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Serie Smart Materials 11

Akustik = Schallschutz?

Foto: Design Composite
Oft ist der Umgang mit den Begriffen Akustik und Schallschutz falsch. Generell ist Akustik die Lehre vom Schall und seiner Ausbreitung. Der Schall im Raum, die Raumakustik, ist das typische Feld der Akustik. Die Verhinderung der Schallübertragung, sprich Schallschutz, ist das Feld der Bauakustik. Für beide Bereiche gibt es heute eine Vielzahl an bewährten Lösungen und wirksame Materialien.

Hannes Bäuerle
Nach akustisch wirksamen Materialien wird sehr häufig gesucht, das zeigen die reinen Zugriffszahlen, wenn bei raumprobe Stuttgart die Suchanfragen ausgewertet werden. In den letzten Jahren ist in dieser Rubrik ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen. An was kann das wohl liegen? Ein Faktor ist sicherlich die Tatsache, dass unsere Umwelt von Jahr zu Jahr lauter wird. Deswegen verschärfen sich Auflagen und Vorschriften, diese gilt es einzuhalten. Betrachten wir den aktuellen Baustil, kommt ein weiteres Phänomen dazu: große, offene Räume mit hauptsächlich schallharten Oberflächen.
Statt Teppichböden liegen Glattbeläge im Trend. Vorhänge sind selten anzutreffen und die zurzeit verwendeten Materialien für Wand und Decke funktionieren nur sehr gering als Absorptionsflächen. Das hat automatisch zur Folge, dass es der aktuell beliebte Baustil in vielen Anwendungsbereichen zwingend erforderlich macht, aktiv und bewusst akustisch wirksame Maßnahmen einzuplanen. Dass diese Maßnahmen laut zahlreicher Erfahrungsberichte von Architekten und Planern von den Bauherren gern als Erstes gestrichen werden, um Kosten zu sparen, kommt als erschwerend dazu. In solchen Fällen empfiehlt sich eine akustische Exkursion mit den Bauherren zu unternehmen, bei der die verschiedenen Qualitäten von Akustik hörbar gemacht werden. Drastische Beispiele, bei denen Akustik eine Qualitätsminderung ist, finden sich leider schnell.
Wie wichtig heute der professionelle Umgang mit Akustik ist, macht die Aussage eines Sachverständigen deutlich. Bei nahezu allen seiner Streitfälle verlor der Planer den Rechtsstreit. Bei juristischen Auseinandersetzungen werden heute meistens die allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik angewendet, diese sind weitaus strenger als die geltenden Normen und Auflagen. Zurzeit wird an neuen Gesetzen und Auflagen gearbeitet. Interessant ist dabei die Frage, was gute Akustik auszeichnet und ob sie tatsächlich normiert werden kann? Dagegen ist es beim Schallschutz sicher einfacher, nachvollziehbare Grenzwerte festzulegen.
Wünschenswert ist ein Sinneswandel. Akustik wird häufig als ein notwendiges Übel verstanden. Einerseits aus optischen Gründen – deutlich abzulesen an den Anfragen bei uns nach akustisch wirksamen Materialien “ohne Löcher”. Andererseits an der allzu schnellen Bereitschaft, im Planungsstadium und bei der Ausführung die Akustik hintenanzustellen. Dabei spielt unser Gehör eine elementare Rolle, ob wir uns in einem Raum wohlfühlen. Mit Expertenwissen, Berechnungs- und Messmethoden sowie der Vielzahl passender Baustoffe lässt sich die Akustik wunderbar beherrschen. Bereitschaft und Lust vorausgesetzt, gibt es kreative Lösungen, die sich nicht nur gut anhören, sondern auch gut aussehen.

Formbar & Stabil

Schallschutz

Die Filzfabrik Fulda hat mit ‚Lanisor‘ einen akustisch wirksamen Faserverbundstoff entwickelt, der bereits bei geringer Materialstärke gute Schallabsorptionsgrade erreicht. Die eigensteifen Platten sind thermisch formbar. So können einfach zu erstellende 3D-Formen zu akustisch wirksamen Körpern im Raum werden. In verschiedenen Farben, Materialdichten und Härtegraden erhältlich.

Glimmer – Glanzeffekt

Schallschutz

‚Baswaphon‘-Akustiksysteme dienen der Regulierung der Nachhallzeit und sind sowohl für Decken als auch Wandflächen geeignet. Die fugenlose Oberfläche kann direkt auf Beton aufgetragen werden in unterschiedlichen Systemhöhen. Jetzt gibt es den Glanzeffekt von ‚Baswaphon Glimmer‘. Nicht brennbar (A2-s1, d0) nach DIN EN 13501-1. Gute Absorptionswerte.

Dämmung mit Schaf

Schallschutz

Klimalan ist eine Marke der Baur Vliesstoffe GmbH und bezieht den Rohstoff für die ’swidas Panels‘ aus dem Sammelsystem des Schweizer Vereins swisswool. ’swidas Panels‘ dienen zur Wärme-, Kälte- und Schalldämmung. 80 % Schweizer Schafschurwolle, thermisch verfestigt mit max. 20 % Polyester, 1 % Mottenschutz und 4 % Flammschutz. Unterschiedliche Stärken.

Widerstandsfähig

Schallschutz

Für die Widerstandsfähigkeit sorgen bei Schotten & Hansen-Oberflächen natürliche Harze, Wachse und Öle, die größtenteils der Baum selbst liefert. Zur Farbgebung werden Inhaltsstoffe des Holzes aktiviert und natürliche Pigmente eingearbeitet. Innovativ ist die Kombination einer Akustikplatte mit vielen kleinen Bohrungen und der Schotten & Hansen-Oberfläche.

Sandwich-Paneele

Schallschutz

Das Akustikpaneel ‚AIR-board acoustic‘ von Design Composite ist der Beweis, dass Transparenz nicht im Widerspruch zur Akustik stehen muss. Das transluzente Paneel eignet sich für den Bereich Architektur und Design. ‚AIR-board acoustic‘ besteht aus mikroperforierten, lichtdurchlässigen Deckschichten und einem farblosen Wabenkern und ist in einem hohen Grad schallabsorbierend.

Effektiv & Duftend

Schallschutz

Almheu aus 1 700m Seehöhe, Wolle vom Tiroler Bergschaf oder getrocknete Lavendelstengel bilden die Oberfläche der ‚organoiden Akustikpaneele‘. Andere von der Natur inspirierte Oberflächen und Formate sind auf Anfrage lieferbar. Die fein perforierten, schwer entflammbaren Platten werden mit Stahlprofilen nahezu unsichtbar an der Wand montiert.

Acoustics = noise insulation?

Schallschutz

Smart Materials Series 11

How little well-founded knowledge is often present in the acoustics area is frequently borne out by incorrect use of the terms “acoustics” and “noise insulation”. Acoustics always refer to the science of sound and its propagation. In the construction industry, however, a distinction is made between spatial and structural acoustics. The former refer to sound in an enclosed space or room – this is the typical acoustical application area. Structural acoustics, on the other hand, relate to the prevention of noise transmission, in other words noise insulation. Today, many well-proven solutions and effective materials are available for both areas.
Very frequent searches take place for acoustically effective materials, as can be seen when the number of “raumprobe” search enquiries is analysed. What can be the cause of the continuous growth in this category? One factor is certainly that our environment is becoming increasingly noisy from year to year. This has led to more stringent requirements and regulations that have to be complied with. If we look at current building styles, another phenomenon becomes evident: large, open rooms with surfaces consisting largely of hard, that is to say acoustically reflecting materials. Instead of wall-to-wall carpeting, the trend is toward smooth materials. Curtains are seldom provided, and the materials currently used on walls and ceilings have a very low absorptive function. The automatic consequence of this is that in many areas of application it is essential to adopt acoustically effective measures actively at the planning stage. An additional difficulty arises because according to reports from many architects and planners, these measures are often the first to be discarded for cost-saving reasons. In such cases an “acoustical excursion” with the client is recommended, with a view to making various acoustical qualities audible. Drastic examples of how a loss of acoustical quality has occurred are regrettably easy to find. The importance of a professional approach to acoustics today is well illustrated by a statement made by a qualified expert. In almost all disputes, the verdict went against the planner. If a dispute reaches the courts today, generally accepted technical construction rules are normally applied; these are very much more restrictive than currently valid industrial standards and requirements. Work is currently in progress on new legislation and regulations. We should be asking ourselves, however, what the characteristics of good acoustics are and whether they can be effectively defined by an industrial standard. In the case of noise insulation, on the other hand, it is certainly easier to lay down simple, comprehensible limits that can be applied in practice. A change of attitude would be advantageous in this area. Acoustics are frequently understood as a necessary evil. On the one hand there are optical reasons for this, as the number of “raumprobe” enquiries for acoustically effective materials “without perforations” clearly indicate. Another factor is the evident readiness to relegate acoustics to a position of lesser importance at the planning stage and during construction work. Yet our hearing has a fundamental role to play when it comes to feeling at ease in a particular room. Acoustics can be splendidly controlled with the aid of the expertise and the complex computing and measuring methods and broad selection of suitable building materials already at our disposal. If we are prepared and willing, we can find creative solutions that are not only acceptable to our ears but look good as well. Text: Hannes Bäuerle

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