Hotel Il Sereno am Comer See

Genius Loci

„Ein intimes Refugium der Entspannung“ zu schaffen, war Patricia Urquiolas erklärtes Ziel beim Entwurf des Il Sereno Hotels in Oberitalien. Entstanden ist ein Objekt mit souveränem Design und starkem Bezug zur umgebenden Natur.

Autorin
Cecilia Fabiani

Das italienische Wort „sereno“ bedeutet übersetzt ausgeglichen, ungetrübt, aber auch wolkenlos und heiter. Dieser Ausdruck verlieh dem Hotel Il Sereno seinen Namen und beschreibt die Atmosphäre des Comer Sees auf sehr treffende Weise. Nach diesem natürlichen Vorbild gestaltete Patricia Urquiola die 30 Suiten und gesamte Ausstattung des Hotels.

Seit vielen Jahren wurde kein Hotel mehr am Comer See errichtet. Die Zeiten, in denen die Gegend mit luxuriösen Hotels zur Entspannung einlud, gehören einer vergangenen Epoche an. Das Blatt wendete sich vor 15 Jahren, als George Clooney in dem kleinen Ort Laglio eine historische Villa kaufte und damit den See und die Stadt Como wiederbelebte.

Seither steigen die Übernachtungszahlen von Jahr zu Jahr, das Publikum wird jünger und internationaler. Der romantische See ist mit seinen Prunkvillen, gepflegten Parks und Gärten sowie den malerischen Dörfern zu einer beliebten Wochenenddestination geworden. Auch viele Geschäftsleute, die nach Mailand reisen, verbringen ihre Nächte in Como; schließlich gelangt man von der Stadt in nur einer Stunde über die Autobahn an den See. Von dort führt eine Straße an der eleganten Uferpromenade Richtung Cernobbio und Menaggio; auf der „ärmeren“ Seite des Sees gelangt man Richtung Bellagio. Wer sich für diese Seite entscheidet, erreicht nach ein paar Kilometern auf einer steilen, kurvenreichen Landstraße den beschaulichen Ort Torno. Dort befindet sich der Neubau des von Patricia Urquiola entworfenen 5-Sterne-Hotels Il Sereno.

Sein Bauherr, der venezolanische Luis Contreras, ist kein Unbekannter im Hotel-Business. Er ist bereits sehr erfolgreich mit dem kleinen gepflegten Luxushotel Le Sereno und den Le Sereno Villas auf der Insel St. Barth, die zu den Kleinen Antillen gehört.

Nun versucht er am Comer See sein Glück mit dem gleichnamigen Hotel
in Torno und der Restaurierung der nahegelegenen Villa Pliniana, deren Apartments für Events genutzt werden. Das Hotel bietet nur wenigen Gästen Platz, sodass er ihnen besonderen Komfort und erlesenen Luxus – gepaart mit exklusiver Lage und zeitgenössischem Design – bieten kann.

Natürliche Identität

Die in Mailand lebende, spanische Architektin und Designerin Patricia Urquiola verschaffte Wasser und Landschaft in ihrem Entwurf so viel Raum wie möglich. Sie zelebriert den Panoramablick. Details wie die Verwendung regionaler Materialien und von der Umgebung inspirierte Farbtöne vervollständigen ebenso ihr Konzept wie der graue Ceppo Lombardo auch Ceppo di Gré genannte Stein, den sie für die Fassade wählte.

Jedes der sechs Stockwerke besitzt einen individuellen Grundriss und dennoch verfügen alle 30 Suiten über eine Terrasse mit Seeblick. Bodentiefe Fenster ermöglichen auch innerhalb der Räume ausreichend Licht und
eine uneingeschränkte Sicht.

Die 23 Standard-Suiten messen 60 bis 66 Quadratmeter. Sowohl die drei mittelgroßen Corner-Suiten besitzen jeweils zwei Badezimmer, ein Esszimmer und eine Terrasse mit Badewanne. Puren Luxus versprechen
die beiden Penthouse-Suiten mit
200 Quadratmetern: zusätzlich zur Terrasse gehören ein eigener Garten samt Pool dazu. Die steile Hanglage ermöglicht es ihren Bewohnern, den Seeblick uneingeschränkt zu genießen; nur wenige Schritte entfernt steht ihnen sogar ein privater Strand zur Verfügung.

Simple Eleganz

„Der Wunsch des Auftraggebers war ein zeitgenössisches Hotel und schlichtes Design – Understatement im Gegensatz zu den zahlreichen klassisch-historischen Hotels am Comer See. Aus diesem Grund haben wir
von der Architektur, über die Innenarchitektur bis zu den Möbeln, Teppichen, Wandverkleidungen, Leuchten und Badezimmern alles durchgestaltet“, erklärt Patricia Urquiola.

Sogar die Grafik, die Kleidung des Personals und das hoteleigene Boot sind Teil des Entwurfs. Il Sereno
wirkt trotz detaillierter Planung
nicht übertrieben designt. Die untere Ebene des Gebäudes ist fast vollständig verglast und schafft so – samt Innenhof – eine Verbindung zwischen Innen- und Außenraum.

Über eine breite, scheinbar schwebende Treppe gelangen die Gäste in die oberen Etagen. Umrahmt wird
die Nussbaum-Treppe von raumhohen Kupfer-Metallröhren. Auch die Innenarchitektur der Eingangshalle, Flure und Suiten wurde bis ins letzte Detail geplant: Verschiedene Stein- und Holzarten wurden entweder kombiniert oder separat verwendet; vereinzelte Glas- und Kupferelemente erweisen sich als spannende Details.

Fast alle eingesetzten Materialien stammen aus der Gegend des Sees oder den nahe gelegenen Bergen. Die grauen Steine der Fassade kommen aus Gré, die Steinböden aus Moltrasio.

Der Fassadenstein Gré findet sich ein weiteres Mal bei den Tischen des Restaurants. Ansonsten besteht die Möblierung vorwiegend aus Nussbaum und Esche, während die Wandverkleidungen aus Granit, Nussbaum oder Travertin gefertigt wurden. Auch das Farbkonzept verfolgt das Ziel, die Umgebung in den Innenraum zu verlagern. Natur- und Erdtöne sowie stimmungsvolle Grau-, Blau- und Grünnuancen dominieren die Wände, Teppiche und Polstermöbel.

Der französische Botaniker Patrick Blanc, Erfinder der Mur Végétal, setzte zwei seiner begrünten Wände und eine Art Pflanzenskulptur im verglasten Innenhof ein.

Das ehemalige Bootshaus wurde zum – von Sternekoch Andrea Berton geführten – Restaurant Al Lago. In unmittelbarer Nähe zum Restaurant befindet sich der Poolbereich. Von dort bietet sich einer der schönsten Aussichten des Hotels Il Sereno; ganz unfreiwillig schweift der Blick in die Weite und verliert sich im Blau des Sees.


Architektin Patricia Urquiola

Studio Urquiola, Mailand Gründungsjahr: 2001

Mitarbeiter: 60 www.patriciaurquiola.com

Porträt: Marco Craig

Mehr Informationen unter
www.md-mag.com/urquiola


A hotel on Lake Como

Genius Loci

It was Patricia Urquiola’s declared aim to create ”an intimate retreat for relaxation” when she designed this hotel in Upper Italy. The result is a superbly designed object with a strong reference to the surrounding nature.

Author: Cecilia Fabiani

The Italian word “sereno“ means balanced, untroubled, but also unclouded and serene. The term gave the Il Sereno Hotel its name and describes the atmosphere of Lake Como in a very apt way. Patricia Urquiola created the 30 suites and all of the hotel’s furnishings following this natural example.

For many a year no new hotel had been built on Lake Como. The times when the environment invited guests to spend days of relaxation here in luxurious hotels were long gone. Fifteen years ago the tide began to turn when George Clooney bought an historic villa located in the little town of Laglio, thus revitalizing the lake and the town of Como.

A second life

Since then overnight stays have been increasing from year to year, and visitors have been growing younger and more international. With its gorgeous villas, well-groomed parks and gardens and picturesque villages, the romantic lake has become a popular weekend destination. Many businesspeople spend a night at Como on their way to Milan seeing that the metropolis is only 30 kilometers away from the lake by highway. From Como a road alongside the elegant lakeside promenade leads to Cernobbio and Menaggio, and on the “poorer” side of the lake you will be directed to Bellagio. If you decide in favor of that side, you will reach Torno, an idyllic little place, a few kilometres further on a steep, winding country road. And this is where the new 5-star Il Sereno Hotel, designed by Patricia Urquiola, is situated.

The building owner is Luis Contreras, a Venezuelan and no stranger to the hotel business. He has already achieved a great deal of success with the small and smart Le Sereno luxury hotel and the Le Sereno Villas on the island of St. Barths in the Lesser Antilles. He is now trying his luck on Lake Como at Torno with a hotel of the same name and with the refurbishment of nearby Villa Pliniana whose apartments are used for events. The hotel offers rooms for only a few guests who can look forward to comfort and exquisite luxury of a special kind – combined with an exclusive location and contemporary design.

Natural identity

Patricia Urquiola, the Spanish architect and designer who lives in Milan, provided as much space as possible for water and landscape in her design. She offers magnificent panoramic views. Her concept is complemented by details such as regional materials and color shades inspired by the environment, e.g. the grey stone called Ceppo Lombardo or Ceppo di Gré she chose for the façade.

Each of the six stories has an individual layout, and yet all 30 suites have a terrace with a view of the lake. Floor-level windows allow enough light inside the rooms and an unrestricted view. The 23 standard suites have a floor area of 60 to 66 square meters. The three medium-sized corner suites have two bathrooms each, a dining room and a terrace with bath tub. The two penthouse suites, measuring 200 square meters, promise pure luxury: in addition to the terrace they have their own garden complete with a pool. The steep slope enables those who stay there to enjoy an unrestricted lake view, and only a few steps away they even have a private beach at their disposal.

Simple elegance

“The client wanted a contemporary hotel and plain design – understatement in contrast to the many classical, historic hotels on Lake Como. For this reason we have consistently designed everything from architecture to interior design and furnishings, carpets, wall coverings, lamps and bathrooms”, explains Patricia Urquiola. Even the graphic designs, the staff dress code and the hotel boat are part of her design. But despite this detailed planning, Il Sereno does not look over-designed. The building’s lower level is almost completely glazed, thus achieving a connection between the interior and outer spaces including the inner courtyard.

A broad, seemingly hovering staircase leads guests to the upper levels. The walnut chair is surrounded by room-high copper tubes. The interior design of entrance hall, corridors and suites was also planned down to the very last detail: various types of stone and wood were used either in combination or separately, and occasional glass and copper elements act as fascinating details.

Almost all materials used come from the region around the lake or the nearby mountains. The grey stones of the façade come from Gré, the stone floors from Moltrasio. The stone from Gré also appears in the table-tops of the restaurant. Apart from that, furnishings are predominantly made of walnut and ash, while the wall claddings were produced from granite, walnut or travertine.

The color concept, too, aims at reflecting the environment in the interior space. Natural and earth shades, plus pleasant nuances of grey, blue and green, dominate walls, carpets and upholstered furniture. French botanist Patrick Blanc, who invented the Mur Végétal, put two of his green walls and a kind of sculpture in the glazed inner courtyard.

The former boathouse was transformed into the Al Lago restaurant, run by star chef Andrea Berton. The pool area is located in the immediate vicinity of the restaurant. From there you have one of the most beautiful views; quite spontaneously your eyes will look into the distance and end up in the blue vastness of the lake.

Architect Patricia Urquiola

Office: Studio Urquiola, Milan
Founding year: 2001

Staff: about 60

www.patriciaurquiola.com