Hotelanlage Alila Yangshuo, China

Misty Mountains

Vector Architects aus Peking entwickelten in der chinesischen Region Guangxi aus einer alten, Anfang der 1920er-Jahre entstandenen Zuckerfabrik, eine moderne Hotelanlage. Béton brut zwischen den Nebelbergen.

Autor Rolf Mauer

Yangshuo ist eine viel besuchte Urlaubsdestination in der südchinesischen Region Guangxi. Die umliegenden dramatischen Karstlandschaften haben die Gegend bekannt gemacht. Die Stadt liegt am mäandernden Fluss Li und ist gesäumt vom Auf und Ab vieler grüner Bergkegel, den sogenannten „Misty Mountains“.

Dort, wo früher das Mahlen, Lagern und Verpacken von Zucker tägliches Geschäft waren, bilden heute die alten Bauten einer ehemaligen Zuckerfabrik den zentralen Teil eines neuen Hotelkomplexes.

Für das ‚Alila Yangshuo‘ nahm Dong Gong, Inhaber und Gründer von Vector Architects das industrielle Erbe des Orts „als Repräsentation des Geistes der älteren Generation“ auf und orientierte sich nach eigenen Worten bewusst an der spirituellen Symbolik und Bedeutung der alten Struktur des Bestands.

Bemerkenswert ist, dass der Architekt in der einmaligen Landschaft am Fluss Li mit den Stilmitteln des Béton brut arbeitet und es zugleich versteht, den Beton so anzuwenden, dass dieser nur in sehr feiner und zurückhaltender Materialität und Masse erscheint. Dabei hält Dong Gong die Kubatur des Neubaus so einfach wie möglich, um unnötige Ablenkung vom Bestand durch eine zu ausdrucksstarke Geometrie zu vermeiden.

Ein neu angelegter „versunkener Platz“ um die historische Fabrik und ein das Licht reflektierender Teich unterstreichen die spirituelle Symbolik und Bedeutung der alten Struktur.

Höhlen im Neubau

Um ein Gefühl der Konsistenz zu schaffen, versuchten die Architekten die alte Industriearchitektur nicht einfach zu übernehmen, sondern sie kopierten die vorhandene Materialität und Textur, indem sie zeitgemäße Baustoffe und Konstruktionsmethoden verwenden, während sie gleichzeitig die Farben und die Oberflächenstruktur des Alten beibehalten.

Betonsteine und grober Sichtbeton dienen dazu, das neue Volumen optisch leichter und transparenter zu machen, ohne die bestehende Ordnung zu stören. Das materielle Profil des Neubaus wurde so einfach wie möglich gehalten, um so eine Ablenkung von der alten Zuckerfabrik durch eine zu ausdrucksstarke Geometrie zu vermeiden. Die Dachneigung der Neubauten stimmt mit der der vorhandenen Gebäudeteile überein.

Auf ihrem Weg durch das Hotel erleben die Gäste einen Wechsel von Hell und Dunkel und gleichzeitig den Wechsel von gerahmter Landschaft und freien Durchblicken. Immer wieder wird die Landschaft dem Auge sanft entzogen und dadurch besonders hervorgehoben. So taucht der nahe Berggipfel aus wechselnden Perspektiven auf, präsentiert sich das Gelände als Ort zum Wandern und Nachdenken.

Die horizontale Bauweise der Architektur steht im Kontrast zur Vertikalität des Karstgebirges. Damit betonen die Architekten die Wechselwirkung zwischen Mensch und Natur. In den „Höhlen“ des Neubaus, also den Räumen zwischen den einzelnen Gebäudeteilen, sind frei geformte Bambus- installationen aufgehängt, die den architektonischen Raum optisch mit der natürlichen Berglandschaft verbinden – eine künstlerische Hommage an Bambusgerüste, eine der historischen Bauformen der Gegend.

Bei der Gestaltung des Hotels kamen lokale Materialien zum Einsatz, beispielsweise rotes Vulkangestein.

Es wurde erst während der Bauarbeiten entdeckt und diente der Herstellung von Terrazzoböden und Wandputzen für die Gästezimmer. Auch Ton fand man. Daraus entstanden, ebenfalls für die Gästezimmer, dekorative Wandreliefs, die sich bewusst an Vorlagen von lokalen Kunsthandwerkern aus den 1960er-Jahren orientieren.

Die Innenarchitektur der öffentlichen Bereiche nimmt eine industrielle Ästhetik an, die das Erbe der Zuckerfabrik harmonisch mit dem Neubau verbindet. Im ehemaligen Pressraum – heute Bar – haben die Gäste mehr als 80 Rumsorten und Cocktails zur Auswahl. Das Restaurant „Sugar House“ ist umgeben von üppigem Grün, während das moderne Interieur kunstvoll alte Werkzeuge integriert. Ebenso imposant ist die Lobby des Resorts mit einer zentralen, versenkten, runden Sitzgruppe, deren Rot sich inmitten der erdigen Farben der Innenausstattung abhebt, sowie einer Kunstsammlung, die auf den Gründer der Zuckerfabrik, der als Kunstliebhaber bekannt war, verweist.

Die Hotelanlage wäre ohne ein erstklassiges Spa nicht komplett. Inspiriert von den Karsthöhlen der Region liegt der Wellnessbereich unterirdisch, ist über eine zugleich leicht und schwer wirkende Treppenskulptur erreichbar und bietet balinesische Wellnesstraditionen und -techniken mit lokalem Bezug – darunter unraffiniertem Schwarz-Zucker. Warum man sich in China an balinesischen Traditionen orientiert, hat sich uns nicht erschlossen, aber das mag ein Zugeständnis an die internationalen Gäste sein.

Der schönste Ort innerhalb der Anlage ist wohl das ursprüngliche Zuckerrohr-Ladedock, das zu einem Freibad umgebaut wurde.

Über dem Fluss schwebend und eingerahmt von den alten Pfosten und Unterzügen, aus denen sich die ursprüngliche Struktur zusammensetzt, bietet das Pooldeck eine filmische Kulisse zum Entspannen und Eintauchen in die spektakuläre Landschaft, die sich um den Pool entfaltet.

Wer hier badet, darf sich der Illusion hingeben, es gebe nur ihn und diese wunderschöne Landschaft und aller Zivilisationsstress ist für immer vergessen.

Weitere Projekte finden Sie hier


Architekt

Gong Dong gründete das Büro Vector Architects in Peking 2008. Seine außergewöhnlich sensiblen Projekte bringen dem Büro auch im Ausland große Anerkennung. Mitarbeiter: 30

Webseite des Architekturbüros

Portrait: ©Vector Architects

Factsheet

Projekt: Alila Yangshuo

Standort: Yangshuo, Guilin, Guangxi/CHN

Bauherr: Landmark Tourism Investment Company

Bauaufgabe: Hotel

Fertigstellung: 2017

Grundstücksgröße: 26 000 m²

Geschosse: 4

Nutz-/Wohnfläche: 16 000 m²

Materialien (Decke, Wand, Boden): Holz, Beton, Mauerwerk, Bambus, Stuck, Terrazzo, Rauhputz


The Alila Yanghsuo hotel complex in China

Misty Mountains

In the Chinese region of Guangxi, Peking-based Vector Architects converted an old sugar mill dating back to the 1920s. Béton brut amidst mountains in the mist.

Author: Rolf Mauer

Yangshuo is a popular destination for holiday makers in the Southern Chinese Guangxi region. The surrounding, dramatic karst landscape made the region famous. The town is situated at the meandering Li river and is bordered by many staggering green mountain peaks, the so-called “Misty Mountains”.

Where in the past grinding, storing and packing of sugar was a day-to-day business, the old buildings of a former sugar mill are now the central part of a new hotel complex. Dong Gong, owner and founder of Vector Architects, picked up the industrial heritage of the place for the ‘Alila Yangshuo’ as a “representation of the older generation’s spirit” and, according to his own words, deliberately followed the spiritual symbolism and significance of the existing buildings’ old structure.

It is remarkable that the architect works with the stylistic devices of Béton brut in this unique landscape on the river Li, and that at the same time he is able to apply concrete such that its materiality and mass makes a distinctly finer and more reticent impression. Dong Gong keeps the new building’s cubature as simple as possible to avoid unnecessary distraction from the building stock by a too expressive geometry.

A newly created “sunken plaza“ around the historical factory and a pond, reflecting the light, underline the spiritual symbolism and significance of the old structure. With the aim of creating a feeling of consistency, the architects tried not just to adopt the old industrial architecture. Instead, they copied the existing materiality and texture by using contemporary building materials and construction methods, while at the same time retaining the colors and surface structure of the old parts. Concrete blocks and rough, exposed concrete are used to make the new volumes visually lighter and more transparent without disturbing the existing order.

The material profile of the new building was kept as simple as possible to avoid distraction from the old sugar mill by a too expressive geometry.

The roof pitch of the new elements matches that of the existing building parts.

Caves in new buildings

Walking through the hotel, guests experience alternating brightness and darkness and at the same time a change from framed landscapes and unobstructed views. Time and again the landscape gently escapes the eyes, thus being emphasized and highlighted. The nearby mountain peak, for instance, is perceived from varying perspectives, and the terrain presents itself as a place for walking and contemplating.

The horizontal design of the architecture is a marked contrast to the vertical nature of the karst mountains. In this way the architects emphasize the reciprocal effect between man and nature. In the “caves” of the new building, i.e. in the spaces between the individual building parts, bamboo installations in free forms have been hung; they visually connect the architectural space with the natural mountain landscape.

An artistic homage to the historical building structures of bamboo used in this area.

Local materials were used for the hotel’s design, e.g. red volcanic rock. It was discovered during construction and served for the terrazzo floors and wall plasters in the guest rooms. Clay was also found. Decorative wall reliefs were made from this material, also in the guest rooms, deliberately modelled on the patterns of local artisans from the 1960s.

Cinematic setting

The interior design of the public areas features industrial aesthetics and connects the sugar mill‘s heritage with the new building. In the bar, the former pressing chamber, guests can now choose from more than 80 kinds of rum and cocktails. The “Sugar House“ restaurant is surrounded by lush greenery, while the modern interiors artistically integrates old tools. The lobby of the resort is just as impressive. It features a red, sunk, round seating area in its center that stands out from the earthy colors of the interior fittings, plus an art collection referring to the sugar mill’s founder who was a well-known art lover.

Without its first-rate spa the hotel resort would not be complete. The wellness area was inspired by the karst caves of the region and have been accommodated below ground level; access is via a stair sculpture which looks both lightweight and heavy. Guests are offered traditional Balinese wellness treatments and techniques with a local connection, like unrefined black sugar. It was not quite clear to us why Balinese traditions are applied in China; maybe this is a concession to the international clientele?

The most beautiful place of the resort is perhaps the former truss used for loading sugar cane, now transformed into an open-air swimming pool. Hovering above the river and framed by the old posts and beams that make up the original structure, the pool deck offers a cinematic setting where visitors relax and immerse themselves in the spectacular landscape unfolding around the pool. Swimming in this pool, you may succumb to the illusion that you are alone in the world; in this wonderful landscape you are bound to forget all the stress imposed by modern civilization forever.


Architect

Gong Dong founded the Vector Architects studio in Peking in 2008. His exceptionally sensitive projects reap great appreciation also abroad.

Staff: 30

www.vectorarchitects.com


FACT SHEET

Project: Alila Yangshuo

Location: Yangshuo, Guilin, Guangxi/CHN

Client: Landmark Tourism Investment Company

Task: Hotel

Completion: 2017

Plot size: 26 000 m²

Number of stories: 4

Usable area/living area: 16 000 m²

Materials (ceiling, wall, floor): wood, concrete, brickwork, bamboo, stucco, terrazzo, rough plaster