Rahbaran Hürzeler Architekten

Movable House

Der kurze Dokumentarfilm über den Entstehungsprozess des Movable House erklärt den experimentellen und innovativen Herstellungs- und Bauprozess im Werk und auf der Baustelle. Die Architektinnen Shadi Rahbaran und Ursula Hürzeler erzählen.

Sie können jetzt entweder diesen Text lesen, um zu erfahren, was es mit dem ‚Movable House‘ auf sich hat oder Sie klicken gleich auf den Kurzfilm und lassen sich das Konzept von den Architektinnen Shadi Rahbaran und Ursula Hürzeler persönlich erklären.

Film: Weisswert, Basel, Clair Morin, Matthias Indermaur

Der Bauherr des ‚Movable House‘ wünschte sich ein Wohnhaus, das für keinen bestimmten Ort entwickelt werden sollte, sondern „bewegbar“ bleiben soll. Der Prototyp – in Basel aufgebaut – soll langfristig an einem anderen Ort Standort wieder aufgebaut werden. Um das zu erreichen, müssen die einzelnen Bauteile ein schnelles Abbauen und Aufstellen sowie einen effizienten Transport ermöglichen.

Trotzdem ist es kein Wohnhaus auf Rädern oder zeugt überhaupt über sein Äußeres von seiner Beweglichkeit.

Materialeinsparung

Vier im Werk vorgefertigte Holzelemente aus Furnierschichtholz aus Buche tragen die vorfabrizierten Rippendecke aus aus Weißzement mit Zuschlägen von Carrara Marmor. Es wurden bei der Herstellung der Betondecke 70 Prozent Beton eingespart – im Vergleich zu herkömmlichen massiven Betondecke.

Das Aufrichten der vorgefertigten Holzkerne und des Deckensystems vor Ort erfolgte in nur zwei Tagen.

Ausgeglichenes Raumklima

Weniger Material bedeutet allerdings auch weniger Speichermasse, was zu einem schnelleren Aufheizen des Hauses im Sommer und zu einem schnelleren Auskühlen im Winter führen würde. Um das zu umgehen, wurden Phasenwechselmaterialien (PCM) in Form von Salz- und Wachsmodulen im Betonboden eingelassen.

Diese Module können gegenüber herkömmlichen Baumaterialien ein Vielfaches an Energie speichern und verzögert wieder an den Raum abgeben. Dies führt zu einem ausgeglichenen Raumklima.

Movable House als Forschungsobjekt

Das Projekt wurde von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) begleitet, die seit August erste Messdaten liefern. Sensoren messen die Temperatur des Raumes, des Fußbodens und des Erdreichs sowie den gesamten Stromverbrauch und die Stromproduktion der Photovoltaik-Anlage, aber auch den Verbrauch von Heizung und Wasser.

Die Heizung, Kühlung sowie die Erzeugung von Warmwasser und Strom erfolgen komplett aus erneuerbaren Energien.

Kompakter Raum mit hoher Lebensqualität

Mit seinem quadratischen Grundriss wird das pavillonartige Gebäude über den kreisrunden Bibliotheks- und Rückzugsraum im Zentrum als internen Verteiler diagonal erschlossen. Es entsteht eine offene Atmosphäre.

Die vier geschlossenen Kerne aus Buchenholz enthalten den schmalen Eingangsraum, die reduzierten, aber individuellen Nasszellen und die großzügigen Einbauschränke. Gemeinsam tragen diese vier Holzvolumen die auskragenden Dachelemente aus vorgespanntem Beton.

Ziel des Projekts

Das erstellte Pilotprojekt in Basel soll wegweisend sein für Nachfolgeprojekte. Aus den Erkenntnissen der Herstellung des vorfabrizierten Baukastensystems ergeben sich Grundlagen für die industrielle Produktion. Die Testphase ermöglicht konkrete Vergleichsmöglichkeiten der thermischen Simulation mit dem tatsächlichen Energieverbrauch im Betrieb.

Ziel der anwendungsorientierten Forschung ist es, langfristige, marktfähige Produkte und Projekte zu entwickeln. Das movable house bewegt sich in diesem Sinne noch lange weiter.

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Movable House

Projekt: Bewegliches, ortsunabhängiges Wohnhaus, privat

Standort Prototyp: Niederholzstrasse 88, 4125 Riehen, Kanton Basel-Stadt

Bauherren: Nico Ros + Laura Möckli

Fertigstellung: Sommer 2018

Architekten: Rahbaran Hürzeler Architekten, Basel, www.rharchitekten.ch, (Shadi Rahbaran, Ursula Hürzeler; Julian Nieciecki, Lisa Tran, Ilinca Zastinceanu, Eugenio Cappuccio)

Tragwerksplanung: ZPF Ingenieure AG, www.zpfing.ch; (Nico Ros, Nicolas Gamper)

Forschungsprojekt Innosuisse / Bauphysik: Institut Energie am Bau – Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, www.fhnw.ch, (Achim Geissler, Caroline Hoffmann, Gregor Steinke, Roger Blaser)

Wohnfläche: 97 m²

Gebäudeabmessungen (L x B x H): 10.34 m x 10.34 m x 3.00 m

Konstruktion:

Tragstruktur (Kerne): Buchenholz-Mehrschichtplatten, Pollmeier BauBuche Q Platte

Dachelemente: vorfabrizierte Betonelemente, Weisszement, Zuschlag Carrara-Marmor

Bodenelemente: vorfabrizierte Betonelemente, Weisszement, Zuschlag Carrara-Marmor)

Fassade: Holz-Leichtbau, gestrichene Dreischichtplatten, gestrichene Holzfenster Uw 0.868 W/m2K

Fotos: © Weisswert, Basel, www.weisswert.ch


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