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Raum und Material

Beton – Butong im Keller

‚Butong‘, das ist die smarte Form des Hardliner-Materials Beton. Die seltsam gelochten Schalungen lassen sich nach dem Pressen noch eine halbe Stunde lang formen. Sie verbessern die Raumakustik und tragen zur Luftverbesserung bei. Ein Besuch im Underground-Lab von Studioverket.

Autorin Christiane Sauer

Kreative Vorstellungskraft brauchten die beiden jungen Designer Toki Drobnjakovic und Per Sundberg von Studioverket als sie die Räume eines ehemaligen Stripclubs in Stockholms beliebtem Ausgehviertel Stureplan anmieteten, um sich den lang gehegten Wunsch nach einem eigenen Büro bzw. Studioraum zu erfüllen.

Co-Working Space für junge Kreative im Keller

Das Duo – ein Architekt und ein Sounddesigner – modelten die unterirdisch gelegene Etage zu einem atmosphärisch dichten Raum um, der nicht nur für sie selbst Arbeitsmöglichkeit in zentraler Lage bietet, sondern zugleich auch als Co-Working Space für junge Kreative aller Sparten vom Musikbusiness bis zu IT und Architektur genutzt wird. Unterschiedliche Lichtstimmungen in den Räumen und Pflanzenbegrünung schaffen auch ohne direktes Tageslicht eine spezielle Atmosphäre zwischen Club, Lounge und Arbeitsraum, die vergessen lässt, das man sich in einem Untergeschoss befindet.

Prägendes Designelement: schaumartige Betonpaneele

Über die Eingangstreppe taucht man zunächst in einen abgedimmten Bereich ein, der den Besucher mit Lichteffekten an Wand und Decke empfängt. Wie eine Höhle wirken die von dort abgehenden Räume. Tageslichtlampen leuchten sie sehr gut aus und schaffen eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Prägendes Designelement sind schaumartige Betonpaneele, die mal mehr, mal weniger perforiert unterschiedliche Funktionen übernehmen.

Selbstverdichtender, faserverstärkter Beton: Butong

‚Butong‘ nennt sich das Material, hinter dem eine neue und einfache Herstellungstechnologie steckt. Es wird als selbstverdichtender, faserverstärkter Beton zwischen zwei herkömmliche Luftpolsterfolien gepresst und bleibt in dieser “Schalung” noch für etwa eine Stunde formbar. So können sehr einfach auch freie Formen erzielt werden, indem das Material vor dem Erhärten gebogen oder über dreidimensionale Objekte gelegt wird.

Random-Effekt

Die hauchdünnen Betonflächen, die dort entstehen, wo die Luftpolsterfolien der Form während des Betonierens eng aneinanderliegen, können nach dem Erhärten leicht ausgebrochen werden, um partiell Transparenz im Material zu erzeugen. Die verbleibenden Stege sind teilweise so dünn, dass der Beton dort transluzent scheint.

Die Hersteller vergleichen den Effekt des hinterleuchtenden Betons mit dem Licht, das durch einen herbstlichen Blätterwald fällt. Es geht hierbei nicht um eine perfekte, industrialisierte Oberfläche, sondern gerade die Variation und Unvorhersehbarkeit die in dem händischen Herstellungsprozess liegt, macht das harte Material Beton so lebendig und charaktervoll.

Im Eingangsbereich sind die Wandpaneele hinterleuchtet und lassen Lichtpixel entstehen, die den Raum erhellen und zugleich grafisch strukturieren.

Durch die Lochung des Betons wird die Fläche zu einem Akustikelement

Hinter den perforierten Paneelen befindet sich eine Schicht aus schallabsorbierendem Schaum. Im Zusammenwirken mit der Lochung des Betons wird die Fläche zu einem Akustikelement, das im Eingangsbereich einfallenden Lärm von der Straße abpuffert. Als zusätzliches atmosphärisches Element finden sich im Foyer Pendelleuchten mit einem Schirm aus Pixelbeton, der Lichtpunkte an die umgebenden Wände wirft.

Hinterfüllt man die Wandpaneele mit Pflanzensubstrat, entstehen “vertikale Gärten” die sowohl im Innen- als auch im Außenraum einsetzbar sind. Die Pflanzen wachsen durch die feinen Löcher des Betons und lassen eine stabile grüne Wand entstehen, die im Innenraum als Wandpaneel zur Luftverbesserung beiträgt oder auch im größeren Maßstab als Schallschutzwand entlang von Straßen denkbar ist.

Neue Seite des Betons durch Bepflanzung

Im Falle des Studios in Stockholm haben sich die Designer entschieden, hier Kräuter, Chillies und andere essbare Pflanzen zu kultivieren und laden temporäre Nutzer oder Gäste ein, weitere Samen und Setzlinge zu pflanzen. Geerntet wird für Drinks oder Speisen bei gemeinsamen Feiern. So zeigt der Hardliner unter den Materialien – Beton – hier eine ganz neue Seite: er wird durch seine sich ständig wandelnde Bepflanzung zum sozialen Mittelpunkt im Arbeitsumfeld.

Factsheet

Projekt: Studioverket; www.studioverket.se
Konzept: Studioverket, Toki Drobnjakovic, Per Sundberg
Design Beton: Noa Ericsson, Erik Liss
Detaildesign Butong: J-C Violleau, Andreas Berkebo, Lars Höglund
Ort: 11143 Stockholm, Norrlandsgatan 26
Fertigstellung: 2013
Material: Butong, www.butong.eu
Herstellungsverfahren: Kunststofffaserverstärkter selbstverdichtender Beton (je nach Anwendung auch mit Basaltfasern oder Glasfasern verstärkt) in Kunststofffolie geformt. Der Beton wird zwischen zwei Schichten von Luftpolsterfolie gepresst und bleibt für etwa eine Stunde formbar.
Abmessungen: Standardpaneel 1200 x 1200 mm (andere Abmessungen möglich); Paneelstärke 6–20 mm, Lochgröße bis 30 mm
Gewicht: Paneel ca. 10–20 kg/m2

Weitere Materialentwicklungen und -anwendungen finden Sie hier

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