des Sitzbereiches zieht sich die Sushi-Bar, die aus drei Marmorblöcken besteht und zentraler Bestandteil des Raums ist. Die Küche bildet den leuchtenden räumlichen Abschluss und ist als Glasbox mit unterschiedlichen Transparenzen konzipiert, durch die man die Köche beobachten kann.

Die Baumwollkordeln im Webrahmen verschmelzen zu etwas Überraschendem

Ganz dem Konzept des Restaurants entsprechend ist es gelungen, Referenzen an unterschiedliche Kulturen auf architektonischer Ebene zusammenzubringen. Natürlichkeit in Haptik und Optik und die räumliche Offenheit lassen Materialien und Oberflächen zu etwas Neuem, Überraschendem verschmelzen wie ein komplexes Gericht mit einfachen, aber guten Zutaten.


Isometrie © El Equipo Creativo

Pakta Restaurant: C/LLEIDA 5, 08004 Barcelona, www.pakta.es
Entwurf: El Equipo Creativo, Barcelona – Oliver Franz Schmidt und
Natali Canas del Pozo
Grafikdesign: Chickenbox Studio
Lichtdesign: BMLD Lighting Design
Fläche: 100 m2
Fertigstellung: April 2013
Materialien: “Webrahmen”: gebeizte Kiefer, Baumwollkordeln unterschiedlicher Farbgebung Eingangsbereich: gebeizte Kiefer
Sushi Bar: Novelda-Marmor mit rauer, unpolierter Oberfläche
Tische: Amerikanische Eiche
Boden: Eiche

Fotos: Adriá Goula

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