Home » Leseempfehlungen » LE Menschen » Im Doppelpack

Porträt: Nicole Eggert und Julianne Utz-Preußing von Palmberg

Im Doppelpack

Nicole Eggert und Julianne Utz-Preußing lenken bei Palmberg zunehmend die Geschicke. Wie Sie die Werte des Büromöbelherstellers aus dem mecklenburgischen Schönberg fortführen wollen?  Wir haben nachgefragt.

Autorin: Gabriele Benitz

Anfang 2017 sind sie bei der Palmberg Büroeinrichtungen + Service GmbH als Geschäftsführerinnen und Gesellschafterinnen eingestiegen: Nicole Eggert und Julianne Utz-Preußing. Damit bleibt der Büromöbelhersteller im mecklenburgischen Schönberg in Familienhand. Nicole Eggert ist die Tochter des Geschäftsführers Uwe Blaumann, Julianne Utz-Preußing die Tochter des verstorbenen Gesellschafters Torsten Utz. Ihre Väter hatten sie gefragt, ob sie sich die Leitung vorstellen könnten. Sie konnten. Und sie wollten es gemeinsam anpacken, obwohl sie sich vorher nicht kannten.

Nicole Eggert (links) und Julianne Utz-Preußing
Die beiden Palmberg-Geschäftsführerinnen Nicole Eggert (links) und Julianne Utz-Preußing. Foto: Felix Matthies
„Wir wollen die Palmberg-Werte weiterverfolgen“

Nach mehr als zwei Jahren lässt sich die Handschrift der beiden Frauen ablesen. Ihr höchstes Ziel sei es, die Werte weiterzuverfolgen, die das Unternehmen ausmachen. Sie sagen: „Palmberg ist bunter geworden.“ Was das konkret bedeutet, veranschaulicht Julianne Utz-Preußing an einem Beispiel: „Der weibliche Touch äußert sich etwa darin, dass wir die interne Kommunikation verbessert haben. Wir stellen beispielsweise mehr Informationen in unser Intranet.“ Und dass sich an einer Mitarbeiterumfrage 86 Prozent beteiligten, zeugt von einem großen Mitwirkungsinteresse.

Folgenlos sind die Vorschläge der Beschäftigten nicht geblieben. Nicole Eggert, die schon seit 25 Jahren dem Unternehmen angehört, zählt einige Beispiele auf: Gleitzeit für Bürobeschäftigte, Umgestaltung der Arbeitszeiten für Produktionsmitarbeiter, attraktivere Pausenplätze, mehr Schulungen.

Aber auch Investitionen haben die Beiden mit vorangetrieben. Dazu zählt unter anderem eine neue Halle für die Containerfertigung und das neue Werk im benachbarten Rehna, wo vor allem akustisch wirksame Bürokomponenten produziert werden. Dazu zählen Wand- und Deckenabsorber, akustisch wirksame Stellwände und Schrankrückwände, Baffeln und Tischaufsätze der Absorberklasse A. „Unser Maschinenpark ist auf dem neuesten Stand“, äußert sich Julianne Utz-Preußing stolz.

FW6_5618.jpg
Im Tisch- und Gestellbau. Foto: Fotowerker

Stauraummöbel mit neuen Funktionen

Die Kapazitäten sollen erweitert werden. Zu den Überlegungen zählen die Vergrößerung des Tisch- und Gestellbaus genauso wie ergonomische Arbeitsplätze. Warum, erklärt Nicole Eggert: „Während es Schreibtische weiterhin geben wird, verringert sich die Nachfrage nach Standardschränken.“

Gleichwohl schreibt man die Schrankfertigung bei Palmberg nicht ab. Vielmehr gilt es, die Stauraumöbel mit neuen Funktionen zu versehen, etwa als platzsparende Version, die sich beidseitig von zwei Kollegen nutzen lässt. Die Ausstattung mit Schubläden oder Magnetwänden soll den Schrank in ein Multifunktionsmöbel verwandeln. Auch Produkte für den Mittelzonenbereich, die den kommunikativen Austausch unterstützen sollen, haben die beiden Geschäftsführerinnen im Fokus.

Wo Open Spaces und vornehmlich schallharte Oberflächen in modernen Bürobauten vorherrschen, kommt man an akustischen Maßnahmen nicht vorbei. Auch Utz-Preußing und Eggert stellen eine wachsende Nachfrage nach entsprechenden Produkten fest. Deshalb hat das nicht weit von der Ostsee gelegene Unternehmen solche Elemente gleichfalls im Programm.

So wie die beiden Chefinnen im eigenen Unternehmen die Wünsche der Beschäftigten einbeziehen, so erkennen sie wachsende räumliche Mitsprache auch in anderen Firmen und Branchen. „Die Mitarbeiter werden mehr und mehr in die Planung von Bürogebäuden und -etagen einbezogen“, stellt Utz-Preußing fest.

Studie über die Generation Z

Auch mit den Wünschen verschiedener Büroarbeiter-Generationen befasst sich Palmberg. Mit Professor Christian Scholz vom Fachbereich Betriebswirtschaftslehre der Universität Saarbrücken entstand eine Studie zur „Generation Z“. Ein erstes Fazit lässt sich daraus schon ziehen, meint Eggert: „Für die Angehörigen dieser Generation, das gilt aber auch für die anderen Jahrgänge, zählt, dass sie nicht in einer anonymen Großraumumgebung sitzen wollen.“ Sie plädiert für eine gute Mischung aus Einzel- und Doppelbüros sowie Einheiten für 20 Beschäftigte. Außerdem müssten die Arbeitsplätze an die jeweiligen Aufgabenbereiche angepasst sein.

Davon, dass es auch in Zukunft noch genug Bedarf an diversen Büroarbeitsplätzen gibt, zweifeln die Geschäftsführerinnen nicht. Dabei können sie auf eine solide Basis aufsetzen. Als sie vor zweieinhalb Jahren in den Betrieb einstiegen, fanden sie ein wirtschaftlich intaktes Unternehmen vor. Der Umsatz 2017 belief sich auf 96,5 Millionen Euro, ein Jahr später kletterte er schon auf 105,7 Millionen.

Die beiden Frauen bekennen sich zum Familienunternehmen am Standort, das weiterhin gesund wachsen soll. „Wir wollen nach wie vor den Spagat zwischen Tradition und dem Setzen von neuen Impulsen hinbekommen“, sagt Utz-Preußing. Dabei sind sie sich der Unterstützung von Uwe Blaumann gewiss, der nach wie vor aktiv in der Geschäftsleitung tätig ist. Gleichwohl hat er sich mit dem Jahr 2023 einen Endpunkt seiner aktiven Palmberg-Zeit gesetzt. Bis dahin soll es einen fließenden Übergang geben.

Personalsuche auf Recruiting-Messen

Im Fluss befindet sich auch das Unternehmen selbst, wie Eggert betont: „Wir planen, uns mit gleicher oder leicht steigender Mitarbeiterzahl zu entwickeln.“ Dabei gilt es vermehrt, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen. Dazu nutzen die Palmberg-Verantwortlichen unter anderem einschlägige Recruiting-Messen. Und sie tun einiges dafür, als attraktiver Arbeitgeber für ihre derzeit 564 und künftige Mitarbeiter dazustehen. So gibt es zum Beispiel neben Gleitzeit- auch Home-Office-Angebote und selbstredend eine erstklassige Ausstattung der Arbeitsplätze. Außerdem ist Palmberg ein mehrfach ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb.

Kueche-26.jpg
Küchenzone bei Palmberg. Foto: mediakonsum

Obwohl der Standort in der nordostdeutschen Provinz womöglich nicht ganz ideal ist, machen die beiden Frauen sich nur wenig Sorgen: Die Nähe zur Ostsee als Urlaubsregion und attraktive Städte wie Lübeck, Wismar und Schwerin in erreichbarer Nähe sprächen für Palmberg. Sie stellen sogar fest, dass einige Mitarbeiter nach jahrelangen, auswärtigen Erfahrungen wieder zurückkehrten. „Zu den regionalen Wurzeln“, bringt es Utz-Preußing auf den Punkt.

Die ersten zweieinhalb Jahre haben die Geschäftsführerinnen dazu genutzt, das Unternehmen gründlich kennenzulernen. Im ersten Jahr der Einarbeitungszeit sprachen sie ausführlich mit den Beschäftigten und hielten sich unter anderem in der Produktion auf. Im zweiten Jahr besuchten sie die mit Palmberg kooperierenden Fachhandelshäuser. Arbeits- und Aufgabenteilung war bisher kein Thema: „Wir sind immer noch im Doppelpack“, betonen sie lachend.

www.palmberg.de

Weitere People-Geschichten auf der md-Website

Anzeige

Top-Thema

Raumakustik
Grundlagenbeitrag Raumakustik: Lösungen für das Open Space

Der gute Ton

Anzeige

Neueste Beiträge

Titelbild md 10
Ausgabe
10.2019 kaufen

EINZELHEFT

ABO


Architektur Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Architektur-Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Medien GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum arcguide Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des arcguide Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de